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Massenpanik bei der Loveparade: Augenzeugenberichte:"Viel Alkohol, viel Drogen"

Die Loveparade in Duisburg geht als bisher traurigste der insgesamt 19 Techno-Partys in die Geschichte ein: Der einzige Zugang zur Party verwandelte sich in einen tödlichen Hexenkessel. sueddeutsche.de dokumentiert die erschütternden Aussagen von Augenzeugen.

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At Least 18 Die After Stampede At Love Parade

Quelle: Getty Images

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Die Loveparade in Duisburg war die dritte im Ruhrgebiet und geht als traurigste in die Geschichte ein: 19 Menschen starben. Sie wurden zu Tode getrampelt und erdrückt in einer Massenpanik. 342 weitere Besucher des Festes wurden zum Teil schwer verletzt.

Augenzeugen berichten, wie sich der einzige Zugang zur Loveparade in einen tödlichen Hexenkessel verwandelte. sueddeutsche.de dokumentiert die erschütternden Aussagen.

Offenbar haben Loveparade-Besucher die Polizei bereits mehr als eine halbe Stunde vor der Massenpanik in dem Tunnel vor der Gefahr gewarnt. "Wir standen mittendrin. Es hatten immer mehr Menschen noch versucht, zum Gelände zu kommen", sagte der 21-jährige Raver Fabio der Nachrichtenagentur dpa. "Wir waren schon durch den Tunnel durch und standen auf dem kurzen Stück vor dem Eingang. Dort ging es aber nicht weiter." Einige seien über Zäune und eine Leiter geklettert. "Wir sind danach durch den Tunnel zurück. "Meine Freundin und ich haben schon kaum mehr Luft mehr bekommen und haben die Ellbogen ausgefahren, um noch wegzukommen. Anschließend haben wir die Polizei alarmiert und gesagt, dass es im Tunnel gleich zur Massenpanik kommen wird." Passiert sei aber erst einmal nichts. "Das war etwa eine Dreiviertelstunde vor dem Unglück gewesen. Da waren aber schon Leute reihenweise zusammengeklappt."

Tote bei Loveparade 2010 in Duisburg

Quelle: dpa

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Ein Augenzeuge berichtete dem TV-Sender n-tv, er sei, obwohl das Gelände schon voll gewesen sei, noch hineingekommen. Dann sei er selbst in den Tunnel geraten, der sich für viele als tödliche Falle erwiesen habe. "Da lagen schon einige Menschen am Boden, andere kletterten die Wände hoch und versuchten, über die Seiten in das Gelände hinein zu kommen. Und die Menschenmenge, die nachrückte, die liefen einfach über die am Boden liegenden drüber. Also eine richtige Massenpanik."

Massenpanik auf der Loveparade in Duisburg, Getty Images

Quelle: AP

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Der gleiche Augenzeuge berichtete: "Die Polizei hat versucht, hinein zu gehen in die Menge und die am Boden liegenden Menschen herauszuziehen. Es war aber zu voll, die Polizei hat die Menschen nicht herausbekommen, es war nichts zu machen." Auch seien zunächst keine Rettungskräfte vor Ort gewesen. "Hilfskräfte waren erst mal gar nicht vorhanden, vielleicht drei, vier vom Malteser Hilfsdienst. Die konnten aber in der Masse der Menschen auch nichts machen."

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Quelle: AFP

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Petra Vennebusch, die als Videoreporterin vor Ort war, sagte im WDR, die Leute seien aggressiv geworden und hätten versucht, sich Zugang zum Loveparade-Gelände zu verschaffen. "Da war Ärger im Spiel", sagte Vennebusch. "Viel Alkohol, viel Drogen." Die Polizisten seien teilweise überfordert gewesen.

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Quelle: AP

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Viele Besucher der Loveparade erheben nun schwere Vorwürfe gegen die Veranstalter: Das Loveparade-Gelände hat nach ihren Angaben wie eine "Falle" gewirkt. "Überall lagen Menschen auf dem Boden herum. So stelle ich mir Krieg vor", sagte ein Augenzeuge dem Nachrichtensender n-tv. Die Veranstalter seien vermutlich nicht richtig auf die Menschenmassen vorbereitet gewesen. "Das war programmiertes Chaos." Das Gelände sei wegen Überfüllung abgesperrt gewesen, und von hinten hätten durch den Tunnel die Massen gedrückt, sagte er. "Der Tunnel ließ keine Fluchträume zu." Die Polizei und die Rettungskräfte hätten schnell versucht, an die Menschen zu kommen, was aber schwierig gewesen sei.

Tote bei Loveparade 2010 in Duisburg

Quelle: dpa

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Schlechte Planung und mangelnde Vorbereitung hätten das Unglück ausgelöst - dieser Ansicht waren zahlreiche Technofans, von denen viele erst nach Stunden von der Katastrophe erfuhren, die sich direkt neben den Feiernden abspielte: "Man kann nicht mit einer Million Menschen planen und dann ein Gelände für 350 000 Menschen bereitstellen," so einer der Feiernden.

Massenpanik, Loveparade Duisburg

Quelle: AP

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Als die tanzenden Raver von der Tragödie erfuhren, zeigten sich viele von ihnen tief geschockt: "Die wollten doch alle nur Spaß. Dann haben alle geweint, ich habe geweint."

At Least 15 Die After Stampede At Love Parade

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"Die Veranstalter sind schuld! Die haben einen krassen Management-Fehler begangen. Wie kann man denn Menschen nur durch einen einzigen Zugang auf das Gelände lassen? Das ist ein Skandal", so Loveparade-Besucher Achmed Hasan aus Hamm.

15 Tote bei Massenpanik auf Loveparade

Quelle: ddp

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Raver, die sich zum Zeitpunkt der Katastrophe im Tunnel befanden, standen auch Stunden nach dem Drama unter Schock: "Neben mir ist ein Mädchen gestorben", berichtete Dustin aus Erkrath. Es sei einfach erdrückt worden. Ein weiteres Mädchen habe neben ihm gelegen. Es sei schon blau angelaufen gewesen. Mit Mund-zu-Mund-Beatmung habe er sie wiederbeleben können. Dabei konnte sich Dustin lange selbst so gut wie nicht bewegen: "Auf mir lagen noch zwei Menschen." Teilweise hätten fünf bis sechs Personen übereinander gelegen. Als ihn schließlich Rettungssanitäter herauszogen, verlor er seine Schuhe. "Es war so eng, die sind steckengeblieben", sagt Dustin. "Ich hatte schon mit dem Leben abgeschlossen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch Luft bekomme."

Tote bei der Loveparade

Quelle: dpa

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Zwei Mitdreißiger, die sich beide als erfahrene Love-Parade-Besucher ausgaben, sagten: "Es war furchtbar. Wir haben gesehen, wie Menschen eine Treppe heruntergestürzt sind und mit Knochenbrüchen an zugedeckten Leichen vorbeigetragen wurden", fügten sie hinzu. Während die beiden den Einsatzkräften großes Lob zollten, äußerten sie an der Stadt Duisburg massive Kritik. Die Loveparade sei "miserabel organisiert" gewesen: "Der Eingang zum Festgelände war viel zu klein. Manche wollten über Schleichwege aufs Gelände. Das scheint die Ursache der Katastrophe gewesen zu sein."

© sueddeutsche.de/dpa/ap/afp/bön

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