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Lottofieber:Am Kiosk ist die Hölle los!

35 Millionen Euro! Cash! Der höchste Jackpot der Lotto-Geschichte führt zu einem Ansturm in den Annahmestellen. Rekordverdächtig ist auch die Spielleidenschaft der Deutschen: Die Lottogesellschaften rechnen mit einem Gesamteinsatz von 100 Millionen Euro.

"Glücksspiel kann süchtig machen." Das obligatorische Warn-Plakat in den Lottoannahmestellen kümmert die Deutschen derzeit herzlich wenig. Kein Wunder: Mit einer Summe von 35 Millionen Euro lockt der höchste Jackpot der Lotto-Geschichte - und in Tabak- und Zeitschriftenläden und an Kiosken herrscht Ausnahmezustand.

Jagd auf den Jackpot

Am Kiosk ist "die Hölle los".

(Foto: Foto: Schubert)

"Hier ist die Hölle los", sagt Martina Kramschuster von der Annahmestelle Abele am Münchner Marienplatz. Vergleichbares hat sie noch nie erlebt, auch nicht im Dezember vergangenen Jahres, als immerhin knapp 27 Millionen zu gewinnen gab.

Wie hoch der Umsatz im Laden bisher ist, kann sie nicht abschätzen. Nur so viel: "Jetzt spielt jeder, der sonst nicht spielt, es ist ständig was los".

Lange Schlangen bilden sich auch vor dem Kiosk unter dem Stachus. "Es ist der Wahnsinn", kommentiert Mitarbeiterin Elisabeth Franz das Geschehen. Sie selbst hat natürlich auch einen Schein ausgefüllt, Glück sollen ihr Geburtstags- und Hochzeitsdaten aus der Familie bringen. Was sie mit dem Hauptgewinn anfangen würde? "Wahrscheinlich eine Wohnung kaufen", sagt sie bescheiden. Ein Leben als Millionärin könne sie sich nicht vorstellen. "Ich wüsste gar nicht, was ich mit so viel Geld machen sollte".

Dem Münchner Werner Weiz geht es ähnlich. Trotzdem spielt er nur, wenn der Jackpot hoch ist. So hält er es seit über 40 Jahren - und seine Erfolgsbilanz sieht nicht allzu schlecht aus. "Anfang der Sechziger hatte ich einen Fünfer mit Zusatzzahl", sagt er. "Damals gab es 9000 Mark, das war eine Menge Geld". Später hatte er noch zwei Mal fünf Richtige, immer mit den gleichen Zahlen, die er irgendwann zufällig getippt und später beibehalten hat.

Mehrere tausend Mark hat auch Milan Opacic schon im Lotto kassiert. Sein System variierte im Laufe der Jahre: Mal tippte er Zahlen, die er von einer Astrologin bekommen hatte, mal beobachtete er die Statistik der am häufigsten gezogenen Zahlen. Diesmal, sagt Opacic, habe er spontan drauflos getippt.

Etwa 100 Millionen Euro Einsatz erwarten die deutschen Lottogesellschaften nach Angaben der Land Brandenburg Lotto GmbH. Wird der Rekord-Jackpot wieder nicht geknackt, steigt er weiter an. Damit ist erst nach der 15. Ziehung, die in Folge ohne Gewinner bleibt, Schluss. Das Ende der Glücksspiel-Hausse wäre am 18. Oktober. Dann wandert der Hauptgewinn in die so genannte zweite Gewinnklasse. Die Folge: Der Jackpot ließe sich auch mit sechs Richtigen ohne Superzahl knacken.

Ob jemand beim Massentippen abräumt, steht am kommenden Montag um 8 Uhr fest. Dass die Gewinnchance mit der zunehmenden Zahl der Spieler sinkt, davon lässt sich das Lotto-Volk nicht so leicht abschrecken. "Normalerweise spielt nur mein Mann", sagt Eva Hrda aus München. "Heute probier ich's auch mal".

(sueddeutsche.de)

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