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London:Wolkenkratzer lässt Jaguar schmelzen

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Sieht gar nicht so gefährlich aus, der Wolkenkratzer. Autofahrer wissen da aber anderes zu berichten.

(Foto: Bloomberg)

Der Autobesitzer war fassungslos: Nachdem er sein Luxusauto für ein paar Stunden an einer Straßenecke in London geparkt hatte, waren Teile des Fahrzeugs geschmolzen. Schuld daran ist ein Gebäude, das unter dem Spitznamen "Walkie-Talkie" bekannt ist.

Hoch über London thront der verspiegelte Wolkenkratzer "20 Fenchurch Street", der wegen seiner Form die Spitznamen "Walkie-Talkie" und "The Pint" ("Das Bierglas") bekommen hat. 2014 soll das Gebäude im Finanzdistrikt mit einer Höhe von 160 Metern fertiggestellt werden. Im 37. Stock wird es eine öffentlich zugängliche Aussichtsplattform geben und große Gartenanlagen. Ursprünglich waren 200 Meter angedacht, doch davon mussten die Eigentümer nach Diskussionen mit der Stadtverwaltung absehen. Jetzt gibt es neuen Ärger. Dieses Mal mit Autofahrern.

Zu denen gehört Martin Lindsay. An einem sonnigen Tag stellte der Londoner sein Auto, einen Jaguar, auf der Straßenseite gegenüber dem glänzenden Gebäude ab. Als er nach zwei Stunden wiederkam, waren Seitenspiegel, Armaturenbrett und die Kennzeichenhalterung geschmolzen. "Ich kann nicht glauben, was passiert ist. Die müssen irgendwas dagegen tun", sagte Lindsay laut einem Bericht der BBC. Lindsay ist nicht der erste Autofahrer, der an sonnigen Tagen Schäden an seinem Auto beklagt. Bisher übernahm der Eigentümer des Gebäudes, eine Immobiliengesellschaft, die Kosten für die Reparatur.

Doch jetzt interessieren die geschmolzenen Autoteile auch das Bauamt der Stadt London. Verantwortliche versprachen, sich um die Vorfälle zu kümmern und sperrten vorsorglich Parkplätze um die Baustelle ab. Das Planungsteam des Wolkenkratzers um den berühmten Architekten Rafael Vinoly kündigte an, an einer Problemlösung zu arbeiten. "Das Phänomen wird vom derzeitigen Stand der Sonne im Himmel ausgelöst", hieß es in einer Stellungnahme der zuständigen Baufirmen. "Im Moment hält es etwa zwei Stunden am Tag an, und erste Modellberechnungen deuten darauf hin, dass es noch etwa zwei bis drei Wochen auftreten wird." Man untersuche den Fall im Detail.

So lange bleibt Autofahrern wohl nur eins: Die Straßen um das verspiegelte Hochhaus an sonnigen Tagen zu meiden. In einer Stadt, in der Parkplätze rar sind und in guten Stadtvierteln auch schon mal für mehr als 300.000 Euro verkauft werden, ist das nicht ganz einfach.

Mit ähnlichen Problemen hat auch das Vdara Hotel in Las Vegas zu kämpfen. Das 57 stöckige Gebäude ist gewölbt und vollständig verspiegelt. An sonnigen Tagen reflektieren die Glasoberflächen das Sonnenlicht so heftig, dass es am Pool lebensgefährlich wird. Dort ist die Konzentration des Sonnenlichts so stark, dass Gäste immer wieder von schweren Verbrennungen berichten. Angestellte des Hotels sprechen laut Las Vegas Review Journal vom "Vdara-Todesstrahl", das Management des Hotels nennt das Phänomen "Solar-Konvergenz".

© Süddeutsche.de/jst/mahu/rus
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