Lebensmittelbetrug in Europa:Greenpeace prangert unübersichtliche Warenströme an

Tavola produzierte im Auftrag von Comigel. Diese Firma wiederum habe das Fleisch bei dem Importeur Spanghero gekauft. Spanghero erklärte, man habe in Rumänien tiefgefrorenes Rindfleisch bestellt und die so deklarierte Ware ohne Veränderungen an Tavola geliefert. Wildschütz sagte, das Fleisch sei offenbar über zyprische Zwischenhändler in Rumänien bestellt und über einen Zwischenhändler in den Niederlanden an Spanghero geliefert worden.

Die rumänische Polizei leitete Ermittlungen zu einem möglichen Etikettenschwindel ein. Verdächtig sind zwei Schlachthöfe nahe der nordostrumänischen Stadt Suceava. Beide Betriebe haben Genehmigungen zum Schlachten von Pferden. Einer von ihnen exportierte offiziell Pferdefleisch nach Italien und Bulgarien. Allein im Januar sollen dort 422 Pferde geschlachtet und 5,5 Tonnen Pferdefleisch nach Italien exportiert worden sein. Der zweite Betrieb habe keine Pferde geschlachtet, obwohl die Genehmigung dazu vorlag.

Deutschlands Verbraucherministerin Ilse Aigner sah zunächst keine Anzeichen dafür, dass falsch gekennzeichnete Produkte hierzulande auf den Markt gekommen sind. Bereits nach Bekanntwerden der ersten Pferdefleisch-Funde in Tiefkühlprodukten in Großbritannien und Irland habe das Ministerium die Lebensmittelüberwachungs- und Veterinärbehörden der Bundesländer zur Wachsamkeit aufgerufen.

Der Discounter Aldi, der in Großbritannien angegeben hatte, zwei Fertigprodukte eines französischen Herstellers hätten zu 30 bis 100 Prozent aus Pferdefleisch bestanden, versicherte nach Angaben des NRW-Verbraucherschutzministeriums, dass solche Produkte nicht nach Deutschland importiert worden sind.

Die Organisation Greenpeace teilte mit, der Skandal zeige, "wie unübersichtlich die europäischen Warenströme für Lebensmittel inzwischen sind". Damit Produkte auch enthielten, was auf der Verpackung stehe, müsse es "klare Herkunftsangaben" geben. Die EU-Kommission teilte mit, alle Nahrung in der EU sei rückverfolgbar. Wenn es Betrug gegeben habe, müssten die Lieferanten das untereinander klären. Eine Gefahr für Verbraucher gebe es nicht. EU-Verbraucherkommissar Tonio Borg sagte: "Soweit ich weiß, ist niemand krank geworden. Ein Verbot von irgendetwas wäre zu diesem Zeitpunkt nicht angemessen."

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