Künzelsau:Mysteriöse Entführung

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Reinhold Würth

Die Welt von Reinhold Würth ist diese Woche aus den Fugen geraten.

(Foto: Marijan Murat/dpa)

Die Entführung von Markus Würth gibt Rätsel auf. Der Sohn des Milliardärs wurde gekidnappt und unverletzt wieder freigelassen. Was wollten die Täter?

Von Josef Kelnberger, Stuttgart

Reinhold Würth, bekannt als "Schraubenkönig", zählt zu diesen typisch baden-württembergischen Unternehmerpersönlichkeiten, die man außerhalb der Landesgrenzen gern für ein wenig schrullig hält. In Wahrheit ist ihr exzentrischer Charakter der Grund für ihren Erfolg. Würth war mit 14 bei seinem Vater in die Lehre gegangen. Es habe bei Gelegenheit auch mal "was hinter die Löffel" gegeben, erzählte Würth einmal. Als der Vater gestorben war, übernahm er den Schraubengroßhandel, 19 war er damals. Der Jahresumsatz betrug 80 000 Euro. Mittlerweile setzt sein Imperium zehn Milliarden Euro um. Reinhold Würth hat sich aus dem Geschäft zurückgezogen, meldet sich jedoch ab und zu noch zu Wort; meist geht es um die Arbeitsmoral der Mitarbeiter. "Ich habe ganz gut vorgesorgt", sagte Würth im April bei der Feier seines 80. Geburtstags. Er fügte in seiner herzlich-rauen Art hinzu: "Ich kann in Ruhe abkratzen."

Nun ist die Welt des Reinhold Würth doch aus den Fugen geraten. Am Mittwochnachmittag wurde sein Sohn Markus, der in einer Wohngemeinschaft für geistig Behinderte in Schlitz (Osthessen) lebt, vermisst gemeldet. Kurz danach ging am Stammsitz der Firma in Künzelsau (Hohenlohekreis) telefonisch eine Lösegeldforderung ein, laut dpa ging es um drei Millionen Euro. Doch zu einer Übergabe kam es nicht. Am Donnerstagmorgen fand die Polizei den 50-Jährigen rund 130 Kilometer von dem Heim entfernt in einem Waldstück bei Würzburg. Offenbar hatte er keine Verletzungen davongetragen. Ob, wie vermutet wird, die Entführer selbst den Hinweis gaben, und warum, will die Polizei nicht kommentieren. Eine Sonderkommission wurde gebildet, eine heiße Spur gebe es noch nicht, hieß es am Freitagnachmittag.

Reinhold Würth hat vor Jahren erzählt, die Behinderung seines Sohnes sei Folge einer Impfung gewesen. Eine seiner beiden Töchter, Bettina, ist mittlerweile Beiratsvorsitzende des Konzerns mit 400 Firmen in 80 Ländern. Auch Hotels, Restaurants und 15 Kunstmuseen gehören zum Imperium. Reinhold Würth, einer der reichsten Deutschen, hat sich auch als Kunstmäzen einen Namen gemacht. Er hat mehrere Wohnsitze, davon einen in Schlitz, in der Nähe des Behindertenheims. An diesem Wochenende wird in Künzelsau das 70. Firmenjubiläum mit Musik-Open-Air und Sommerfest gefeiert. Der Seniorchef wird aber nicht teilnehmen.

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