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Koreanische Rentner bei McDonald's:Gekommen um zu bleiben

The McDonald's logo is pictured outside a McDonald's restaurant in the Fillmore District of San Francisco

McDonald's - keine Fastfood-Kette für gemütliche Nachmittage.

(Foto: REUTERS)

Sitzstreit in New York: Maximal 20 Minuten sollen Kunden in einer McDonald's-Filiale brauchen, um ihre Burger zu essen. Eine Gruppe älterer Koreaner trifft sich dort trotzdem. Jeden Tag. Stundenlang. Obwohl mittlerweile die Polizei eingeschaltet wurde.

Da ist der typische, miefig-fettige Geruch, der sich binnen weniger Minuten in Kleidern und Haaren verfängt. Da sind die schmierigen Bänke, die Plastiktische, die benutzten Servietten, die achtlos liegen gelassen wurden. Menschen kommen, Menschen gehen, an der Essensausgabe bilden sich Schlangen, hungrige Kinder schreien, überfressene stöhnen. Fastfood-Restaurants sind nicht bekannt für ihre gemütliche Atmosphäre.

Eine Gruppe älterer Koreaner fühlt sich dennoch sehr wohl in einer McDonald's-Filiale im New Yorker Stadtteil Queens. So wohl, dass sie sich nicht an das - in amerikanischen Fastfood-Ketten übliche - Schild halten wollen, auf dem Gäste gebeten werden, nicht länger als 20 Minuten auf ihrem Burgerbrötchen herumzukauen. Essen bestellen die Rentner selten, berichtet die New York Times. "Wir ziehen unser koreanisches Essen vor", zitiert die Zeitung einen 76-Jährigen. Bei McDonald's bestellen sie deshalb meist nur Kaffee.

Seit fünf Jahren treffen sich die Koreaner in dem Restaurant in Queens, exakt in diesem, nicht bei Burger King oder in einer Filiale wenige hundert Meter entfernt. Sie kommen zusammen, unterhalten sich, drehen eine Runde um den Block - und kommen wieder.

Elf Anrufe bei der Polizei

Das Problem: Wer stundenlang Sitzplätze blockiert und dabei nicht mehr verzehrt als Kaffee für einen Dollar pro Becher, macht sich bei den Restaurantbetreibern unbeliebt. Seit ein paar Monaten werden die Koreaner deshalb immer wieder aus dem Laden geworfen. Von November bis Januar hat es nach Behördenangaben elf Anrufe gegeben, in denen Mitarbeiter Polizisten darum baten, die Rentner aus dem Restaurant zu treiben. Andere Gäste sollten auch die Chance bekommen, sich hinzusetzen.

Trotz der feindlichen Stimmung: Die Koreaner bleiben. Zahlreiche Medien haben den bizarren Streit bereits aufgegriffen. Viele echauffieren sich über die herzlosen Betreiber der McDonald's-Filiale. Andere fragen, warum die Rentner sich gerade dort aufhalten und nicht in einer der vielen sozialen Einrichtungen, die es für ältere Menschen gibt. Ein koreanisches Gemeindezentrum liegt ganz in der Nähe, der Kaffee dort kostet nur 25 Cent.

Warum Seniorenzentren keine Alternative sind

Auch die Korea Times hat sich mit dem Problem befasst. Die älteren Leute würden sich in den sozialen Einrichtungen, in denen sie Essen und ein bisschen Unterhaltung bekämen, isoliert fühlen, heißt es dort. Auch ein Betroffener kommt in dem Bericht zu Wort: "Ich gehe normalerweise nicht in ein Seniorenzentrum (...) weil ich mich dort fühle, als würde ich altern", beschreibt er seine Situation.

Der Chef des koreanischen Gemeindezentrums will sich den Ort des Sitzstreits nun genauer ansehen. "Ich denke, ich muss zu McDonald's gehen und fragen, warum sie dort sind", zitiert ihn die New York Times.

© Süddeutsche.de/feko/jst

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