Katholische Kirche Italiens berühmtester Exorzist ist tot

Pater Gabriele Amorth.

(Foto: MICHELE PALAZZI/TANIA/CONTRASTO/A3/LAIF)

Pater Gabriele Amorth nahm für die katholische Kirche 70.000 Teufelsaustreibungen vor. Er rede täglich mit dem Satan, sagte er einmal in einem Interview.

Pater Gabriele Amorth, der langjährige Exorzist des Bistums Rom, ist tot. Er starb am Freitag im Alter von 91 Jahren in einem Krankenhaus in der italienischen Hauptstadt an einem Lungenleiden.

Der in Modena geborene Priester wurde 1986 von Papst Johannes Paul II. zum Exorzisten berufen. Er hat nach eigenen Angaben über 70.000 Teufelsaustreibungen für die katholische Kirche vorgenommen. Weltweit bekannt wurde Amorth durch zahlreiche Bücher und Interviews, in denen er unter anderem Yoga und die Kinderbuchreihe "Harry Potter" mit dem Teufel in Verbindung brachte. 1990 gründete er die internationale Vereinigung der Exorzisten, die der Vatikan später offiziell anerkannte.

Das Rituale Romanum galt fast 400 Jahre lang

Innerhalb der katholischen Kirche ist die Praxis der Teufelsaustreibungen, nicht aber die Existenz des Teufels umstritten. Dabei wird sie strenggenommen auch in einfacher Form bei Taufzeremonien nach katholischem Ritus vorgenommen. Den sogenannten "Großen Exorzismus" dürfen geeignete Priester aber nur nach Genehmigung des zuständigen Bischofs vornehmen. Seit 1999 gelten dazu neue Richtlinien des Vatikans, die den Exorzisten dazu anhalten, eine mögliche Besessenheit genau zu überprüfen und sich gegebenenfalls mit Medizinern und Psychiatern zu beraten. Das Regelwerk ersetzt das sogenannte Rituale Romanum von 1614.

Gabriele Amorth hielt von der Neufassung nicht viel. "Das ist, als ob sie den Teufel mit einer ungeladenen Waffe bekämpfen wollen", hatte er dazu dem SZ-Magazin-Autoren Malte Herwig gesagt. Derzeit gibt es Hunderte praktizierende Exorzisten in katholisch geprägten Ländern, unter anderem in Polen und Italien.

Amorth hielt Hitler, Stalin und auch den Vatikan für besessen

Dass viele gläubige Katholiken die Existenz des Satan mittlerweile anzweifeln, sah Amorth stets als Gefahr an: "Dem Teufel ist es ganz recht, wenn Sie nicht an ihn glauben. Dann kann er ungestört wirken."

Der Exorzist sah den Satan als das personifizierte Böse überall in der Welt. 2015 schrieb er auf Facebook über die Terrormiliz Islamischer Staat: "Der IS ist Satan". Ihm zufolge waren neben dem sowjetischen Diktator Josef Stalin auch Adolf Hitler und seine Gefolgsleute vom Teufel besessen. Auch im Vatikan treibe der Antichrist sein Unwesen, erklärte Amorth 2010 dem britischen Telegraph. Er selbst unterhalte sich jeden Tag mit dem Teufel, gab er um die Jahrtausendwende in einem Interview zu Protokoll. Er spreche dann Latein, der Satan antworte auf Italienisch.

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