Jörg Haider Betrunken in den Tod gerast

Der Sprecher des österreichischen Rechtspopulisten hat Gerüchte bestätigt: Jörg Haider war bei seinem tödlichen Unfall stark alkoholisiert.

Von Michael Frank, Wien

Der österreichische Politiker Jörg Haider war stark alkoholisiert, als er in der Nacht zum Samstag mit dem Wagen tödlich verunglückte. Nach Ermittelungen der Gerichtsmediziner betrug der Alkoholgehalt seines Blutes zum Unfallzeitpunkt 1,8 Promille. Der Kärntner Landeshauptmann Haider war in dieser Nacht mit mehr als dem Doppelten der erlaubten 70 Stundenkilometer auf einer Ausfallstraße der Landeshauptstadt Klagenfurt nach Süden unterwegs gewesen.

"Den höchsten Preis bezahlt": Jörg Haider

(Foto: Foto: dpa)

Nach einem Überholmanöver fuhr er ein Verkehrsschild um, kam mit seinem schweren Dienstwagen von der Straße ab, schoss eine Böschung hinauf und kollidierte mit einen Betonpfeiler und einem Hydranten. Der Wagen überschlug sich mehrmals. Haider starb schwerverletzt wenige Minuten danach.

Der umstrittene Politiker und Chef des Bündnisses Zukunft Österreich (BZÖ), einer Partei der äußersten Rechten, war von einer Buchvorstellung in einem Lokal in dem Kärntner Ort Velden gekommen und wollte Heim ins Bärental.

Vermutungen über Drogeneinfluss waren sofort nach dem Unfall geäußert worden. Dabei hatten sich Spekulationen mehr auf andere Drogen als Alkohol bezogen, allerdings ohne direkte Anhaltspunkte. Haider war zwar ein Partylöwe, der das Bad in der feiernden Menge liebte. Er konnte aber ganze Abende ungerührt bei klarem Wasser zubringen und alle Zudringlichkeiten abwehren, mit Alkohol anzustoßen.

Den Befund mit den 1,8 Promille hat nun Stefan Petzner, der designierte Nachfolger Haiders im BZÖ-Parteivorsitz, bekanntgegeben. "Ich kann und muss das bestätigen", sagte er. Er habe sich zuvor mit der Pathologie und Haiders Familie besprochen. "Jetzt und hier" sollten die nationalen und internationalen Medien "die Stopptaste drücken und die Berichterstattung betreffend des Unfalls abschließen", appellierte Petzner an die Journalisten.

Zu den Trauerfeierlichkeiten für Haider am Samstag werden in Klagenfurt bis zu 50.000 Menschen erwartet. Die Familie will verhindern, dass das Begräbnis von Rechtsextremisten für ihre Zwecke instrumentalisiert und zu einer Demonstration umfunktioniert werde, erklärte Haiders italienischer Schwiegersohn, Paolo Quercia.

Die rechtsradikale Freiheitliche Partei, die Haider einst groß gemacht, von der er dann aber sein BZÖ abgespalten hatte, will "geschlossen" an der Feier teilnehmen, wie Parteichef Heinz-Christian Strache erklärte. Ob sich Delegationen einschlägiger Gesinnungsgenossen aus dem Ausland einfinden werden, war bis Mittwoch unklar. Auf jeden Fall werden Politiker der Lega Nord aus dem benachbarten Friaul kommen.

Jörg Haider

Rechtspopulist ohne Hemmungen