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Party mit James Franco:Hollywoods Spielplatz für Rebellen

Berühmte Skater mit schmutzigen Mützen, ungeduschte Models und der schöne Sohn von Dennis Hopper: Wenn James Franco mit Porno und Nostalgie den Rebellengeist vergangener Tage beschwört, entdecken seine Gäste das Dasein abseits von Fünf-Millionen-Dollar-Schecks. Ein Besuch in Hollywood.

Anne Philippi

Samstagabend, acht Uhr, Fabriketage in West Hollywood. Der Schauspieler und Künstler James Franco eröffnet seine Ausstellung "Rebel". Große Namen (Ed Ruscha, Terry Richardson, Douglas Gordon, Harmony Korine) haben sich Gedanken zum Thema James Dean und Rebel Without a Cause (Denn sie wissen nicht, was sie tun) gemacht. James (Franco) ist bei allen Projekten involviert. James ist nackt zu sehen, als Frau, als James (Dean), als Wahnsinniger, als Natalie Wood, James als alles Mögliche.

James Franco eröffnet Ausstellung "Rebel"

Schaut mich an, ich bin ein Rebell: James Franco war von Nicholas Rays Verführungskunst derart begeistert, dass er dem Rebellentum nun eine Ausstellung im Museum of Contemporary Art widmete.

(Foto: AFP)

Franco mag peinliche Situationen, damit lässt es sich gut arbeiten. Franco und seine Jungs haben die Fabriketage in einen merkwürdigen, klaustrophobischen Kleingarten verwandelt, in den kleinen Häuschen laufen die Künstlerfilme, Nackte überall. Blut, Messer, Gewehre, Messerkämpfe. Gang-Schlachten. Porno-Comicfiguren. Das hier ist kein übliches Kunstevent, gesponsert von großen Banken. Die Gattinnen mit Kunstgeschmack sind nicht aufgekreuzt. Dabei hätte Franco sicher nichts gegen sie.

Doch an diesem Abend läuft hier eine andere Gesellschaft auf. Eine, deren Anführer eindeutig James Franco heißt. Er kommt wie immer, mit ganz müden Augen und zerknautschtem Anzug. Dabei ist James keine Schlampe. Seine Mama und sein Oma sind hier, und da trägt Franco Krawatte. Die Mutter zupft ein bisschen daran, der Junge soll nicht zu unordentlich aussehen. Ihr Junge hat außerdem Talent.

Mit den Bürgern und Regenten von Hollywood unter dem Franco-Einfluss passiert etwas. Sitzen sie bei den üblichen Celebrity-Dinners, fühlen sie sich als Teil einer Industrie. Wenn sie bei Franco eingeladen sind, verändert sich ihre Aura, Richtung Anti-Establishment, Richtung Zukunft, Richtung Exzess, sogar Richtung Jugend. James zaubert ein Nightlife-Grinsen in die Gesichter von sonst hartgesottenen Filmstars und sonst unangenehmen Hollywood-Angebern.

Wer ist die Franco-Gesellschaft? Heute abend auf der Liste: Berühmte Skater mit dreckigen Wollmützen, bekokste Partymädchen in Chaneljäckchen mit mahlenden Gebissen, ungeduschte Models in Mini-Shorts und mit fettigen Haaren, gerade aus dem Flugzeug gestiegen, reiche Menschen in Gucci und Maßgeschneidertem, der exkommunizierte Hollywood-Beau Val Kilmer, der nur mit seinem Telefon spricht, der nervöse Kiefer Sutherland, der noch nervösere Bret Easton Ellis, Hotelbesitzer und Ausstellungsunterstützer Andre Balazs mit seiner Freundin Chelsea Handler (eine Art weiblicher Harald Schmidt im US-TV) der High-Heels-König Christian Louboutin in Lackschuhen, der schöne Henry Hopper, Sohn von Dennis Hopper, der alterlose, vegane Moby. Dazwischen coole Inder mit weißen Jacketts und lackierten Fingernägeln.

Rebellen mit verfilzten Sneakers und glatter Haut

Gegen neun wechselt die Franco-Truppe zum Chateau Marmont, gegen zehn schlafen die ersten auf Liegestühlen am Pool ein. Gegen elf wachen sie wieder auf, rechtzeitig, bevor die Mini-Burger serviert werden, gehen will niemand, lieber immer noch einen Drink.

Franco erschafft heute Nacht am Pool von Bungalow Eins ein Anti-Hollywood und keiner lacht sich schlapp, wenn er seine Ausstellung "Rebel" nennt. Im Gegenteil. Die Jungs hier mit den verfilzten Sneakers und der glatten Haut wissen doch, wie stark die Kraft der Rebellion ist, wie viel mehr sie wiegt als ein Fünf-Millonen-Dollar-Scheck, an den man sich bald gewöhnt hat.

Franco erscheint, gegen zehn, Kifferlächeln auf, alle applaudieren. Franco gibt allen das Gefühl, nicht "corporate" zu sein, kein dummes Schaf, das in der Entertainmentwelt mitläuft. Wenn man heute Abend hier ist, ist das auf jeden Fall klar. Unbezahlbar. Franco stellt das Rebellions-Künstler-Hollywood-Gefühl her wie Miraculix den Zaubertrank, den es ja in Wahrheit nie gab. Wie macht das James sonst? Und wie in dieser Nacht?

Was geschah mit Natalie Wood im Bungalow zwei?

James sagt nicht klar, ob er lieber mit Männern oder Frauen schläft. Ein Mädchen im Tigerkleid zieht ihn Richtung Hotelzimmer, aber auch ein paar Jungs lehnen sich an seine Schultern. Ist doch egal. Die Franco-Gesellschaft kümmert das nicht. Sie lieben James. Er sagt, der Wille zur Übertreibung ist gut, der Wille, die Kunst für Dinge zu benutzen, die man in der Filmwelt nicht zeigen kann: Wahnsinn, Übertreibung, andere Bilder, die wir noch nicht kennen. Vor allem, sagt James, sind Fantasien wichtig. Was ist in Bungalow zwei des Chateau Marmonts passiert, als Nicholas Ray, Regisseur von Denn sie wissen nicht, was sie tun, mit der 16-jährigen Natalie Wood schlief, um sie für seinen Film schön zu verwirren? Die Frage stellte sich James so heftig, dass eine Ausstellung daraus wurde.

"Zieh dich aus!" Das Mädchen im Tigerkleid flippt gegen Mitternacht aus, das stört niemanden richtig, James' Mitternacht-Screening geht gleich los, darauf hatte alles gewartet, es ist so voll wie bei einer Parteiversammlung mit Bombenlaune.

0:45 Uhr. Geburtsstunde der Franco-Society. Aus ihr wird ein neues Hollywood geboren, zumindest muss man das glauben, wenn Henry Hopper, also der Abkömmling des Easy Riders, mit nur einem Turnschuh an den Füßen auf ein Mädchen einredet, als ginge es um sein Leben. Aus dieser Gruppe unter den Heizpilzen im Chateau-Marmont-Garten werden Filme entstehen, Karrieren wachsen, neue Stars geboren. James Franco hatte dafür den Geist seines alte Freundes James Dean angerufen. Der wohnte ja nur ein Zimmer weiter.

© Süddeutsche.de/leja/lala
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