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Irland:Irische Ermittler finden Massengrab von Kleinkindern

FILE PHOTO: The entrance to the site of a mass grave of hundreds of children who died in the former Bons Secours home for unmarried mothers is seen in Tuam, County Galway

Der Eingang zu der Stätte im westirischen Tuam, an der Hunderte Kinder begraben liegen.

(Foto: REUTERS)
  • In der Stadt Tuam in der Republik Irland haben Forensiker ein Massengrab von Hunderten Kindern entdeckt.
  • Die Überreste der Säuglinge und Kleinkinder lagen auf dem Gelände eines Mutter-Kind-Heims, das die katholische Kirche bis 1961 betrieben hatte.
  • Die Untersuchungskommission und Irlands Kinderbeauftragte zeigten sich schockiert von dem Fund.

Gerichtsmediziner haben im irischen Tuam ein Massengrab mit den sterblichen Überresten von fast 800 Säuglingen und Kleinkindern gefunden. Auf dem Gelände eines Mutter-Kind-Heims, das die katholische Kirche bis 1961 betrieben hatte, fanden die Forensiker bei Ausgrabungen eine unterirdische Struktur mit 20 abgeteilten Kammern, die nach Angaben einer Untersuchungskommission "eine bedeutende Anzahl menschlicher Überreste" enthielt. DNA-Analysen ergaben, dass sie von Föten ab der 35. Schwangerschaftswoche bis zu hin zu dreijährigen Kleinkindern stammen müssen.

Der Fund bestätigt den bereits 2014 vorgelegten Bericht einer örtlichen Historikerin, die zu Bestattungen in dem Mutter-Kind-Heim in der irischen Grafschaft Galway forschte. Der Verdacht, dass dort jahrzehntelang anonyme Begräbnisse stattgefunden hatten, besteht so lange wie das 1925 gegründete und rund 40 Jahre später geschlossene Heim.

Die Kommission teilte mit, sie sei schockiert von der Entdeckung und ermittle, "wer verantwortlich für die Beseitigung menschlicher Überreste in dieser Art war". Die Kinderbeauftrage der irischen Regierung, Katherine Zappone, nannte den Fund "traurig und verstörend". Man werde sich jetzt um eine angemessene Bestattung kümmern und der Toten gedenken, sagte sie.

Einer der Hauptgründe für anonyme Beisetzungen von Kindern war die Armut der Mütter. In dem Heim waren überwiegend Frauen untergebracht, die unverheiratet schwanger geworden waren und deshalb von ihren Familien verstoßen wurden. Zu den häufigsten Todesursachen der Kinder zählten Grippe, Masern, Lungenentzündung, Tuberkulose und Keuchhusten.

© SZ.de/AP/dpa/ees/lkr
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