Interview "Du bist wie der Flaschengeist"

SZ: Wie bei Alpenglühen?

George: Das war eine überhöhte Geschichte, und schräge Stoffe sind immer gut. Und daraus hat Hajo eine noch schrägere Geschichte entwickelt. Und ich hatte ein wunderbares Alibi. Wenn Christiane (Hörbiger, d.Red.) das spielt, dann habe ich ja eine große Schützenhilfe. Und in Hajo einen guten, schrägen Freund.

SZ: Sie meinen, Sie hatten Freiraum?

George: Der Hajo ist schon für die Partitur zuständig. Aber ich habe einen angeborenen Spieltrieb. Der muss vom Regisseur angenommen werden, sonst beschädigt man mich.

Gies: Du bist wie der Flaschengeist.

George: Es geht nicht mehr ums In-die-Flasche-Zurückkriegen. Wir wissen doch, was geht und was nicht. Und wir müssen in kurzer Zeit möglichst gut sein.

SZ: Ist Alpenglühen gut?

George: Ja klar. Es war ein schöner Lebensabschnitt.

SZ: Alpenglühen ist ein Produkt der ARD-Produktionstochter Degeto, und die Degeto ist eine industrielle Programm-Bäckerei, die seichtes Abendfernsehen backt. Schimanski hätte die Degeto nie fabriziert.

George: Wenn die Quote gepasst hätte - doch. Bei Alpenglühen1 stimmte die Quote, deshalb hatten wir für Alpenglühen 2 alle Freiheiten.

SZ: Dass Sie so lässig über Quoten sprechen. Schimanski hatte zuletzt keine guten Quoten.

George: Aber wir waren mit ihm für den Emmy nominiert. Das ist die größte Auszeichnung, die man für ein Fernsehspiel kriegen kann. Und nun bitte werde wieder freundlicher zu uns beiden.

Gies: Heute Emmy, morgen Degeto, das schließt sich nicht mehr aus. George: Wir müssen schon sehr darauf achten: Wollen wir arbeiten oder sind wir elitär? Vor 30 Jahren hatte ich nur Kino im Kopf und wollte kein Fernsehen machen. Das hat sich geändert. Fernsehen ist heute oft anspruchsvoller und besser als Kino. Außerdem wird pünktlich bezahlt. Beim Film musst du Geld mitbringen.

SZ: Und im Fernsehen muss man die Tralala-Stoffe annehmen, um sich den kunstvollen Film leisten zu können?

George: So großkotzig wie du kann man aber auch nicht sein.

Gies: Ich?

George: Nein, unser Journalist.

SZ: Okay. Wie lief's denn so 2004?

Gies: Ich habe 2004 mehr gedreht als je zuvor. Ich mache hauptsächlich Komödien. Meine Schimanskis waren ja gleichzeitig Krimi und Komödie.

SZ: Schimanski ist Ihre große Liebe?

Gies: Sicher. Mir fehlt Schimanski. Das kommt nicht wieder. George: Ich liebe den Hajo mehr als er mich.

SZ: Ach ja?

Gies: Götz ist aktiver. Ich bin sicherlich defensiver.

George: Einmal hat er am Set geweint.

Gies: Ich wusste nicht mehr weiter.

George: Da habe ich ihn in den Arm genommen und musste mir was ausdenken, damit er wieder lacht. Du kannst aber auch schamlos sein.

SZ: Sie scheinen beide wieder sehr viel stärker an Schimanski zu hängen als noch vor ein paar Jahren.

George: Nee. Ich kann die Figur morgen loslassen. Aber beim Emmy-Abend haben wir gemerkt, dass unsere Arbeit mit Schimanski unwahrscheinlich positiv aufgenommen wurde. Und das war nicht Köln, das war New York.