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Hoboken:Zugunglück nahe New York

New Jersey Transit Commuter Train Crashes At Hoboken Terminal

Schwere Zerstörungen richtete das Zugunglück im Bahnhof von Hoboken unweit von Manhattan an.

(Foto: Pancho Bernasconi/AFP)

Mitten im Berufsverkehr rast ein Pendlerzug ungebremst in einen Kopfbahnhof. Mindestens eine Person stirbt, viele werden verletzt.

Teile der Decke sind eingestürzt, Kabelstränge hängen herab, der Boden ist übersät mit Trümmern. Dazwischen Menschen, die am Kopf bluten, umherirren und versuchen, dem Chaos zu entkommen. Es ist ein Bild des Schreckens, das sich den Rettungskräften bietet, als sie am Donnerstagmorgen auf dem Bahnhof von Hoboken im US-Bundesstaat New Jersey eintreffen. Die Station, gleich gegenüber von Manhattan auf der anderen Seite des Hudson River gelegen, ist morgens und abends eine der belebtesten im gesamten Großraum New York. Nun ist sie Schauplatz eines schweren Unglücks geworden.

Ein Nahverkehrszug der Gesellschaft New Jersey Transit (NJT) mit rund 250 Passagieren, zumeist Berufspendler, an Bord, ist entgleist, mindestens ein Mensch ist gestorben. 108 sind einer ersten Zählung zufolge verletzt, einige von ihnen schwer. In Medienberichten ist teilweise von drei Toten die Rede, auch andere Zahlen schwirren durch die Gegend. Niemand hat zunächst den Überblick, die Pressekonferenz der Gouverneure von New Jersey und New York, Chris Christie und Andrew Cuomo, die mittags stattfinden soll, muss auf den Nachmittag verschoben werden. Auch wie das Unglück passieren konnte, weiß zunächst niemand zu sagen. Ein Augenzeuge berichtet, der Zug sei gegen 8.45 Uhr Ortszeit mit hoher Geschwindigkeit in den Bahnhof eingefahren und vor einen Beton-Block geprallt. Rammbock und Teile des Zuges seien dann durch die Luft geflogen und begleitet von einem riesigen Getöse vor die steinerne Wand der Wartehalle geknallt. Es habe sich angehört wie eine Explosion, sagt der Mann. Hinweise, dass es sich um einen Terroranschlag handeln könnte, gibt es allerdings zunächst nicht. Auch Christie und Cuomo sprechen von einem Unfall. Sie kündigen eine rasche und umfassende Untersuchung an, mit der Ermittler mehrerer Bundesbehörden sogleich beginnen. Auch ein Team des Ministeriums für Heimatschutz lässt sich per Hubschrauber zum Unglücksort bringen. Hoboken ist einer jener Bahnhöfe, den Menschen, die zwischen New Jersey und New York pendeln, regelmäßig passieren. Zehntausende Berufstätige werden hier jeden Tag durchgeschleust, schräg gegenüber am anderen Ufer liegt das neue One World Trade Center und das New Yorker Bankenviertel. Nun kommt der Zugverkehr vom und zum NJT-Terminal in Hoboken vollständig zum Erliegen, nur am Terminal der Gesellschaft PATH nebenan geht der Verkehr weiter. Fähren und Busse nehmen einen Teil der Menschen auf, die gestrandet sind. Einen Kilometer vom Unglücksort entfernt sind Pendler zu Fuß unterwegs und versuchen, per Anhalter oder mit Taxis durch den nahe gelegenen Holland-Tunnel nach Manhattan hinüber zu kommen. Andere nehmen den Weg über den Bahnhof im benachbarten Newport.

Am Morgen, unmittelbar nach dem Eingehen der ersten Notrufe, rasen Polizei- und Krankenwagen zum Unfallort. An den Piers und Fähranlegern außerhalb des Bahnhofs machen Dutzende Polizeiboote fest. Nach Angaben von Augenzeugen sind viele Passagiere in den verbogenen Waggons gefangen. Manche schaffen es selbst, eine Tür zu öffnen oder aus einem der geborstenen Fenster zu klettern, andere erhalten Hilfe von Mitreisenden oder Bahnhofsangestellten. Manche werden von Sanitätern versorgt und auf Tragen ins Krankenhaus gebracht. Der Lokführer muss nach Informationen des Fernsehsenders Fox News von Helfern aus dem Führerstand befreit werden.

Linda Albelli, die die Strecke schon oft gefahren ist und in einem der hinteren Wagen saß, sagt der Nachrichtenagentur Reuters, sie habe schon kurz vor dem Unfall gemerkt, dass etwas nicht stimmt. "Ich dachte bei mir: Oh, mein Gott, der Zug wird gar nicht langsamer, wir sind zu schnell", so die 62-Jährige aus Closter in New Jersey. "Und dann gab es diesen gewaltigen Aufprall." Nach Albellis Worten war der Zug nicht voll besetzt, weil viele Reisende an der Haltestelle zuvor umgestiegen waren.

In den USA hat es zuletzt eine ganze Reihe von schweren Zugunfälle gegeben, unter anderem in Kalifornien, New York und Philadelphia. Auch der Bahnhof von Hoboken war erst vor fünf Jahren Schauplatz eines solchen Unglücks. Sowohl die Züge als auch das Schienennetz in den USA sind teilweise veraltet, vieles müsste grundlegend modernisiert werden. Experten raten zudem seit langem dazu, Züge mit einem automatischen Not-Bremssystem auszustatten. Teilweise wurde damit auch begonnen, vielerorts hakt die Umsetzung jedoch.