Hinrichtung in den USA:Neue Giftspritze löst langen Todeskampf aus

Der Häftling soll zehn Minuten lang um Luft gerungen haben, bis der Tod eintrat: Augenzeugen berichten von grausamen Szenen, die sich bei einer Hinrichtung im US-Bundesstaat Ohio zugetragen haben sollen. Die verwendete Giftkombination war zuvor noch nie einem Menschen verabreicht worden.

Die Injektion des Gift-Cocktails, das sagen Journalisten, die bei der Hinrichtung im US-Bundesstaat Ohio anwesend waren, beginnt um genau 10.29 Uhr - 24 Minuten vor Feststellung des Todes. Gegen 10.33 Uhr, so ist es in der Lokalzeitung Columbus Dispatch zu lesen, beginnt Dennis McGuire laut zu röcheln. Mindestens zehn Minuten habe er Würgegeräusche von sich gegeben, während er die Hände zur Faust geballt habe. Um 10.53 Uhr erklärte das Gefängnis in Lucasville den Häftling schließlich für tot.

Die Fernsehjournalistin Sheila Gray, die der Hinrichtung beiwohnte, berichtet später, McGuire habe etwa zehn Minuten lang um Luft gerungen. "Seine Kinder und seine Schwiegertochter weinten und waren sichtlich bestürzt", schrieb sie auf Twitter. Auch andere Beobachter sprachen von einer ungewöhnlich langen Hinrichtung.

Bei der Hinrichtung von McGuire wurde ein nie zuvor getesteter Gift-Cocktail eingesetzt - eine Mischung aus dem Beruhigungsmittel Midazolam und dem Schmerzmittel Hydromorphon. Ohio sucht wie andere Bundesstaaten nach einem Ersatz für die bislang verwendeten Präparate europäischer Pharmaunternehmen, die deren Gebrauch bei Hinrichtungen verboten haben.

McGuires Anwälte hatten zuvor gewarnt, dass die Wirkung der jetzt verwendeten Medikamente nicht bekannt sei und McGuire grausam ersticken könnte. Ein Bundesrichter in Ohio befand jedoch, es gebe keine Beweise für ein "substanzielles Risiko", dass der Verurteilte "starke Schmerzen" empfinden werde.

McGuire hatte 1989 eine schwangere Frau vergewaltigt und ermordet. Fünf Jahre später wurde er für das Verbrechen zum Tode verurteilt. Der Häftling hatte sich erfolglos gegen die Vollstreckung des Urteils gewehrt.

Seine Hinrichtung war die dritte Vollstreckung der Todesstrafe in den USA seit Jahresbeginn. Bereits in der vergangenen Woche hatte es in Oklahoma offenbar ebenfalls Probleme mit neuen Medikamenten gegeben. "Ich fühle, dass mein ganzer Körper brennt", waren die letzten Worte des Todeskandidaten Michael Lee Wilson.

© AFP/dpa/sebi/olkl
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB