Hells-Angels-Aussteiger Detrois:Geschäfte im Rotlicht-Milieu

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SZ: Wie haben es die Hells Angels geschafft, in Hannover das Vergnügungsviertel zu beherrschen?

Detrois: Das ist in anderen Städten ähnlich, aber besser als in Hannover kann es für die Hells Angels nicht funktionieren. Ein Paradebeispiel. Den Hells Angels gehört die Stadt, sie können dort machen, was sie wollen. Politik und Polizei sind im Grunde froh darüber, dass das Milieu in einer Hand ist. Man könnte denen schon anders gegenübertreten.

SZ: Was würden Sie machen?

Detrois: Ich würde ihnen die Jacke nehmen. Das ist effizienter als ein Verbot. Die Kutte ist das Heiligtum und für viele junge Leute der Anreiz, in den Club reinzugehen: tolle Kutte, tolle Autos, tolle Weiber, Riesenbordelle, satte Partys, das ist für die Kleinen ein Schlaraffenland. Die Kutte verleiht Macht.

SZ: Gibt es überhaupt noch Bordelle in Deutschland, die nicht von Hells Angels oder Bandidos kontrolliert werden?

Detrois: Nach außen hin schon. Aber die meisten Betreiber können jederzeit auf die Hells Angels oder Bandidos zugreifen. Früher war jeder für seinen Puff selbst verantwortlich und hatte eigene Leute. Da hat man sich mal richtig geprügelt, und dann war die Sache in Ordnung. Jetzt wird nur noch geschossen oder gestochen. Es wird immer brutaler.

SZ: Das sagen ausgerechnet Sie. Wie viele Jahre waren Sie im Gefängnis?

Detrois: Ich habe so um zehn oder zwölf Vorstrafen, querbeet, alles mögliche. Im Knast war ich insgesamt knapp drei Jahre, dazu kommt noch die Zeit als Freigänger und in der Bewährung. Knast ist schon übel. Aber wenn was verrutscht ist, dann ist es halt verrutscht.

SZ: Sie haben schwere Straftaten begangen. Was heißt da verrutscht?

Detrois: Körperverletzung, Raub, Drogenschmuggel, so die Palette halt.

SZ: Sind Vorstrafen ein Eintrittsticket für die Hells Angels?

Detrois: Nein, das spielt keine Rolle. Im Gegenteil: Wer sich viel erwischen lässt, der ist nicht unbedingt der Held.

SZ: Kann ein Mensch mit bürgerlichem Beruf auch Hells Angel werden?

Detrois: Der hätte dafür weder Zeit noch das Geld. Das ist kein Hasenzüchterverein. Sie müssen gerade am Anfang für jedermann abrufbereit sein. Fürs Motorradfahren gibt es Tausende Clubs, die einfach nur dem Hobby nachgehen, da sollen die Menschen sich anschließen. Aber wozu gehe ich in eine Rockerorganisation? Doch nicht wegen des Motorrads!

SZ: Sie haben grausame Taten begangen. Einem Gegner rissen Sie das Ohr ab.

Detrois: Das liegt schon lange zurück. Das muss man nicht verstehen oder akzeptieren. Gut, heute sehe ich das teilweise anders. Aber wenn Sie ein Bordell betreiben, Ihr Gegenüber Sie mit dem Messer oder der Pistole kaputtmachen will und Ihnen auch noch mit der Axt den Schädel spalten würde, dann muss man abwägen: Was soll man tun?

SZ: Sie haben das Dequiallo-Abzeichen, das man nur bekommt, wenn man einen Polizisten angegriffen hat.

Detrois: Dazu sage ich nichts.

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