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Fußball-Europameisterschaft:Pegida-Anhänger wüten gegen Nationalspieler auf Kinderschokolade

Ferrero bringt eine EM-Edition auf den Markt. Auf den Verpackungen sind auch Kinderfotos von İlkay Gündoğan und Jérôme Boateng zu sehen. Das scheint Pegida-Anhängern zu weit zu gehen.

Dass das Gesicht auf der Kinderschokolade ein Politikum sein kann, zeigte sich bereits 2005, als Günter Euringer verschwand. Seit 1973 hatte sein Foto die Schachtel geziert, zunächst mit langem Haar, dann mit kurzem. Als es dem Hersteller auch nach wiederholten Retuschen nicht mehr modern genug erschien, kam es zur Auswechslung.

Ein Aufschrei ging durchs Land. Wen der Bauer nicht kennt, aus dessen Schachtel isst er nicht, heißt ein bekanntes deutsches Sprichwort. Oder so ähnlich. Doch der Hersteller Ferrero mit Hauptsitz in Italien ließ sich nicht erweichen und mit der Zeit gewöhnten sich die Deutschen an das neue Gesicht.

Manche gewöhnten sich anscheinend ein bisschen zu sehr, etwa ein baden-württembergischer Ableger von Pegida. Der kritisiert nun auf seiner Facebook-Seite "Pegida BW - Bodensee" eine erneute, vorübergehende Anpassung der Schokoladenschachtel. Zur Fußball-EM bringt Ferrero eine Fan-Edition heraus, verziert mit den Kindergesichtern von Fußball-Nationalspielern, darunter BVB-Mittelfeldspieler İlkay Gündoğan und Bayern-Verteidiger Jérôme Boateng.

Pegida gegen Kinderschokolade

Pegida gegen Kinderschokolade Pegida gegen Kinderschokolade

(Foto: Screenshot)

Gündoğan hat türkische Wurzeln, Boateng einen ghanaischen Vater. Das scheint den Pegida-Anhängern zu weit zu gehen. "Vor Nichts wird Halt gemacht ... Gibts die echt so zu kaufen? oder ist das ein Scherz?" heißt es auf der Facebook-Seite. Darunter posten mehrere Pegida-Anhänger Hasskommentare und Boykott-Aufrufe.

Unklar ist, ob Gündoğan und Boateng nur von der Schokoladenpackung verbannt werden sollen - oder ob sie auch keine Tore mehr für die deutsche Mannschaft schießen dürfen. In einem sind sich die Pegidisten jedenfalls einig: Sie wollen die zehn Riegel in dieser Form nicht mehr kaufen.

Der Schokoladenfabrikant hat bereits reagiert: "Wir von Ferrero möchten uns an dieser Stelle ausdrücklich von jeglicher Form von Fremdenfeindlichkeit oder Diskriminierung distanzieren. Wir akzeptieren und tolerieren diese auch nicht in unseren Facebook-Communities", heißt es in einem Post in dem sozialen Netzwerk.

Auf Twitter teilten Nutzer als Reaktion auf die Hasskommentare Bilder ihrer eigenen Kindheit - unter dem Hashtag #cutesolidarity.

Anmerkung der Redaktion: Der Facebook-Eintrag wurde inzwischen entfernt. Der Screentshot ist vor der Löschung entstanden.

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