bedeckt München 23°

Flugzeugunglück von Madrid:Deutsche Opfer identifiziert

Traurige Gewissheit: Fünf Tage nach der Flugzeugkatastrophe von Madrid hat die Polizei die Identität der deutschen Opfer geklärt.

Fünf Tage nach dem Absturz der Spanair-Maschine in Madrid steht zweifelsfrei fest, dass unter den Todesopfern auch eine vierköpfige Familie aus Pullach bei München ist.

Pullach; ddp

Unter den Opfern der Katastrophe ist eine vierköpfige Familie aus Pullach bei München.

(Foto: Foto: ddp)

Die Identität der Opfer wurde durch einen Abgleich mit DNA-Spuren der Familie geklärt, wie das Bayerische Landeskriminalamt am Montag in München mitteilte.

Die 38 Jahre alte Mutter und der 50-jährige Vater wollten zusammen mit ihren beiden fünf und acht Jahre alten Söhnen auf die Ferieninsel Gran Canaria fliegen.

Damit haben die Angehörigen der Familie nach tagelangem Warten traurige Gewissheit. Zwar standen die Namen der Familie auf der Passagierliste des Fluges. Um ihren Tod bestätigen zu können, mussten die Leichen aber erst zweifelsfrei identifiziert werden.

Bei dem Absturz am Mittwoch waren 154 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als die Hälfte der Opfer ist bisher identifiziert. Die Maschine der Fluggesellschaft Spanair war kurz nach dem Start in Madrid abgestürzt und in Flammen aufgegangen. An Bord waren 162 Passagiere und zehn Besatzungsmitglieder. Das Flugzeug hatte nach Gran Canaria fliegen sollen.

Schwaches Triebwerk verursachte möglicherweise Absturz

Bei der Suche nach den Ursachen des Flugzeugunglücks gehen die Ermittler laut Presseberichten inzwischen davon aus, dass ein Triebwerk zu schwach war. Die Tatsache, dass das Flugzeug auf der Startbahn ungewöhnlich lange gerollt sei, bevor es abhob, lasse die Ermittler auf diese Möglichkeit schließen, berichtete die Zeitung El País unter Berufung auf Ermittlerkreise bei der Polizei.

Ein unter Verschluss gehaltenes Video von Flughafenkameras zeigt dem Bericht zufolge, dass das Flugzeug eine viel zu lange Strecke auf der Rollbahn zurücklegte. Laut El País fuhr es 500 Meter über den für den Start empfohlenen Punkt hinaus.

Dem Bericht zufolge könnte sich eines der Triebwerke umgedreht haben - eine Einstellung, die bei Landungen zum Bremsen vorgenommen wird. Dadurch erkläre sich, dass sich das Flugzeug unmittelbar nach dem Abheben auf die rechte Seite geneigt habe, berichtete El País unter Berufung auf einen Luftfahrtingenieur, dessen Name nicht genannt wurde. Der Zeitung zufolge entdeckten Ermittler am Unglücksort, dass eines der Triebwerke umgedreht gewesen sei.

Unklar war jedoch, ob dies bereits beim Start der Fall war oder ob es durch den Absturz erfolgte. Laut El País zeigt das Video zudem, dass eine der Tragflächen zuerst auf dem Boden aufkam und dass das Flugzeug sechs Mal auf den Boden aufprallte, bevor es explodierte.

Kurz vor dem Absturz: Irritation im Cockpit

Unterdessen werden immer mehr Details zum Absturz bekannt. So berichetete eine der Überlebenden des Flugzeugunglücks, die Ärztin Ligia Palomino, dass es kurz vor dem Start wohl Probleme mit einer Kontrollleuchte gegeben habe.

Der Pilot Antonio García Luna habe die Passagiere informiert, dass ein Licht angegangen sei. Er habe gesagt, "ich weiß nicht, was es bedeutet", so Palomino zu dem spanischen Radiosender Cadena Ser. Er habe dies überprüfen lassen. "Später teilte er uns mit, es habe Probleme mit der Klimaanlage gegeben."

Die gebürtige Kolumbianerin Ligia Palomino, die bei dem Madrider Unfallhilfsdienst Samur arbeitet, ist eine der wenigen Überlebenden des Flugzeugunglücks. Sie erlitt Verletzungen und Verbrennungen im Gesicht und musste wegen eines Oberschenkelbruchs operiert werden. Der Zeitung El País hatte sie die Stunden des Horrors nach dem Absturz geschildert.

Madrider Flugzeugkatastrophe

Schock und Schmerz