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Fährunglück vor Südkorea:"Sewol"-Kapitän gibt vor Gericht Fehler zu

  • Ein halbes Jahr nach dem Kentern der südkoreanischen Fähre Sewol hat der verantwortliche Kapitän erstmals vor Gericht ausgesagt.
  • Lee Joon Seok gibt zu, dass sein Vertreter zu unerfahren für das Steuern des Schiffes gewesen sei.
  • Der Kapitän und mehrere Crewmitglieder stehen seit Juni wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht.

Kapitän hätte Steuer nicht übergeben dürfen

Der Kapitän der südkoreanischen Unglücksfähre Sewol hat bei seiner ersten Aussage vor Gericht schwere Fehler eingeräumt. Der 69-jährige Lee Joon Seok sagte im Prozess in Gwangju, der diensthabende Steuermann sei für die Aufgabe zu unerfahren gewesen, um das Schiff durch einen für starke Unterströmungen bekannten Kanal zu steuern.

Er habe gewusst, dass das Besatzungsmitglied, das erst ein halbes Jahr auf der Sewol fuhr, dafür nicht ausreichend qualifiziert gewesen sei. Trotzdem habe er ihm das Steuer überlassen. Auf die Frage, ob besser er selbst das Steuer hätte übernehmen sollen, antwortete Lee: "Ja, ich denke schon." Zugleich wies Lee Vorwürfe zurück, er habe zum Zeitpunkt des Unglücks auf seinem Handy Spiele gespielt. Als sich das Unglück ereignete, sei er in der Kabine gewesen, habe "geraucht und sich umgezogen".

Besatzung wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht

Bei dem Unglück im April dieses Jahres starben mehr als 300 Menschen, unter ihnen etwa 250 Schüler. In dem am 10. Juni eröffneten Prozess sind Kapitän Lee und drei andere ranghohe Crewmitglieder wegen fahrlässiger Tötung in einem besonders schwerem Fall angeklagt, ihnen droht die Todesstrafe. Elf weitere Besatzungsmitglieder müssen sich wegen minder schwerer Verletzungen des Seerechts verantworten.

Inkompetenz, Behördenversagen und Geldgier als Ursache für das Unglück

Der Kapitän und seine Crew sollen die Passagiere auf dem sinkenden Schiff angewiesen haben, zu bleiben, wo sie waren - fast eine Stunde lang harrten die Passagiere in ihren Kabinen oder auf ihren Sitzen aus. Die Schiffsführung verließ dann die Fähre, während Hunderte Menschen noch festsaßen.

Einem Anfang Juli veröffentlichten Bericht zufolge führten Inkompetenz, Behördenversagen, Korruption und Geldgier zu der Katastrophe. Die Reederei habe den "finanziellen Gewinn über die Sicherheit der Passagiere" gestellt, die Besatzung habe sich "unverantwortlich" verhalten, hieß es darin.

© SZ.de/AFP/sebi/olkl
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