Evangelische Kirche Bedford-Strohm als EKD-Ratsvorsitzender wiedergewählt

Heinrich Bedford-Strohm wurde als Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland wiedergewählt.

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  • Heinrich Bedford-Strohm bleibt Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland.
  • Bei der Synode in Bremen wurde ein neuer Rat gewählt.
  • Dort kann es manchmal anstrengend werden, wenn jeder ein bisschen Priester ist.
Von Matthias Drobinski, Bremen

Erleichterter Applaus, Lachen, Händeschütteln, der erste Wahlgang ist schon mal gut gegangen. Heinrich Bedford-Strohm, der Bayerische Landesbischof, hat gleich die meisten Stimmen erhalten, gefolgt von Annette Kurschus, Präses der evangelischen Kirche in Westfalen, dazu Stephanie Springer, die Chefin des Kirchenamts der Landeskirche Hannovers.

Die Favoriten haben es überzeugend in den Rat der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) geschafft. Zumindest bei diesem wichtigen ersten Wahlgang hat niemand quergeschossen und einen Kandidaten beschädigt.

Die evangelische Kirche ist stolz auf ihre synodale Verfassung, bei der einfache Gläubige wie Geistliche die Leitung wählen. Jeder Gläubige hat nach evangelischer Auffassung Anteil am Priestertum; eine Wahl wie die zum Rat der EKD in Bremen ist immer auch Ausdruck dieses Selbstverständnisses.

Nur kann es manchmal anstrengend werden, wenn jeder ein bisschen Priester ist, es in der Synode eine linke, eine konservative, eine Mitte-Gruppe gibt - und auch gute Christen nicht jeden Menschen gleich lieben können. 23 Kandidaten gibt es, 14 sollen für sechs Jahre gewählt werden, sie brauchen eine Zweidrittelmehrheit der Stimmen. Die Gruppen müssen sich absprechen, Landeskirchen berücksichtigt werden. Das kann dauern - und schiefgehen. Die Wahl 2009 ging über 16 Stunden, es gab Tränen. Am Ende blieb ein Platz im Rat sogar unbesetzt.

Einer redet so düster

Diesmal soll es besser werden, haben sich die Synodalen versprochen. Tatsächlich: Als sich am Montagabend die Kandidaten den Delegierten vorstellen, sind viele besser vorbereitet als jene von vor sechs Jahren, wo mancher nicht viel mehr zu sagen hatte, als dass er verheiratet ist und drei Kinder hat - einer erzählte vom Leben auf dem Ponyhof. Diesmal betonen fast alle Kandidaten, wie sehr sie sich für Flüchtlinge und den interreligiösen Dialog einsetzen.

Echte Peinlichkeiten gibt es selten; einer redet so düster, dass ihn dann auch keiner wählen mag, einer preist seine Blauäugigkeit, was ihm auch nicht hilft. Und so wird es nach dem schnellen ersten Wahlgang wieder mühsam. Im zweiten kommt nur die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs durch. Es ist Mittag. Drei von 14 Ratsmitgliedern sind gewählt.

275 000 Austritte

Für die Journalisten werden die Finanzen der EKD präsentiert. Die Kirchensteuer läuft prächtig und dürfte 2015 mehr als fünf Milliarden Euro bringen, der Haushalt der EKD umfasst fast 200 Millionen Euro, von der man sogar eine evangelische Pop-Akademie finanzieren kann. Und die Austritte? Tja, sagt EKD-Finanzchef Thomas Begrich, die liegen bei 275 000, der Debatte um die Finanzertragssteuer sei's geklagt - noch mehr als bei den Katholiken, die 218 000 Austritte hatten.

Dritter Wahlgang. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese kommt durch, auch Thomas Rachel, der CDU-Abgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär im Bildungsministerium, der Parteienproporz steht. Andreas Barner ist drin, Chef des Pharma-Unternehmens Boehringer Ingelheim und Präsident des diesjährigen Kirchentags in Stuttgart.

"Es soll nicht wieder so sein wie 2009", mahnt Synodenpräses Irmgard Schwätzer - um 22 Uhr solle man doch fertig sein. 16.15 Uhr. Sechs Kandidaten fehlen. Die Synode ehrt Helmut Schmidt und singt: "Ermuntert euch und singt mit Schall /Gott unserm höchsten Gut/Der seiner Wunder überall/und große Dinge tut." 16.50 Uhr: Der Arbeitsrechtler Jacob Joussen kommt rein, der von seinem Partner erzählt hatte. Fünfter Gang: Jetzt reicht es auch für Berlins Bischof Markus Dröge. Fehlen noch vier. Um 22 Uhr ist der Rat immer noch nicht komplett. Doch bald darauf: Dieter Kaufmann und Marlehn Thieme werden als letzte gewählt, drin sind auch Elisabeth Gräb-Schmidt und Michael Diener.

Am Tag darauf wird Bedford-Strohm als Ratsvorsitzender der EKD - und damit oberster Repräsentant der 22,5 Millionen deutschen Protestanten - wiedergewählt. Kurschus bleibt seine Stellvertreterin.