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Erschossener Gastschüler Diren D.:Todesschütze beharrt auf Notwehr

Der Schütze, der in den USA den Hamburger Gastschüler Diren D. erschossen hat, muss sich vor Gericht verantworten. Die Anklageverlesung stellt die Weichen für einen Prozess gegen den 29-Jährigen. Den Vorwurf der vorsätzlichen Tötung weist er zurück.

Der Verantwortliche für den Tod des Hamburger Gastschülers Diren D. beharrt darauf, in Notwehr gehandelt zu haben. Der 29-Jährige Markus K. plädierte bei der formellen Anklageverlesung vor einem Gericht in Missoula im US-Staat Montana wie angekündigt auf nicht schuldig. Die Staatsanwaltschaft hingegen wirft dem Mann vorsätzliche Tötung des 17-Jährigen vor. Er soll Diren D. in seiner Garage absichtlich erschossen haben. Der Angeklagte beteuert, sich bedroht gefühlt zu haben.

Zeugenaussagen zufolge hatte der Hausbesitzer nächtelang darauf gewartet, einen Einbrecher zu erwischen, nachdem ihm schon einmal Wertsachen gestohlen worden waren. Für den früheren Einbruch werden inzwischen zwei andere Teenager belangt, die bestreiten, dass sie etwas mit Diren D. zu tun hatten.

K.s Anwalt will sich im Prozess auf die Castle-Doktrin berufen. Demnach kann jeder, der einen Eindringling erschießt, Notwehr geltend machen, sofern nachvollziehbar ist, dass er sich an Leib und Leben bedroht fühlte. Die Staatsanwaltschaft führt dagegen an, K. habe seit Tagen auf der Lauer gelegen und Diren D. kühl kalkulierend in die Garage gelockt. Auf vorsätzliche Tötung stehen zehn bis hundert Jahre Haft.

Die Ehefrau von K. wird nach Informationen der Zeitung The Missoulian nicht belangt. Es gebe keine ausreichenden Beweise für ihre Mitschuld, zitiert das Blatt den Staatsanwalt. Der Teenager aus Hamburg-Altona war nach bisherigen Erkenntnissen am 28. April nachts aus bislang unbekanntem Grund in die Garage des Angeklagten eingedrungen.

Diren D. wurde von den Kugeln am Kopf und am Arm getroffen und starb im Krankenhaus. Der türkischstämmige Schüler war im August für ein Jahr in die USA gekommen und besuchte in Missoula eine High School. Vor etwa zwei Wochen wurde er in der Türkei bestattet.

© SZ.de/dpa/AFP/mike/jhal

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