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Erschossener Austauschschüler:Diren D. soll nach Alkohol gesucht haben

Hat Diren D. mit Freunden eine Garage-Hopping-Tour gemacht? Angeblich war der Hamburger Austauschschüler auf der Suche nach Alkohol, als er erschossen wurde. Der Fall wird nun an ein höheres Gericht verwiesen.

Was wollte Diren D. in der Garage von Markus Kaarma? Diese Frage war bislang noch ungeklärt. Der 17-jährige Austauschschüler aus Hamburg war am 28. April nachts in Missoula im US-Bundesstaat Montana erschossen worden. Der mutmaßliche Schütze Kaarma beruft sich auf Notwehr, weil er Diren für einen Einbrecher gehalten habe. Nun wurde bekannt, dass der 17-Jährige auf der Suche nach Alkohol gewesen sein soll. Das sagte Direns ecuadorianischer Freund Robby Pazmino, der mit ihm an diesem Abend unterwegs war.

Pazmino erzählte der Polizei, dass Diren und er mit Freunden zuvor bereits häufiger an sogenannten Garage-Hopping-Touren teilgenommen hätten. Bis zur Nacht von Direns Tod seien die beiden aber in der Regel im Auto sitzen geblieben, während sich die anderen auf die Suche nach Alkohol begeben hätten. Nach den Worten von Kaarmas Anwalt soll Diren vor Kaarmas Garage bereits drei oder vier weitere fremde Garagen betreten haben.

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Todesschützen des Hamburger Gastschülers ist nun an ein höheres Bezirksgericht verwiesen worden. Das teilte eine Sprecherin des County Justice Court in Missoula im Staat Montana mit. Unklar sei aber, wann es in Missoula zu einer Anhörung und zu einem Prozess kommen werde, sagte die Sprecherin weiter.

Zu der Anhörung am Montag seien Kaarma und sein Anwalt erwartungsgemäß nicht erschienen. Der Angeklagte habe Angst um seine Familie gehabt und sei in Panik geraten, sagte sein Anwalt. Es habe schon zuvor mehrere Einbrüche auf seinem Grundstück gegeben. Kaarma hatte den Behörden von einem metallischen Geräusch berichtet, das er gehört habe. Daraufhin habe er Panik bekommen und in die dunkle Garage gefeuert.

Unterdessen hat sich die deutsche Austauschorganisation von Diren geäußert. "Wir sehen keinen Anlass, dass wir irgendetwas anders machen, anders vorbereiten müssten", sagte ein Sprecher des Unternehmens Xplore in Hamburg. Waffenbesitz in den USA sei schon vorher immer ein Thema gewesen, auch Diren sei darüber aufgeklärt worden. "Es war nie so, dass unsere Schüler unwissend in die USA gegangen sind." Ähnliche Aussagen waren auch von anderen Austauschorganisationen in Deutschland zu hören.

Man sei nach wie vor in engem Kontakt mit Direns Familie, erklärte der Sprecher der Organisation Xplore, die ungefähr 100 Schüler pro Jahr in die USA vermittelt. Das Geschehene sei tragisch und furchtbar, sagte er. "Aber es ist ein Einzelfall und nichts, was das Programm an sich nachhaltig beeinflusst." Alle neun Mitarbeiter hätten Diren gekannt. "Wir waren alle geschockt und konnten es nicht glauben."

© Süddeutsche.de/dpa/bero/mahu
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