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E-Mail an florentinisches Berufungsgericht:Amanda Knox fürchtet italienisches Gericht

Amanda Knox speaks to Diane Sawyer in New York in this undated handout photo

Amanda Knox während eines Fernsehinterview im April 2013.

(Foto: REUTERS)

In einer emotionalen Nachricht hat sich die Amerikanerin Amanda Knox an das Gericht in Perugia gewandt. Darin erklärt sie, warum sie als Angeklagte nicht am dritten Prozess um den Mordfall Meredith Kercher teilnimmt.

Die Angeklagte Amanda Knox hat sich mit einer E-Mail an das Berufungsgericht in Florenz gewandt, an dem der dritte Prozess gegen sie und ihren italienischen Ex-Freund Raffaele Sollecito stattfindet. "Ich habe nicht getötet, ich habe nicht vergewaltigt", beginnt die Nachricht. "Ich bin nicht anwesend, weil ich Angst habe. Ich habe Angst, dass die Heftigkeit der Anklage Sie beeindruckt, dass ihre Augenwischerei Sie blind macht", heißt es laut Nachrichtenagentur Ansa weiter in dem Text, der am Dienstag vor dem Berufungsgericht vorgelesen wurde.

Der heute 26-jährigen Knox und ihrem 29 Jahre alten Ex-Freund Sollecito wird vorgeworfen, vor sechs Jahren die britische Austauschstudentin Meredith Kercher im Drogen-und Alkoholrausch brutal getötet zu haben. Die damals 21 Jahre alte Studentin war im November 2007 halbnackt, von Messerstichen übersät und mit durchschnittener Kehle in ihrem WG-Zimmer in Perugia entdeckt worden. Ihre damalige Mitbewohnerin Knox und der Italiener Sollecito waren 2009 zu langen Haftstrafen verurteilt, später jedoch freigesprochen worden. Knox war direkt nach ihrem Freispruch in die USA zurückgekehrt. Im März hatte Italiens höchstes Gericht den Freispruch gekippt.

Knox nimmt nicht an dem Prozess in Florenz teil. Die Anschuldigungen gegen sie und Sollecito seien "ungerecht und boshaft", schreibt sie. "Meredith war meine Freundin. Sie war mir sympathisch, sie hat mir geholfen, sie war großzügig und witzig. In der kurzen Zeit, in der Meredith und ich Mitbewohnerinnen und Freundinnen waren, haben wir nie gestritten", heißt es weiter.

Die Anwälte der Opferfamilie Kercher hatten Knox ein "hohes kriminelles Potenzial" bescheinigt und ihr Verhalten scharf kritisiert, wonach sie "Millionen-Verträge für ihr Buch unterschrieben hat und einen eigenen PR-Berater hat".

Der dritte Prozess wird heute mit den Plädoyers der Verteidigung fortgesetzt werden. Ein Urteil könnte im Januar fallen. Knox hatte mehrfach betont auch im Falle einer Verurteilung nicht nach Italien reisen zu wollen. Ob die USA sie ausliefern würden, ist unklar.