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China: Milchskandal geht weiter:Der tödliche Schluck

Ein Skandal und kein Ende: Nach 2008 sind erneut verseuchte Milchprodukte in China aufgetaucht. Bereits zurückgerufene Produkte könnten wieder auf den Markt gelangt sein.

Die Industriechemikalie Melamin ist ein Teufelszeug, das Gesundheit vortäuschen soll und in Wahrheit höchstgefährlich ist. Sie wird mit Wasser gestreckter Milch beigemischt, um einen hohen Proteingehalt vorzugaukeln. Derart verseuchte Lebensmittel können Nierensteine und Nierenversagen verursachen.

Chinesische Kontrolleure haben erneut die gefährliche Industriechemikalie Melamin in verschiedenen Milchprodukten entdeckt.

(Foto: Foto: dpa)

Die bitteren Folge der Panscherei bekam Chinas Bevölkerung bereits im Herbst 2008 zu spüren, als 300.000 Säuglinge an verseuchten Milchprodukten erkrankten. Sechs Kinder starben. Die weltweite Aufregung war groß, Verantwortliche wurden verurteilt und hingerichtet, auch schärfere Kontrollen wurden angekündigt.

Doch die Maßnahmen scheinen nicht zu greifen, denn jetzt sind erneut mit Melamin belastete Lebensmittel aufgetaucht: Im Südwesten des Landes entdeckten Lebensmittelkontrolleure nach chinesischen Medienberichten erneut Melamin in verschiedenen Milchprodukten, darunter Speiseeis. Drei Milchfabriken mussten ihr Sortiment aus den Supermärkten der Provinz Guizhou zurückziehen, wie die Zeitung China Daily berichtete.

Die Tiefkühlprodukte stammten von Anfang 2009, teilte die Provinz-Regierung mit. Sie seien in etwa einem Dutzend Lebensmittelgeschäften entdeckt worden. Die Gesundheitsbehörden untersuchten nun, warum die verseuchten Lebensmittel nicht längst aus dem Verkehr gezogen worden seien, sagte Regierungssprecherin Ling Hu.

Mangelhafte Kontrollen

Unklar ist zunächst, wie erneut verseuchte Milch in die Regale gelangen konnte. Ein Experte vermutet, dass nach Aufdeckung des Skandals vor einem Jahr zurückgerufene Produkte auf Umwegen wieder auf den Markt gelangt sein könnten. Dies deute auf schwere Mängel bei den behördlichen Kontrollen hin, sagte der frühere Vorsitzende des Molkerei-Verbands der Provinz Guangdou, Wang Dingmian, der China Daily.

Der Fall ereignete sich trotz der Beteuerungen der chinesischen Regierung, dass die Melamin-Gefahr seit Monaten gebannt sei. Immer wieder werden aber schwere Versäumnisse bei der Aufklärung der Vorgänge deutlich. So wurde eine in den Skandal verwickelte Molkerei erst Anfang dieses Jahres geschlossen, weil die Behörden die Probleme in dem Unternehmen monatelang vertuscht hatten.

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