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"Charlie Hebdo"-Attentat in Frankreich:Polizei verhört Achtjährigen wegen radikaler Äußerungen

  • Ermittler haben in Frankreich einen Achtjährigen verhört - wegen Solidaritätsbekundungen gegenüber den Charlie-Hebdo-Attentätern.
  • Das "Kollektiv gegen Islamfeindlichkeit in Frankreich" kritisiert das Vorgehen der Behörden.
  • Bulgarien hat einen Freund eines "Charlie-Hebdo"-Attentäters nach Frankreich ausgeliefert. Paris hatte einen Haftbefehl gegen den 29-Jährigen wegen Terrorverdachts ausgestellt.

"Wir wissen nicht, wo er solche Äußerungen hernimmt"

Ein achtjähriger Junge ist in Frankreich von der Polizei befragt worden, weil er nach dem islamistischen Anschlag auf die Satirezeitung Charlie Hebdo vor drei Wochen mit radikalen Äußerungen aufgefallen war. Der Junge habe sich am Tag nach dem Attentat geweigert, eine Schweigeminute für die Opfer einzuhalten. Seinem Lehrer zufolge äußerte er zudem "Solidaritäts"-Bekundungen gegenüber den Islamisten, die beim Angriff auf Charlie Hebdo zwölf Menschen getötet hatten.

Der Achtjährige wurde am Mittwoch in einem Kommissariat der südfranzösischen Stadt Nizza eine halbe Stunde lang vernommen, bestätigte der Polizeichef.

"Angesichts des derzeitigen Kontextes hat der Schuldirektor entschieden, die Polizei zu informieren", sagte der Ermittler. "Wir haben das Kind und seinen Vater vorgeladen, um zu verstehen, wie ein achtjähriger Junge so radikale Äußerungen von sich geben kann." Der Junge habe aber "offenbar nicht verstanden, was er selbst gesagt hat", sagte der Polizeichef. "Wir wissen nicht, wo er solche Äußerungen hernimmt."

Kritik am Vorgehen der Behörden

Das "Kollektiv gegen Islamfeindlichkeit in Frankreich" kritisierte das Vorgehen der Behörden. "Der Vater und sein Sohn sind zutiefst schockiert über eine solche Behandlung, die die kollektive Hysterie aufzeigt, in die Frankreich seit Anfang Januar verfallen ist."

Nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo hatten sich Jugendliche an zahlreichen Schulen geweigert, an einer von Präsident François Hollande ausgerufenen Schweigeminute teilzunehmen. Die meisten distanzierten sich deutlich von den Taten der Terroristen, kritisierten aber die Charlie-Hebdo-Karikaturen als islamfeindlich und plädierten für ein Verbot.

Bulgarien liefert Freund von "Charlie-Hebdo"-Attentäter aus

Ein seit Anfang Januar in Bulgarien wegen Terrorverdachts festgehaltener Franzose ist am Donnerstag an Frankreich ausgeliefert worden. Das meldete das bulgarische Staatsradio in Sofia. Dem aus Haiti stammenden Mann wird in Frankreich die Beteiligung an einer Terrorgruppe vorgeworfen. Der 29-Jährige war nach seinen eigenen Worten mit einem der "Charlie-Hebdo"-Attentäter, nämlich mit Chérif Kouachi, seit seiner Kindheit befreundet.

Vor einem bulgarischen Gericht hatte der 29-Jährige die Vorwürfe des Terrorismus zurückgewiesen. Der Mann war in der Silvesternacht an der bulgarischen Grenze zur Türkei aufgrund eines europäischen Haftbefehls wegen vermuteter Kindesentführung festgenommen worden. Der Franzose war mit seinem dreijährigen Sohn in einem Reisebus unterwegs gewesen. Nach dem blutigen Anschlag auf das französische Satiremagazin "Charlie-Hebdo" vom 7. Januar erhielt Sofia einen zweiten Haftbefehl aus Paris gegen den Mann - dieses Mal wegen Terrorverdachts.

© SZ.de/AFP/jana/rus

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