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Barbie:Kurvendiskussion

Barbie gibt es jetzt auch mit Normalo-Figur. Auf jeden Fall kann man so mehr Puppenkleider verkaufen.

(Foto: Mattel)

Barbie, die bekannteste Puppe der Welt, gibt es nun auch in klein, groß und kurvig. Der Grund? Verantwortung, sagt der Hersteller.

Am Anfang war der Spott. Eine Plastikpuppe mit Brüsten würde es niemals in die Kinderzimmer schaffen, da war man sich 1959 bei Barbies Debüt sicher. Dann folgte die Kritik. Eine Plastik gewordene Männerfantasie, mit einer Taille, so schmal, dass Organe keinen Platz hätten, mit Beinen, so lang, dass sie niemals aufrecht stehen könnte? Eine solche Puppe müsse Mädchen doch ein falsches Bild vom Frauenkörper vermitteln. Trotz alldem wurde Barbie für Jahrzehnte zur meistverkauften Puppe der Welt. Daher machte die Meldung aus dem Hause Mattel nun Schlagzeilen: Barbie hat einen neuen Körper. Gleich mehrere eigentlich - seit Donnerstag ist sie online auch in kurvig, klein, groß sowie in verschiedenen Hauttönen erhältlich.

Laut einer Sprecherin des Herstellers Mattel steht hinter den neuen Puppen, klar, ein Bildungsauftrag: "Wir haben die Verantwortung, Mädchen und Eltern eine breitere Auffassung von Schönheit zu präsentieren." Das Time Magazine machte eine der neuen Barbies mit Hintern und Bäuchlein zum Covergirl. Ist sie nun also da, die Revolution im Kinderzimmer?

Tatsächlich werden seit zehn Jahren immer wieder Studien veröffentlicht, die Barbies Einfluss darauf nachweisen, wie kleine Mädchen ideale Frauenkörper sehen. Zudem propagiere die Puppe das Ideal weißer Haut. Allerdings versucht Mattel auch bereits seit Jahrzehnten, ethnisch und figurtechnisch Vielfalt ins Sortiment zu bringen - nur bisher ohne Erfolg. Schon seit 1980 gibt es Barbies auch in hispanischer, afroamerikanischer oder asiatischer Version. 2003 scheiterte der Versuch, die Puppe in einer weniger zarten Ausführung zu verkaufen. 2015 kamen noch einmal 23 nicht sehr erfolgreich verkaufte Barbies mit unterschiedlichen Hauttönen hinzu. Und auch bei den Künstlern und Start-ups, die alternative Barbies mit Akne und Cellulite verkaufen, wurde niemand reich.

Nachdem bei Mattel der Umsatz 2012 um 20 Prozent eingebrochen ist und das US-Schönheitsideal gerade durch voluminöse Kardashian-Hintern und krumme Beyoncé-Beine generalüberholt wurde, versucht sich auch der Barbie-Hersteller an einer Neu-Definition. Barbies innere Werte bleiben dennoch dieselben. Immerhin hat sie es vor allem deshalb geschafft, Generationen im Kinderzimmer zu überdauern, weil ihre Bedürfnisse so nah am echten Leben sind. In ihrer Welt gibt es ständig neue Produkte, die immer neue Wünsche wecken: zu den Schuhen passende Taschen, Pferde und dazu Sättel und dazu Sattelpflegebürsten. Barbie wird auch in groß, klein und kurvig eine kapitalistische Ikone bleiben. Das zeigt sich schon daran, dass Spielzeughändler noch darüber verhandeln, wie viele Regalmeter sie Barbies neuen, kleinen, großen, kurvigen Kleidern für den analogen Verkaufsstart im Frühjahr freiräumen.

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