bedeckt München 28°

Banner-Klau:Nordkorea lässt US-Studenten sich selbst "schwerer Verbrechen" bezichtigen

Otto Warmbier, während die nordkoreanischen Beamten ihn vorführen.

(Foto: AP)
  • Nordkorea hat einen inhaftierten Studenten aus den USA vor Medienvertretern in Pjöngjang vorgeführt.
  • Der 21-Jährige entschuldigte sich unter Tränen für den Versuch, auf Geheiß eines Kirchenmitglieds aus seiner Heimat ein politisches Banner aus einem Hotel zu stehlen.
  • Das sozialistische Regime wirft ihm einen "feindlichen Akt" vor.

Otto Warmbier soll ein politisches Spruchbanner aus einem Hotel geklaut haben. Auf Geheiß einer kleinen Kirchen-Gemeinde aus den USA, die ihm dafür ein gebrauchtes Auto versprochen und besonders leise Schuhe mitgegeben haben soll - damit Warmbier sich besser ins Hotel schleichen könne. Eine Geschichte, die so skurril klingt wie ihre Offenlegung. Nordkorea wirft Warmbier "schwere Verbrechen" gegen das sozialistische Land vor und ließ ihn nun eine Pressekonferenz geben. Während der er unter Tränen um Vergebung bat.

CNN zufolge wird der 21-Jährige seit dem 1. Januar festgehalten. An dem Tag soll er im Mitarbeiterbereich des Hotels in Pjöngjang das Banner entwendet haben. Warmbier, so der Vorwurf Nordkoreas, habe geplant es zu klauen und in seinem Koffer zu verstecken. Doch dafür sei es zu groß gewesen, also habe er es auf dem Fußboden des Hotels liegen lassen. Nordkorea sehe in der Aktion einen "feindlichen Akt".

Warmbier war mit einer zehnköpfigen Touristengruppe für eine fünftägige Reise in Nordkorea unterwegs, ehe er vor dem Abflug nach China am Flughafen in Pjöngjang festgenommen wurde.

Im Kulturpalast der Hauptstadt wurde der Student Medienvertretern vorgeführt. Laut Regime habe er selbst darum gebeten. Um sich schuldig zu bekennen und zu verkünden: "Ich entschuldige mich bei den Millionen Koreanern und bitte sie, zu sehen, wie sehr ich benutzt und manipuliert worden bin. Ich wurde benutzt von den USA, wie viele vor mir. Ich bin ein Opfer der feindseligen Politik der USA."

Es ist unklar, ob Warmbier dazu gezwungen wurde. In vorherigen Fällen haben Festgenommene in Nordkorea ihre öffentlichen Bekenntnisse nach ihrer Freilassung häufig widerrufen. Nordkorea wirft den USA und Südkorea regelmäßig vor, Spione ins Land zu schicken, um die politische Führung um Machthaber Kim Jong Un zu stürzen. CNN zufolge kennt man Warmbier in der besagten Kirche in Ohio gar nicht.

© sz.de/max/fued
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB