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Anschlag bei Boston-Marathon:FBI identifiziert Verdächtigen

Ermittler durchkämmen die Boylston Street im Bereich der Ziellinie, vor der die beiden Bomben explodiert sind

(Foto: AP)

Ein Video aus einem Kaufhaus soll den Durchbruch gebracht haben: US-Medien berichten, dass die Ermittler einen Verdächtigen für den Anschlag auf den Boston-Marathon ausgemacht haben. Eine Festnahme gab es aber noch nicht.

Wer ist für den Anschlag auf den Boston-Marathon verantwortlich? Bislang gab es nur Spekulationen, nun wurde offenbar ein Verdächtiger identifiziert. Das berichten mehrere Medien unter Berufung auf Ermittlerkreise.

Zunächst hatte es in verschiedenen Medien Meldungen gegeben, nach denen der Mann bereits festgenommen sei. Die Bostoner Polizei dementierte auf Twitter die Festnahme allerdings.

Auch die Bundespolizei FBI und das Justizministerium in Washington widersprachen entsprechenden Medienberichten.

Auf die Spur des Verdächtigen kamen die Ermittler laut CNN über ein Video aus einem Kaufhaus. Auch Aufzeichnungen eines Bostoner Fernsehsenders hätten zu dem Fortschritt beigetragen. Die Ermittler fahnden derzeit nach einem Mann, der in Videoaufnahmen durch verdächtiges Verhalten am Tatort aufgefallen ist. Der Boston Globe meldet, dass Bilder eines Verdächtigen vorlägen, der eine schwarze Tasche zum Tatort trage. Derzeit seien die Ermittler damit beschäftigt, den Aufenthaltsort des Verdächtigen zu bestimmen, sagte ein Polizeisprecher.

Das Gerichtsgebäude in Boston ist nach einer Bombendrohung laut einem Medienbericht zeitweise evakuiert worden. Wie die Zeitung Boston Herald berichtete, durften die Menschen am Mittwoch wieder in das Gericht, nachdem die Polizei das Gebäude durchsucht hatte.

Die Ermittlungen seien sehr weit fortgeschritten, wird die anonyme Quelle in verschiedenen Medienberichten zitiert. Eine für Mittwochabend angekündigte Pressekonferenz zum Stand der Ermittlungen wurde allerdings von der US-Bundespolizei mehrfach verschoben und schließlich ganz abgesagt.

Angesichts der schwierigen Ermittlungen zum Bombenanschlag auf den Bostoner Marathon hat der Gouverneur des US-Bundesstaats Massachusetts um Geduld gebeten. "Ich würde alle darum bitten, der Polizei den Raum zu geben, um ihre Arbeit zu machen", sagte Deval Patrick im Nachrichtensender CNN. Patrick spielte damit auch auf die Falschmeldungen an. "Ich wünschte, sie hätten den Täter Minuten nach dieser Katastrophe gefasst, aber ich weiß aus Erfahrung, dass es etwas Zeit in Anspruch nimmt", sagte der Gouverneur zu den Ermittlungen.

Bomben waren primitiver Natur

Bei dem Bombenanschlag auf den weltbekannten Marathon waren am Mittwoch drei Menschen getötet worden. Mehr als 180 weitere Menschen wurden durch zwei fast zeitgleiche Explosionen verletzt, einige von ihnen schwer. Die Regierung stufte die Tat als Terroranschlag ein. Präsident Barack Obama will an diesem Donnerstag nach Boston reisen und an einem Gedenkgottesdienst für die Anschlagsopfer teilnehmen.

Die Bomben waren offenbar primitiver Natur. So soll der Zünder etwa durch eine Art Eieruhr, wie man sie in der Küche benutzt, in Gang gesetzt worden sein, berichtet die New York Times.

Das Explosivmaterial sei zusammen mit Nägeln und Metallkugeln in einen Schnellkochtopf gefüllt worden, der wiederum vermutlich in einem schwarzen Nylonrucksack versteckt wurde. Ziel sei es eindeutig gewesen, möglichst viele Menschen zu verstümmeln.

Bombenbauer von al-Qaida dagegen gelten eher als Profis, die raffiniertere Zünder als eine Eieruhr verwenden. Immer stärker wird daher der Verdacht, dass der in den USA nicht unbekannte "home-grown terrorism" hinter dem Anschlag stecken könnte - einheimische Terroristen, die in blinder Wut auf Gesellschaft, Staat und Regierung zur Gewalt greifen.

Tom Fuentes, ein früherer Assistant Director beim FBI, wird auf CNN allerdings mit der Einschätzung zitiert, dass der Bostoner Anschlag sowohl Züge von "al-Qaida oder einer Gruppe aus dem Nahen Osten" trage, als auch auf eine Gruppe aus den USA hinweisen könne.

Bomben mit Schnellkochtöpfen als Komponenten wurden bereits früher bei Attentaten etwa in Afghanistan, Indien, Nepal oder Pakistan verwendet, spielten aber auch bei dem vereitelten Anschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt im Dezember 2000 eine Rolle.

Anmerkung: In einer früheren Fassung des Textes hieß es unter Berufung auf den US-Nachrichtensender CNN und die Nachrichtenagentur AP, dass der Verdächtige bereits festgenommen worden sei.

© SZ.de/woja
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