Schüsse am Filmset:Die Frau hinter der Kamera

Cinematographer Halyna Hutchins poses for a selfie photo in this picture obtained from social media

Kamerafrau Halyna Hutchins galt als "Rising Star" in der Branche und hatte bei namhaften Produktionen mitgearbeitet.

(Foto: Instagram/@HalynaHutchins/Reuters)

Halyna Hutchins galt als aufstrebendes Talent in der Branche. Nun trauert Hollywood um die Frau, die von Alec Baldwin erschossen wurde.

Von Veronika Wulf

"Eine Frau und Mutter und tief bewunderte Kollegin" - so nennt US-Schauspieler Alec Baldwin Halyna Hutchins. Ihn und die Kamerafrau verbindet seit Donnerstag eine Tragödie: Bei Dreharbeiten zu seinem neuen Film "Rust" auf der Bonanza Creek Ranch in der Nähe von Santa Fe feuerte Baldwin eine Requisitenwaffe ab und verletzte Hutchins dabei. Im Krankenhaus, in das ein Hubschrauber sie brachte, konnte nur noch ihr Tod festgestellt werden.

Hutchins kam vor 42 Jahren in der Ukraine zur Welt. Laut ihrer Website wuchs sie auf einer sowjetischen Militärbasis am nördlichen Polarkreis auf, "umgeben von Rentieren und Atom-U-Booten". In Kiew studierte sie Journalismus, später produzierte sie in ganz Europa Dokumentarfilme. Anschließend ging sie in die USA, drehte Kurzfilme, dann Kinofilme.

Sie galt als aufstrebendes Talent in der Branche, wie die Los Angeles Times schreibt, hatte 2015 die renommierte AFI-Filmschule absolviert und sich mit Titeln wie "Archenemy", "Blindfire" und "The Mad Hatter" einen Namen gemacht. "Ich denke, sie wäre eine sehr berühmte und erfolgreiche Kamerafrau geworden", sagte "Archenemy"-Regisseur Adam Egypt Mortimer der Zeitung. "Sie war dabei, sich einen Ruf aufzubauen und den Leuten zu zeigen, was sie kann." In "Rust" war sie als Director of Photography für die gesamte bildliche Gestaltung des Films zuständig. Ihr letzter Instagram-Post, datiert von Mittwoch dieser Woche, zeigte sie am Rande der Dreharbeiten in der Wüste von New Mexico beim Reiten.

"Ich habe keine Worte, um meinen Schock und meine Trauer auszudrücken"

Das Magazin American Cinematographer hatte Hutchins als "Rising Star" geführt, also als Talent auf dem Weg nach oben. Ihr Kollege Michael Pessah sagte der Zeitschrift Variety: "Sie war eine wundervolle, kreative und optimistische Person, die sich so sehr darauf freute, den Durchbruch zu schaffen und Filme zu drehen."

Die Filmbranche reagierte bestürzt auf Hutchins Tod. "Ich habe keine Worte, um meinen Schock und meine Trauer auszudrücken", hatte Baldwin, der Unfallbeteiligte, am Freitagnachmittag auf Twitter geschrieben. Zahlreiche Regisseurinnen, Kameraleute, Produktionsfirmen und Schauspieler posteten Statements, oft versehen mit Bildern von Hutchins. Sie bekundeten ihre Trauer und brachten ihr Mitgefühl mit der Familie zum Ausdruck.

Casting-Direktorin Sidra Smith, die häufig mit Hutchins zusammengearbeitet hat, schrieb etwa: "Das reißt mein Herz in Stücke. Wir hatten zuletzt gesprochen, als sie gerade den Zuschlag bekommen hatte für diesen Film. Sie war so glücklich darüber, und ich freute mich für sie. Es ist hart für Frauen in diesem Business. Das Geschäft ist hart für Kamerafrauen, und dies war eine riesige Chance für sie."

Nie wieder eine echte Waffe am Set

"Das hat mich ins Mark getroffen", schrieb die Regisseurin Jarrett Furst, ebenfalls eine Kollegin. Hutchins sei eine "unglaubliche Künstlerin und ein unglaublicher Mensch" gewesen. Jedes ihrer Projekte sei eine Herzensangelegenheit gewesen, und sie habe alle um sie herum auf wunderbare Weise unterstützt. Und dann schrieb Furst: "Ich werde nie wieder eine echte Waffe am Set einsetzen, nie mehr in meinem Leben."

Das ist es, was in einzelnen Statements auch anklingt, neben all der Trauer: leise Kritik an den Bedingungen in der Filmbranche. Rachel Morrison, wie Hutchins ebenfalls Kamerafrau, formuliert sie so: "Ich habe keinen Zweifel, dass diese Tragödie hätte verhindert werden können und hätte verhindert werden sollen." Es gebe keinen Grund, echte Waffen am Set zu benutzen, denn heutzutage sei es problemlos möglich, Pistolenfeuer nachträglich in der Postproduktion in den Film einzufügen. Finanzielle Engpässe seien ebenfalls keine Ausrede. "Wenn du nicht die Mittel hast, einen Film sicher zu machen, solltest du ihn eben nicht drehen. Kein Dreh, keine Szene, kein Film ist es wert, dass dabei ein Leben verloren geht", sagt Morrison.

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Exteriors And Views Of The Bonanza Creek Ranch, University of New Mexico Hospital, And Christus St. Vincent Medical Center

SZ PlusSchüsse am Filmset
:"Ich habe keine Worte, um meinen Schock und meine Trauer auszudrücken"

Alec Baldwin hat eine Requisitenwaffe abgefeuert, laut einer Filmgewerkschaft mit scharfer Munition. Eine Kamerafrau ist tot, doch vieles ist noch unklar. Auf Twitter schreibt Baldwin von einem "tragischen Unfall".

Süddeutsche Zeitung
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