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"Zur Sache, Schätzchen":In die Filmgeschichte gefummelt

Anfänglich als Ode an die Verweigerung ersonnen, wurde er 1968 aufgrund seiner polizeikritischen Haltung als politisches Statement wahrgenommen. Dabei hatte man nach dem tödlichen Schuss auf den Studenten Benno Ohnesorg noch während der Dreharbeiten das Filmende geändert: Ursprünglich hätte Martin am Schluss von einem Polizisten erschossen werden sollen, jetzt überlebt er. Trotzdem wurde das Künstlerpaar von der linken Szene hofiert: "Die sagten zu mir, dass ich unbedingt bei ihnen mitmachen muss", erzählt Werner Enke. "Das war mir aber unangenehm. Ich wollte mit dem, was sich da auf den Straßen zusammenbraute, nichts zu tun haben." "Wir waren nie politisch", fügt sie hinzu. Als sie sich zwei Jahre später mit ihrem zweiten Spielfilm "Nicht fummeln, Liebling" gegen die extreme Linke stellten, änderte sich die Stimmung: "Ab da waren wir bei denen in Frankfurt nur noch die liberalen Scheißer."

Auch innerhalb der Filmbranche saßen sie zwischen den Stühlen: Die aufkommende Sexfilmwelle bediente sich schamlos ihres Vokabulars ("Dr.Fummel und seine Gespielinnen"), während die Autorenfilmer sie als zu unterhaltsam und zu wenig ideologisch abtaten. Zu Unrecht, wie May Spils findet: "Ein Film, der wie unserer unterschwellig daherkommt, hat doch viel mehr bewirkt als diese ganzen filmischen Manifeste." In den Siebzigern landeten die beiden noch drei Hits, erst der letzte Film aus dem Jahr 1983 ("Mit mir nicht, du Knallkopp") versagte an der Kinokasse. Spils und Enke zogen sich zurück; irgendwie hatten sie gemerkt, dass kein Platz mehr war für ihre wundersamen Schwabing-Filme mit lässigen Typen und lakonischen Sprüchen.

Einmal noch veröffentlichte Werner Enke ein Buch mit sprechenden Strichmännchen, die ein wenig an die Daumenkino-Figuren aus dem "Schätzchen" erinnerten. Das war vor fünf Jahren. Damit wäre auch diese Frage beantwortet: Fürs Nichtstun ist der passionierte Hobbymaler und Ideensammler dann doch noch zu umtriebig. In den vergangenen Jahren waren er und seine Partnerin aber vor allem mit der Pflege ihrer Eltern beschäftigt.

Werner Enke zieht noch einmal an seinem Zigarettenstummel und erzählt, wieso die großen Verleiher damals ihren Film ablehnten: "Der kann ja noch nicht mal richtig jung sein, sagten die damals." Damit der letzte Satz nicht weinerlich herüber kommt, verpackt er ihn als Witz: "Ich habe damals alles über das Alter gesagt. Jetzt muss ich es nur noch ertragen."

© SZ vom 17.12.2008/wib
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