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Zapfsäulen:Vollgas beim Strom

Eröffnung der ersten Mobilitätsstation in München, 2014

Die Infrastruktur für E-Autos in der Stadt soll ausgebaut werden.

(Foto: Florian Peljak)

Die Stadt baut 350 Ladesäulen für Elektrofahrzeuge

Von Dominik Hutter

Eine Stadt wird zur Ladezone - für elektrisch angetriebene Autos. Der Wirtschaftsausschuss des Stadtrats hat die Stadtwerke mit dem Aufbau von 350 zusätzlichen Ladesäulen am Straßenrand beauftragt. Zusätzlich zu den bestehenden rund 100 Stromspendern werden bis Ende 2019 für gut zehn Millionen Euro weitere Parkplätze in Elektro-Tankstellen umgewandelt. "Wir geben richtig Vollgas", lautet aus Sicht von Bürgermeister und Wirtschaftsreferent Josef Schmid (CSU) die Botschaft. Parallel dazu untersuche das Umweltreferat, wie viel Interesse in der Privatwirtschaft bestehe, um die E-Auto-Infrastruktur noch weiter auszubauen.

Zahlmeister der neuen Ladesäulen ist die Stadt - für die Stadtwerke rechnen sich die Anlagen wirtschaftlich noch nicht. Die "Betrauung", wie das im Amtsdeutsch heißt, läuft bis zum Ende des Jahres 2020 - wenn dann weiterhin Defizite anfallen und die Stadt keine Anschlussfinanzierung sichert, kann das kommunale Unternehmen die Volt-Pfosten wieder abmontieren.

Die 350 Säulen bieten je zwei Ladepunkte mit bis zu 22 Kilowatt Wechselstrom. Nach Bedarf können statt einer Normalladesäule auch sogenannte Multicharger ans Netz gehen - sie bestehen aus einem normalen Ladepunkt und einem mehr als 22 Kilowatt Gleichstrom starken Schnellladepunkt, die gleichzeitig genutzt werden können. Umrechnungsformel: Eins zu fünf, ein Multicharger bringt so viel wie fünf normale Säulen. Theoretisch könnten also statt der 350 Normalladesäulen auch 70 Multicharger aufgebaut werden. Oder, was wahrscheinlicher ist, ein ausgewogener Mix.

Aus Zeitgründen will die Stadtspitze eine detaillierte Befragung der Bezirksausschüsse zu einzelnen Standorten vermeiden. ÖDP-Stadtrat Tobias Ruff hatte im Wirtschaftsausschuss angeregt, die Ortskenntnis der Stadtteilgremien zu nutzen. Referent Schmid rechnet aber mit Verzögerungen von mehreren Monaten, wenn für sämtliche Standorte Termine zur Ortsbesichtigung vereinbart werden und anschließend Experten prüfen müssen, ob die Sparten unter den Gehwegplatten überhaupt eine Ladesäule zulassen. Auch Oberbürgermeister Dieter Reiter mahnte, nicht länger Zeit zu vergeuden. Streng genommen gebe die Politik nur den Auftrag - die Aufstellung organisiere dann die Verwaltung.

© SZ vom 07.02.2018
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