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Wunschzettel:Es staut sich

Die Mittel sind knapp, die Liste der geplanten Verkehrsprojekte in Südbayern dagegen ist lang - eine Auswahl

Mit einer ganzen Liste an konkreten Verkehrsprojekten sind die Politiker aus Südbayern in Berlin aufgelaufen - vom geplanten zweiten S-Bahn-Tunnel über den Brennerzulauf bis zur A 94. Hier eine Auswahl aus der "Wunschliste".

Zweite S-Bahn- Stammstrecke

Idee: Künftig sollen Express-S-Bahnen das Umland mit der Landeshauptstadt verbinden, Regionalzüge sollen zum Beispiel aus Augsburg oder Ingolstadt direkt in die Innenstadt sowie weiter zum Flughafen führen. Die Befürchtung: Ohne einen massiven Ausbau des Schienenangebots wird die Region im Autoverkehr ersticken.

Stand: Zwei von drei Bauabschnitten des geplanten Tunnels unter der Innenstadt sind bislang genehmigt, ein Baubeginn allerdings liegt noch immer in weiter Ferne. Vor allem an der Finanzierung hakt es. Gegner behaupten zudem, alternative Lösungen seien billiger und sinnvoller.

Kosten: mindestens 3,1 Milliarden Euro

Autobahn A 8 Rosenheim-Salzburg

Idee: Die wichtige Ost-West-Trasse wirkt in weiten Teilen noch so wie bei der Errichtung in den Dreißigerjahren. Um den wachsenden Verkehr bewältigen zu können, soll sie sechsspurig ausgebaut werden.

Stand: Für den Abschnitt Rohrdorf-Bernauer Berg läuft bereits das Genehmigungsverfahren. Politiker aus der Region fordern eine "zeitnahe Realisierung", sobald die Baugenehmigung vorliegt. Dafür müsse der Bund das Geld locker machen.

Kostenschätzung: 1,3 Milliarden Euro bis zur deutsch-österreichischen Grenze

Autobahn A 94 München-Passau

Idee: Befürworter sehen die geplante Autotrasse als "Lebensader" für den südostbayerischen Wirtschaftsraum, vor allem für die dort ansässigen Chemieunternehmen.

Stand: Die A 94 ist nur in Teilen fertig, unter anderem klafft zwischen Pastetten und Heldenstein noch eine Lücke. Mehrere Brücken bei Dorfen (Landkreis Erding) werden derzeit gebaut. Von 2016 an soll ein privates Baukonsortium die Lücke schließen.

Kostenschätzung: 400 Millionen Euro

Bahn-Korridor Augsburg-Ulm

Idee: Die Strecke zählt zu den von der EU definierten "Magistralen für Europa" und soll irgendwann mal mit Hochgeschwindigkeitszügen Paris mit Stuttgart, München und Budapest verbinden.

Stand: Derzeit wird zwischen Stuttgart und Ulm bereits intensiv gebaut. Die Befürchtung ist: Wenn dieser Abschnitt 2021 in Betrieb geht, werden die schnellen Züge ausgerechnet in Bayern - zwischen Ulm und Augsburg - ausgebremst, sofern die Trasse nicht aus- oder neu gebaut wird. Dazu sind vier Varianten im Gespräch.

Kostenschätzung: offen, die Deutsche Bahn nennt keine Zahlen

München-Mühldorf-Freilassing

Idee: Um das bayerische Chemiedreieck besser anzubinden, müsste die in weiten Teilen noch eingleisige Strecke mehrgleisig ausgebaut und elektrifiziert werden.

Stand: Über das Projekt wird seit Jahrzehnten debattiert, dennoch geht es allenfalls in Trippelschritten voran. Zuletzt wurde rund um Mühldorf an der Trasse gewerkelt. Vor allem die Finanzierung stockt.

Kostenschätzung: 1,06 Milliarden Euro

Brennernordzulauf

Idee: Der Nord-Süd-Güterverkehr innerhalb Europas wächst ständig. Um zumindest einen Teil davon auf die Schiene zu verlagern, soll ein Basistunnel zur Verfügung stehen. Damit das auch klappt, müssen die Zulaufstrecken ausgebaut werden.

Stand: Während Österreich und Italien den Tunnel wie auch die Zulaufstrecken vorantreiben, passierte auf deutscher Seite lange gar nichts. Nun wird zumindest geplant. Zugleich aber drängen die Anrainerkommunen, unter anderem im Inntal, auf einen verbesserten Lärmschutz.

Kostenschätzung: gut eine Milliarde Euro

Flughafenanbindung München

Idee: Damit künftig Express-Züge von der Innenstadt zum Airport im Erdinger Moos rollen können, muss die S 8-Trasse zwischen Daglfing und Johanneskirchen viergleisig ausgebaut werden.

Stand: Der Stadtrat begrüßt das Projekt, verlangt aber, dass die Schienenstrecke in einem Tunnel verschwindet, damit die Anwohner geschützt sind. Der Freistaat allerdings weigert sich, die Mehrkosten von gut 670 Millionen Euro zu tragen. Das heißt: Die Stadt müsste den Tunnel allein zahlen.

Kostenschätzung: 200 bis 900 Millionen Euro

Erdinger Ringschluss

Idee: Die Strecke würde die S 2 von Erding bis zum Flughafen verlängern. In Erding soll ein neuer Bahnhof auf dem Areal des bisherigen Fliegerhorsts entstehen. Und eine dreigleisige Abstellanlage bei Schwaigerloh soll zusätzliche Kapazitäten für die geplanten Express-Züge schaffen.

Stand: Relativ weit ist die Planung für den Abschnitt vom Flughafen bis zur Stadtgrenze Erding, dort läuft derzeit das Genehmigungsverfahren. Auf Erdinger Gemarkung indes streiten sich die Stadt und der Freistaat darüber, ob die Trasse oberirdisch oder in einem Tunnel geführt wird.

Kostenschätzung: 370 Millionen Euro

Walpertskirchner Spange

Idee: Um Südostbayern besser an den Airport anzubinden, soll eine eingleisige Querspange von Erding nach Walpertskirchen her, die an die Trasse München-Mühldorf-Freilassing andocken würde.

Stand: Es gibt eine erste Vorplanung, mehr aber auch nicht. Zudem regt sich in den Gemeinden entlang der Trasse Widerstand.

Kostenschätzung: 150 Millionen Euro

A 96 Oberpfaffenhofen-Germering

Idee: Insbesondere nach der Eröffnung der A 99-West ist die Verkehrsbelastung in dem Bereich stetig gewachsen. Ein sechsstreifiger Ausbau soll Abhilfe schaffen.

Stand: Das Projekt ist planfestgestellt, also genehmigt. Die Arbeiter könnten loslegen. Bislang fehlen aber die Finanzmittel.

Kostenschätzung: 100 Millionen Euro

Autobahnring A 99 West und A 99 Nord

Idee: BMW schafft 15 000 Jobs im Münchner Norden, in Freiham entsteht ein neues Wohngebiet für 20 000 Einwohner - um den zusätzlichen Verkehr aufnehmen zu können, soll der Westabschnitt der A 99 von vier auf sechs Spuren, der Nordteil von sechs auf acht Spuren erweitert werden.

Stand: Der achtspurige Ausbau im ersten Teilabschnitt zwischen dem Kreuz München Nord und Aschheim/Ismaning soll Ende 2016 beginnen.

Kostenschätzung: insgesamt 830 Millionen Euro

Bundesstraße B 15 neu

Idee: Die Autobahn-ähnlich ausgebaute Trasse soll auf insgesamt 130 Kilometer Länge von der A 93 bei Saalhaupt über Landshut bis nach Rosenheim führen.

Stand: Ein erster Abschnitt von Saalhaupt bis Essenbach bei Landshut ist bereits in Betrieb; weitere neun Kilometer sind derzeit im Bau. Im Raum Dorfen/Haag und weiter südlich davon gibt es aber große Widerstände in der Bevölkerung.

Kostenschätzung: 400 bis 900 Mio. Euro

Mobilitätsdrehscheibe Augsburg

Idee: Künftig sollen die Nutzer von Trambahnen, Regional- und Fernzügen unter dem Augsburger Hauptbahnhof bequem umsteigen können. Hierfür wird unter den Bahnhof ein Quertunnel getrieben.

Stand: Derzeit wird schon kräftig gebuddelt. Dabei kam es aber zu Verzögerungen, die Inbetriebnahme wurde um drei Jahre auf 2022 verschoben. Deshalb gibt es Probleme mit den Zuschüssen durch den Bund, denn das entsprechende Fördergesetz läuft vor der Fertigstellung ab. Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) hofft auf eine "Anschlussfinanzierung".

Kostenschätzung: Die Stadt geht von 181 Millionen Euro aus, der Bund der Steuerzahler prophezeit 300 Millionen Euro

U- und Trambahn-Projekte in München

Idee: Die Stadt wächst - und um nicht im Stau zu ersticken, soll auch das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs wachsen.

Stand: Es gibt zahlreiche Projekte - unter anderem hat der Stadtrat die Verlängerung der U 5 nach Pasing beschlossen. Umstritten sind die Tram-Westtangente, die Nordtangente durch den Englischen Garten und die neue U 9 durch die Innenstadt.

Kostenschätzung: mehr als eine Milliarde Euro

© SZ vom 26.11.2015 / heff, stma, mvö
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