Zauberer Markus Laymann "Ich bin Wirklichkeitsverkäufer"

Intelligente Leute sind am leichtesten zu täuschen. Diese Erfahrung hat Markus Laymann gemacht. Er ist Rechtsanwalt und Zauberer

Von Stephanie Schwaderer

Markus Laymann liebt das Spiel mit doppeltem Boden. Im realen Leben arbeitet der 42-jährige Jurist als Rechtsanwalt und Geschäftsführer einer Marketingagentur. Auf der Bühne hebelt er die Gesetze von Zeit und Raum aus. Laymann ist Vorsitzender des Magischen Zirkels München. Am Samstag gastiert er in der Tölzer "Lust".

SZ: Kann man nach Harry Potter tatsächlich noch mit einem Kartentrick vors Publikum treten?

Markus Laymann: Unbedingt! Harry Potter ist Fantasy. Zauberkunst ist eine ganz andere Sache. Da geht es um Täuschung im künstlerischen Rahmen. Wir alle werden ja tagtäglich getäuscht - in der Politik, im Marketing, in der Religion. Es ist wohltuend, wenn dies einmal ganz zweckfrei geschieht.

Aufgeklärte Menschen gehen in Ihre Vorstellung, weil sie getäuscht werden wollen?

Sagen wir so: Es ist ein intelligentes Spiel zwischen mir und dem Publikum. Manche Leute wollen sich einfach nur verzaubern lassen und genießen den Effekt. Andere suchen die intellektuelle Herausforderung. Die wollen dahinterkommen, wie es funktioniert. Meine Aufgabe ist es, immer einen Schritt schneller zu sein. Am leichtesten lassen sich intelligente Leute täuschen.

Warum das?

Das hängt mit unseren Grundannahmen zusammen: Je mehr man voraussetzt, dass die Dinge sich so und so verhalten, desto leichter ist man in die Irre zu führen. Wenn ich etwa eine Münze unter eine Dose lege, denkt ein vernünftiger Mensch, dass sie auch dort liegen bleibt. Für Kinder unter zwei Jahren gilt das nicht. Sie gehen nicht von einer Einheit von Ort und Zeit aus, deshalb kann man nicht für sie zaubern. Je mehr Grundannahmen im Spiel sind, desto interessanter wird es, diese zu widerlegen. Kurz gesagt: Je intelligenter das Publikum ist, desto mehr Spaß habe ich.

Als Zauberer spielen Sie mit der Täuschung - schadet das nicht Ihrem Ruf als Rechtsanwalt?

Im Gegenteil, es ist mir von Nutzen. Zauberkünstler und Rechtsanwälte haben eines gemeinsam: Sie sind Wirklichkeitsverkäufer. Tatsächlich gibt es keine objektive Wirklichkeit, jeder Mensch kreiert sich seine eigene, abhängig von seiner Bildung, seinen Erfahrungen und anderen Komponenten. In einem Rechtsstreit ist es meine Aufgabe, eine Version der Wirklichkeit zu präsentieren, die überzeugt. Das Gleiche gilt für die Zauberei. In meinem Programm führe ich dem Publikum unter anderem auch vor Augen, wie subjektiv Zeugenaussagen vor Gericht sein können. Dazu gibt es ein kollektives Experiment, das einen nachdenklich werden lässt.

Sie mischen juristisches Fachwissen ins magische Programm?

An manchen Stellen ja. Die Zauberei ist für mich nicht nur zweckfreies Spiel. Ich bewege mich in zwei, drei Erfahrungswelten und versuche als Zauberer, an die Realität anzuknüpfen. Dazu eignen sich zum Beispiel erstaunliche Gerichtsfälle, die durch die Medien gegangen sind.

Ihr ältester Zaubertrick, das Becherspiel, ist 4000 Jahre alt. Erfinden Sie und Ihre Kollegen auch neue Kunststücke?

Hin und wieder. Die meisten neuen Tricks basieren aber auf alten Prinzipien. Was sich permanent ändert, ist die Art der Präsentation. Als Handwerk hat die Zauberkunst Jahrtausende überdauert. Sie ist zeitlos und wird es bleiben.

Auch im Zeitalter des Internets? Das Schweigegelübde Ihrer Zunft hat viele Löcher bekommen.

Die Erklärbären im Internet gehören nicht zu unserem Kreis. Sie wissen, wie ein Trick funktioniert, können ihn aber nicht vorführen, deshalb suchen sie sich ihr Forum und ihre Bestätigung im Netz. Dies schadet uns nur bedingt. Ein wirklicher Zauberer liebt es, sein Publikum zu täuschen, und das Publikum schätzt es nicht, ent-täuscht zu werden. Zudem sind die Mitglieder Magischer Zirkel nach wie vor dem Schweigegebot unterworfen. Wer öffentlich Geheimnisse verrät, wird ausgeschlossen.

Wenn Sie zaubern könnten: Welchen Wunsch würden Sie sich erfüllen?

Ein volles Haus in Bad Tölz! Auf Kleinkunstbühnen trete ich ganz besonders gern auf.

Samstag, 11. Mai, 20 Uhr, Alte Madlschule, Bad Tölz, Karten im Vorverkauf bei Schreibwaren Zauner (08041/7 81 40) und an der Abendkasse