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"Young Music Night":Nichts mitzureden

Der Jugendrat ist einer großen Chance beraubt worden.

Der Jugendrat ist mit der "Young Music Night" seiner Chance beraubt worden, in diesem Jahr ein echtes eigenes Großprojekt auf die Beine zu stellen. Im Januar hatte er die Jugendnacht des Kulturherbsts - eine Idee des Veranstalters - zu seinem zentralen Projekt 2016 ernannt, doch wie sich jetzt herausstellt, hat er da kaum ein Wort mitzureden. Er durfte weder direkt entscheiden, welche Bands auftreten, noch zählt seine Meinung beim Eintrittspreis. Letztlich hat der Jugendrat nur eines zu seinem vermeintlichen Großprojekt beigetragen: ein Online-Voting - das auch völlig unsinnig war.

Das Voting sollte zeigen, welche Bands die Jugend an ihrem Kulturherbst-Abend gern auf der Bühne gesehen hätte. Gewonnen hat das Schlager-Duo Kevin und Manuel; spielen werden stattdessen nach einer Entscheidung des Veranstalters Scorefor, Manera und KRMA. Scorefor hatte beim Online-Voting zwar den zweiten Platz belegt. Doch Manera und KRMA rangierten irgendwo ganz unten auf der Favoriten-Liste. Nun muss man natürlich sagen: Die Wahrscheinlichkeit, dass das bekannte Schlager-Duo am Ende auf der Bühne gestanden hätte, war von Anfang an so gering, dass man auch Udo Lindenberg hätte vorschlagen können. Das zeigt, was das Online-Voting letztlich war: nicht ganz ernst gemeint.

Hätten Stadt und Veranstalter das Voting ernst genommen, hätten sie den Jugendrat instruieren können. So hätte es gar nicht möglich sein dürfen, etwa Kevin und Manuel vorzuschlagen. Die Idee, die Jugend an der Gestaltung ihres eigenen Abends zu beteiligen, war nett, die Umsetzung allenfalls halbherzig. Schon im Januar hätte man dem Jugendrat sagen müssen, dass er tatsächlich nichts zu entscheiden haben würde. Das Voting hätte zum Spaß locker und ohne Zeitaufwand nebenher laufen können, während sich der Jugendrat einem anderen Großprojekt hätte widmen können. Einem, das auch nach seinen Vorstellungen umgesetzt worden wäre.