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Wolfratshausen:Stadt beteiligt sich an Badehaus-Projekt

Wolfratshausen zahlt 500 000 Euro für die geplante Dokumentationsstätte in Waldram. Das Votum im Stadtrat fällt einstimmig aus. Historikerin Sybille Krafft spricht von einem "Meilenstein".

Im historische Badehaus will der Verein "Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald" eine Dokumentations- und Begegnungsstätte errichten. Noch fehlt die dazu notwendige Änderung des Bebauungsplans.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Das Wolfratshauser Badehaus-Projekt hat seine erste große Hürde genommen: Der Stadtrat hat am Dienstagabend nach kurzer Debatte einstimmig einen Investitionskostenzuschuss in Höhe von 500 000 Euro genehmigt und damit den Weg frei gemacht für die kommenden Schritte, die ohne diese finanzielle Zusage nicht möglich wären.

Jetzt kann die notwendige Änderung des Bebauungsplans erfolgen, die wiederum Voraussetzung dafür ist, dass das Erzbischöfliche Ordinariat das Gebäude dem Verein "Bürger fürs Badehaus" übereignet. Auch weitere Gelder, etwa aus dem Leader-Programm der EU, sind an diese finanzielle Absicherung gebunden. Eingeplant wird der städtische Zuschuss im Haushaltsjahr 2015.

Für den Badehausverein bleibt nun die gewaltige Aufgabe, weitere 700 000 Euro aufzutreiben, um den Umbau des Hauses in ein Dokumentationszentrum zu ermöglichen. Sybille Krafft, gemeinsam mit Wolfgang Saal Vorsitzende des Vereins, bewertete die Stadtratsentscheidung im Anschluss an die Sitzung denn auch als "Meilenstein auf dem Weg zur Realisierung unseres Erinnerungsprojektes". Der Verein freue sich, "dass sich die Stadt zu dem überregional wichtigen Projekt bekennt, wir fühlen uns dadurch natürlich wertgeschätzt".

Besonders froh ist Krafft, dass dabei auch "der überregionale Aspekt hervorgehoben wurde". Auf den Verein komme nun freilich auch viel Arbeit zu. Denn die Förderbedingungen insbesondere der EU seien hochgradig kompliziert.

Das Bekenntnis der Stadträte ist allerdings an eine Liste von zehn strengen Bedingungen geknüpft, die in einem Punkt noch einmal verschärft wurden. Die bisherige Klausel, wonach ein "anerkannter Fachmann" die vorliegenden Kostenaufstellungen überarbeiten soll und die einzelnen Positionen detailliert aufschlüsselt, wurde auf Antrag von Günther Eibl (CSU) modifiziert: Der erwähnte Fachmann muss jetzt ein "vereidigter Sachverständiger" sein. Eibl berief sich bei seinem Antrag auf nicht näher erläuterte "leidvolle Erfahrungen".

Weiterhin erklärt die Stadt, dass die im Finanzierungsplan aufgeführten Eigenleistungen des Vereins genau definiert sein müssen, dass der Zuschuss anteilig zurückerstattet werden muss, falls das Projekt innerhalb der kommenden 25 Jahre aufgegeben wird, und dass sich die Stadt weder an den laufenden Unterhaltskosten beteiligt noch mögliche Defizite bei der Bewirtschaftung ausgleicht. Man gehe mit den Geldern der Bürger eben vorsichtig um, rechtfertigte Peter Plößl (CSU) den Zehn-Punkte-Katalog, man vertraue aber den Aktiven des Badehaus-Vereins, "dass die das gut über die Bühne kriegen". Für die Stadt sei es wichtig, auf ihr historisches Erbe zu achten. "Denn Mahnen heißt Erinnern und Vorbeugen." Christine Noisser (SPD) war erklärtermaßen "hin und weg", dass der Stadtrat diese Entscheidung getroffen habe. Das sei "Balsam" für ihre Seele. Die Einschaltung eines vereidigten Sachverständigen wäre aus Sicht der gesamten SPD-Fraktion nicht notwendig gewesen, der koste nur viel Geld.

Renato Wittstadt (SPD) verwies auf den "Riesenvorteil", den die Stadt ja auch selbst habe. Denn einerseits verfüge sie mit dem Dokumentationszentrum über ein "Leuchtturmprojekt, das wir nach Wolfratshausen kriegen und das mindestens das Doppelte wert ist", zum anderen stehe dem ja auch noch der materielle Wert des Gebäudes selbst gegenüber. Annette Heinloth von den Grünen plädierte dafür, sich nicht allzu sehr in die Angelegenheiten des Vereins einzumischen. Natürlich dürfe der Stadtrat nicht ein unsicheres Projekt fördern, sie habe aber Vertrauen, "dass die das richtig machen".

Josef Praller (BVW) bewertete das strenge Regelwerk als Zeichen für den Verein, dass er die bestehenden großen Finanzierungslücken decken müsse. Das Vorhaben selbst aber werde "über die Grenzen Wolfratshausens wirken".