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Wolfratshausen:Konkurrenz zum Wettbewerb

Die betroffenen Geschäftsleute erheben Einwände gegen die prämierten Pläne zu Umgestaltung des Wolfratshauser Loisachufers. Sie verlangen zuallererst ein neues Parkdeck am Hatzplatz

In den düstersten Farben malt der Inhaber des Cafés im Wolfratshauser Ratshaushof, Stefan Högl, die Folgen aus für den Fall, dass die Loisachufer-Planung so umgesetzt wird, wie dies im preisgekrönten Entwurf des Planer-Gespanns Adldinger/Spandri Wiedemann vorgesehen ist. In diesem Fall würden nahezu alle Stellflächen im Uferbereich wegfallen - Parkplätze, um die Högl gemeinsam mit dem Inhaber des benachbarten "Obststadels", Robert Heckel, im Interesse ihrer Kunden und des eigenen Umsatzes engagiert gestritten haben. Mehr als 200 Unterschriften haben beide im vergangenen Jahr gesammelt.

"Das ist der letzte Sargnagel für den Handel in der Innenstadt", unkt der Konditormeister Högl, um sich gleich noch zu steigern: "Damit wird der Sargdeckel jetzt zugemacht." Überhaupt solche Überlegungen anzustellen, hält der Geschäftsinhaber gar für "sittenwidrig", denn ganz offenkundig werde "damit geliebäugelt", unmittelbar gegenüber im Uferbereich ein weiteres Café anzusiedeln und ihm damit eine verderbliche Konkurrenz zu bereiten. "Das ist das vorläufige Ende der Konditorei, denn ich bin hier Mieter und darauf angewiesen, dass es hier genügend Parkplätze gibt", sagt Högl. Und wenn man ihn loswerden wolle, dann müsse man das eben rechtzeitig sagen. Eins steht für ihn zumindest fest: "Die da oben haben keine Ahnung, wie Handel funktioniert."

Etwas moderater äußert sich Heckel, der darauf verweist, dass trotz der Prämierung des Adldinger-Entwurfs ja noch gar nichts entschieden sei. Aber dass man hier als Geschäftsmann eine Lobby hat, das glaube auch er nicht. "Ein Geschäft ohne Parkplätze, das funktioniert doch nicht-" An diesem Problem sei letztlich auch das Isarkaufhaus gescheitert. Der streitbare Obsthändler sieht das Problem freilich nicht auf Wolfratshausen allein beschränkt, da seien "auch prominentere Städte schon untergegangen", zum Beispiel Freising.

Für Heckel ist es so: Eine Grünzone lasse sich politisch gut verkaufen, während es der politischen Karriere eines Entscheidungsträgers eher abträglich sei, wenn er mehr Parkplätze in der Innenstadt fordere. "Unterm Strich", sagt Heckel, "will ich es nicht bewerten". Vorstellbar ist aus seiner Sicht allenfalls der Bau eines Parkdecks am Hatzplatz - das müsse aber unbedingt fertig sein, bevor man das Ufer umplane. Summa summarum: Eine Patentlösung habe auch er nicht.

Ähnlich verunsichert fühlt sich auch Ines Boodevaar, die Inhaberin des gleichnamigen Mode-Kaufhauses, das von einer Umgestaltung ebenso betroffen wäre. "Da wohnen zwei Seelen in meiner Brust", bekennt sie. Am Rücklauf der Parkscheine könne sie zweifelsfrei feststellen, dass das Loisachufer "der teuerste, aber auch der beste Parkplatz" im gesamten Zentrum sei. Und deshalb hält Boodevaar ihn auch für "sehr, sehr wichtig", denn er stelle für viele, besonders ältere Besucher auch "ein Stück Lebensqualität" dar.

Andererseits müsse es natürlich das Ziel sein, "die Leute durch die Schönheit der Stadt hier zu halten". Die einzige Lösung des Problems ist aus ihrer Sicht ebenfalls der Hatzplatz: "Wenn die Stellflächen am Loisachufer eliminiert werden, dann muss dort Ersatz geschaffen werden. Und zwar vorher." Das sei "immens wichtig", denn die Gewohnheiten der Kunden dürfe man keinesfalls unterschätzen.

In die selbe Richtung argumentiert Peter Ley, der Vorsitzende des Wolfratshauser Werbekreises: Vorher Parkdeck, dann Loisachufer-Umbau. Ley verschließt zumindest nicht die Augen vor der Tatsache, dass der nur einen Steinwurf entfernte und bequem über den Sebastianisteg zu erreichende Loisachhallen-Parkplatz meistens halb leer steht. Aber er setzt darauf, dass im ehemaligen Isarkaufhaus in absehbarer Zeit wieder ein attraktives Einkaufszentrum entsteht - ein Bekleidungshaus oder einen Elektromarkt könnte er sich gut vorstellen. Und dann werde der Platz vor der Loisachhalle wieder knapp. Das Parkdeck muss nach seinem Dafürhalten kommen, auch wenn man damit keinen Preis für urbanes Bauen bekommt. Vorstellen könnte Ley sich eine Lösung wie am Kreiskrankenhaus, allerdings müsse der Bau "offener und schöner" sein.