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Thema der Stadt- und Gemeinderäte auch in der Sommerpause:Die Asyl-Planungen laufen

Notfallplan Asyl, Flüchtlinge Asylbewerber

Bis zum nächsten Jahr könnte sich die Zahl der Flüchtlinge im Landkreis auf 2000 verdoppeln. Viele Städte und Gemeinden planen neue Unterkünfte

(Foto: M. Neubauer)

Die Vorbereitungen laufen so gut, dass die Grünen gar von einer "glücklichen" Entwicklung sprechen

Die Unterbringung von Flüchtlingen beschäftigt den Landkreis auch über die Sommerpause: Viele Stadt- und Gemeinderäte haben Sondersitzungen anberaumt oder die Tagesordnungen erweitert, um über das Thema Asyl-Quote zu beraten. Die Grünen sprechen von einer "glücklichen" Entwicklung. "Die Phase des Lamentierens wird endlich abgelöst durch eine Phase der vorausschauenden politischen Planung", sagt die Grünen-Sprecherin und Kreisrätin Barbara Schwendner. Neue Standorte müssen überall entstehen: Vergangene Woche waren 865 Asylbewerber im Landkreis untergebracht, bis Ende des Jahres könnten es nach einer Prognose des Landratsamtes 1325 sein, bis Herbst 2016 rund 2000. Ein Überblick über die Planungen:

Bad Tölz

Ein echtes Haus statt Container: Die geplante Unterkunft neben der Montessori-Schule wird zum Vorzeigeprojekt. Ab Frühling 2016 soll das Gebäude mit Satteldach und etwa 30 Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen entstehen. Die Apartments haben eine Wohnküche, ein Bad und eine Diele, dazu jeweils zwei Zimmer, die für zwei Personen rund 13, für drei Bewohner etwa 22 Quadratmeter groß sind. Draußen gibt es einen kleinen Spielplatz und ein Fahrradhaus. Die Kosten liegen bei 3,8 Millionen Euro, die Regierung von Oberbayern rechnet mit einer Nutzungsdauer von zehn Jahren. Danach will die Stadt das Haus für Alleinstehenden und Senioren umbauen, die sich große Wohnungen nicht leisten können. Die Wohnungen sollen dann über 50 Quadratmeter verfügen. Aufzug und Balkone würden nachträglich eingebaut. Die Stadt möchte mit dem Neubau auch erreichen, dass das Hotel Jodquellenhof im Kurviertel als Flüchtlingsunterkunft wegfällt. Das will das Landratsamt aber nicht garantieren.

Kochel am See

Die Asyl-Quote schreckt den Kochler Bürgermeister Thomas Holz (CSU) nicht, schließlich beherbergt die Gemeinde mit 61 Flüchtlingen jetzt schon mehr Menschen, als bis Jahresende prognostiziert wurden. "Wir werden voraussichtlich im August schon 80 haben", sagt Holz. Was ihm Kopfzerbrechen bereitet, ist die rasante Entwicklung. 30 bis 35 Ehrenamtliche kümmerten sich in Kochel "über die Maße engagiert" um die Asylsuchenden. Steige die Anzahl der zu Betreuenden derart weiter, werde es "sehr sehr schwierig für die Ehrenamtlichen, das zu stemmen", ist sich Holz sicher. Er fordert viel mehr Fachkräfte vom Landkreis, die sowohl die Flüchtlinge wie auch die Helfer unterstützen. Derzeit seien elf Wohnungen in der Gemeinde von Asylbewerbern belegt. Der Druck auf den Wohnungsmarkt steige.

Geretsried

Falls sich die Anzahl der Flüchtlinge tatsächlich verdoppelt, werde sich zeigen, "wie belastbar unsere Integrationskultur tatsächlich ist", sagt der Geretsrieder Bürgermeister Michael Müller (CSU). Die negative Haltung sei nämlich nicht allein einigen Querköpfen eigen: "Das geht ganz tief in die Bevölkerung hinein." Die Stadt stehe kurz vor einer Turnhallenbelegung, die Lage sei dramatisch - und ohne Quote würde sie "sogar noch dramatischer werden". Er kritisierte den Freistaat dafür, die Kommunen mit der Belastung allein zu lassen. Erleichterung erhofft sich Müller von einer hauptamtlichen Ehrenamtskoordination in Vollzeit. Es liefen bereits Gespräche mit dem Trägerverein Jugendarbeit.

Wolfratshausen

Auch bei den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen spitzt sich die Lage zu: Eine Unterkunft sollte in einem Teil der ehemaligen Landwirtschaftsschule entstehen - doch der Umbau verzögert sich offenbar, worüber sich der Wolfratshauser Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) nur wundern kann. Die Stadt habe dem Landkreis dessen Anteil des Gebäudekomplexes und im Kaufvertrag vereinbart, dass der Landkreis die Flächen für junge Flüchtlinge zurück miete und umbaue. Bis jetzt sei nichts geschehen. Ursprünglich sollten die ersten Schutzsuchenden im ersten Quartal des Jahres einziehen.

Dietramszell

Um eine Container-Unterkunft werde Dietramszell vermutlich nicht herumkommen, schätzt der Zweite Bürgermeister Michael Häsch. Zwar seien bestehende Immobilien als Unterkunft im Gespräch, doch keine sei groß genug für die 58 Flüchtlinge, die Dietramszell laut Quote bald aufnehmen muss. Derzeit leben nur sechs Flüchtlinge in der Gemeinde. Die größte Belastungsprobe werde der kleine Helferkreis bestehen müssen. Man werde jemanden brauchen, der die Ehrenamtlichen koordiniert. Zunächst muss der Gemeinderat der Quote jedoch noch zustimmen: Das Thema steht am 22. September wieder auf der Tagesordnung.