Schlehdorf Aus Fehlern gelernt

Das Ordinariat zeigt sich gesprächsbereit. Noch besser wäre es gewesen, hätte es das schon vor anderthalb Jahren getan. Denn das Misstrauen der Eltern sitzt tief.

Kommentar von Suse Bucher-Pinell

Hätte sich das Ordinariat im Sommer 2013, als es mit dem Beschluss zur Schließung der Schlehdorfer Mädchenrealschule in die Endphase der Prüfungen platzte, so gesprächsbereit gezeigt und zugehört wie jetzt bei der Vorbereitung der Umfrage zur Öffnung der Schule für Buben, der hinterlassene Scherbenhaufen wäre nicht halb so groß geworden. Verbitterung und Enttäuschung über den Umgang des Ordinariats mit Eltern, Anhängern der Schule und auch Politikern hätten erst gar nicht aufkommen müssen. Misstrauen und Skepsis vieler kirchennaher Eltern gegenüber den Kirchenvertretern wären heute nicht in dem Maße vorhanden, wie jetzt beim Infoabend an St. Immaculata wieder offenbar wurde.

Immerhin: Das Ordinariat hat aus seinen Fehlern gelernt. Besser spät als nie. Ein Informationsabend für alle, rechtzeitig angekündigt und mit Fachleuten besetzt, die bereit sind auch Antworten auf drängende Fragen zu geben, ist ein riesen Fortschritt. Und selbst wenn jemandem erst hinterher zu Hause Unklarheiten auftauchen, er kann sich immer noch über die Internetseite www.info-realschule-schlehdorf.de ans Ordinariat wenden. Das hat versprochen, sich zu melden. Diese Bereitschaft zur Kommunikation hätte es vor anderthalb Jahren schon geben sollen. Eltern würden heute nicht so beharrlich von verloren gegangenem Vertrauen sprechen.

Die Argumente pro Öffnung der Mädchenschule für Buben liegen auf der Hand. Es kann ihren Erhalt sichern, und doch verliert die Schule dadurch nicht das Besondere, was sie von vielen anderen unterscheidet: Werte-Erziehung und praktiziertes religiöses Leben bleiben erhalten. Es wäre schade, wenn als Folge des verkorksten Verhaltens im vergangenen Jahr darunter die Bereitschaft leidet, Neues zuzulassen, damit es eine Zukunft für die Schule gibt.