"Party Faustastic"  "Intuition ist meine Stärke"

Rupen K. Gehrke überrascht gerne sich und andere. Wenn er keine Partys organisiert, streift er am liebsten durch die Natur und hört der Stille zu.

(Foto: Manfred Neubauer)

Der Penzberger DJ und Veranstalter mag weder Playlists noch starre Konzepte. Aber getanzt wird bei ihm wie der Teufel.

Stephanie Schwaderer

Wenn er am DJ-Pult steht, ist die Tanzfläche voll: Rupen K. Gehrke hat sich unter anderem mit dem "Jalla Club", einer legendären Partyreihe im Münchner Völkerkundemuseum, einen Namen gemacht. Seit Anfang 2017 öffnet der Penzberger DJ und Veranstalter monatlich den "Rupidoo Global Music Club" im Muffatwerk. Am Freitag, 23. Februar, stimmt er seine Gäste auf das Faust-Festival in München ein. Die Auftaktveranstaltung im Gasteig steht unter dem Motto "Party Faustastic".

SZ: Welchen Beat hat Faust?

Rupen K. Gehrke: Das habe ich mich auch gefragt. Und bis heute keine Antwort gefunden. Aber der Hexentanz am Blocksberg ist so etwas wie die Mutter aller Partys. Deshalb ist es für mich stimmig, zum Auftakt des Festivals ein Fest zu organisieren: Eine ausgelassene Party - mehr inhaltliche Bezüge brauche ich in diesem Fall gar nicht.

Wie bereiten Sie sich auf den Abend vor?

Gar nicht. Ich suche ein paar Basedrums heraus, die gut im Gasteig klingen, und den Rest mache ich intuitiv. Ich habe einen großen Erfahrungsschatz. Und wenn ich eines gelernt habe in all den Jahren, dann, dass es sich nicht lohnt, sich vorher Sorgen zu machen. Intuition ist meine Stärke. Ich will mich überraschen, das ist mir wichtig.

Das erste Stück des Abends?

Keine Ahnung. Bei der letzten Party im Buchheim-Museum habe ich meine Musikerkollegen rausgeschickt und gesagt: Fangt schon mal an. Dann musste ich mir wirklich schnell etwas einfallen lassen, ich hatte überhaupt nichts vorbereitet. Die Herausforderung in einem solchen Moment besteht darin, mit den Musikern in einen lebendigen Dialog zu treten. Ich nutze zwar Musik aus der Konserve, aber ich bearbeite sie live. Meine Frau hat hinterher gesagt: Toll, was ihr euch diesmal für ein Intro ausgedacht habt! Das hat mich gefreut.

Wie sieht das konkret aus, wenn Sie sich schnell etwas einfallen lassen?

Ich habe mein Laptop dabei mit einem DJ-Programm und einen Controller. Der ähnelt einem CD-Spieler - nur ohne Schlitz. Mit ihm kann ich in einem Stück hin- und herspringen, Tonarten verändern, Loops anlegen, lauter solche Dinge. Auf meinem Laptop befinden sich 30 000 Files mit Musikstücken aus aller Welt. Ich bin ein Sammler. Und ich bin international gut vernetzt. Das klingt vielleicht merkwürdig: Aber ich kümmere mich nicht viel um Musik, sie kommt von sich aus zu mir.

Es gibt DJs, die stur ihren Stiefel weitermachen, auch wenn die Tanzfläche längst leer gefegt ist. Wie halten Sie das?

Ich habe das Glück, dass die Tanzfläche bei mir nie leer ist. Aber ich kenne die Klubs, in denen die ganze Nacht nur Techno läuft, Stunde um Stunde das selbe Tempo - wie langweilig! Ich mag Abwechslung, spiele vielleicht ein Stück vom Balkan, dann eines aus Südamerika und dann etwas Bayerisches. Manche DJs sagen, ein Set habe so und so auszusehen, dass zum Beispiel immer fünf Lieder von einem Kontinent nacheinander gespielt werden müssen, so als wäre das eine Art Musikunterricht. Aber wozu sollte ich mir solche Regeln auferlegen? Ich will eine lebendige Party machen und die Leute auf der Tanzfläche mitnehmen. Und da wird getanzt wie der Teufel - womit wir wieder beim Thema wären.

Ihr Publikum ist meistens so breit gefächert wie die Musik, die Sie auflegen. Was verbindet Ihre Gäste?

Die Liebe zum Tanzen und zur Kommunikation. Die Jüngsten sind um die 18, unser ältester Stammgast ist 74. Außerdem kommen immer Leute aus den verschiedensten Kulturen und Nationen, eine bunte Mischung. Auf den Partys hat man den Eindruck, alle würden sich kennen. Für mich ist das normal. Aber viele, die zum ersten Mal dabei sind, gucken groß und sagen, so etwas hätten sie noch nie gesehen. Was ich mache, hat nichts mit der üblichen Clubszene zu tun. Man könnte sagen: Es ist uncool. Ich sage: Es ist einfach heiß.

Sie haben Partys zu Ihrem Beruf gemacht. Was machen Sie in Ihrer Freizeit, wenn andere Party machen?

Am liebsten nichts. Ich gehe Joggen oder einfach so raus in die Natur. Ich muss dazu nur vor die Haustür treten.

Um Stille zu hören?

Ja, das brauche ich. In der Stadt könnte ich nicht mehr leben. In der Natur finde ich mich. Ich bin ja ein Teil der Natur. Das klingt jetzt sehr nach esoterischem Quatsch. Ist aber so.