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Online in Corona-Zeiten:"Wir fahren in Zukunft zweigleisig"

"Unsere Erwartungen sind weit übertroffen worden": Veranstalterin Assunta Tammelleo.

(Foto: Hartmut Pöstges)

"Hinterhalt"-Wirtin Assunta Tammelleo will das Streaming-Angebot auch künftig beibehalten

Interview von Barbara Szymanski

Die Geltinger Kleinkunstbühne "Hinterhalt" hat trotz Pandemie keine kulturelle Pause eingelegt. Kontinuierlich gibt es Auftritte, die via Live-Stream auf der Internetplattform Youtube und auf der Homepage der Bühne zu sehen sind. Die Idee stammte von den technischen Mitarbeitern. Assunta Tammelleo, die quirlige Bühnen-Wirtin, fackelte nicht lange.

SZ: Frau Tammelleo, schaut sich überhaupt jemand auf Youtube die Auftritte im Hinterhalt an?

Assunta Tammelleo: Aber sicher, live immer so 100 bis 150, dann tröpfelt es so dahin. Insgesamt haben wir bislang rund 15 000 Zuschauer erreicht.

Ist es schwierig, spannende Künstler für das Projekt zu gewinnen?

Im Gegenteil, zwar leben wir auch von unseren jahrelangen und guten Kontakten, aber der Radius wird ständig größer. Die Künstler kommen zuhauf auf uns zu. Wir als Provinzbühne waren noch nie so bekannt und berühmt wie gerade jetzt.

Lohnt sich das für die Künstler?

Da sind viele Idealisten darunter, die auch für eine kleine Gage auftreten. Wir verwöhnen sie nach Strich und Faden, und sie bekommen eine MP4-Datei in die Hand. Damit haben sie einen aussagefähigen, vor allem professionell gemachten Mitschnitt für Bewerbungen. So was ist sonst ziemlich teuer.

Sprudeln die Spenden?

Unsere Erwartungen sind weit übertroffen worden und geben Zeugnis von der Solidarität mit den Künstlern und Technikern. Wir hatten schon Feedback und Spenden aus Neuseeland, Mallorca, Österreich, Schweiz, England und Kapstadt und natürlich von unserem Zuschauerstamm und vielen jungen Leuten. Gespendet wird an den Kulturverein KIL. Der Hinterhalt erhält keinen Euro.

Künstler und Techniker teilen sich die Spendengelder. Wer zahlt die laufenden Kosten für den Hinterhalt?

Na, ich aus meiner Privatschatulle. Knapp über 1000 Euro sind das jeden Monat für Kühlung, Strom, Verträge, Versicherungen. Allerdings wird Geld für nicht verbrauchten Strom zurücküberwiesen. Das wird mich entlasten. Durch die jüngsten Lockerungen beim Mundschutz hat sich die Situation nicht wesentlich geändert. Der Abstand muss ja gewahrt werden. Höchstens 30 Gäste passen dann rein. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein.

In den Hinterhalt-Rundbriefen ist von einer bedrohlichen Situation die Rede.

Ich bin gemäßigt optimistisch, dass wir durchhalten können bis September und sich dann für alle Kulturschaffenden sozusagen Normalität einstellt.

Freuen Sie sich auf weitere Lockerungen und ein volles Haus?

Ganz gewiss, ja. Alle wiederzusehen, mit ihnen zu feiern. Aber das Streamen werden wir beibehalten.

Wieso das denn?

Das ist doch eine sinnvolle Geschichte. Die einen erleben es analog und gegen Eintritt. Andere, die sich das nicht leisten oder aus verschiedenen Gründen nicht kommen können, schauen ein Konzert zu Hause an und spenden einen Obolus. Ich finde, das trägt zur Solidarität der Gesellschaft bei. Wir fahren also in Zukunft zweigleisig.

Freuen Sie sich nach dem Stress auf die wohlverdiente Sommerpause?

Pause? Wir bieten den ganzen Sommer lang Auftritte, vielleicht auch Klassik, Tanz, Jazz. Wir sind alles andere als gelähmt. Als Kulturbühne und Kulturverein sind wir allesamt Idealisten. Wir werden überleben.

© SZ vom 07.07.2020
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