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Mitten in Icking:Eine Oper auf dem Egartsteig

So mancher Versprecher kann schnell zum "Bonmot des Tages" werden. Der Ickinger Gemeinderat beweist dies gleich mit einer ganzen Reihe von Beispielen

Von Claudia Koestler

Wer sagt denn, dass Lokalpolitik, insbesondere lange Gemeinderatssitzungen, keine erfrischenden Angelegenheiten sein können? Augen auf bei der Gemeinderatswahl, kann man da nur angehenden Journalisten und erprobten Besuchern zuflüstern. Denn in Icking zum Beispiel blühen nicht nur die Wiesen und die Ideen, was man darauf machen kann. Manchmal blühen dort auch die Stilblüten.

Zum Beispiel am Montag: Da wurde am Ende der Gemeinderatssitzung nämlich das "Bonmot des Tages" von Gemeinderäten und Zuschauern diskutiert und gekürt, während sie den öffentlichen Teil der Veranstaltung verließen und das gerade Gehörte noch einmal auf der Treppe des Rathauses rekapitulierten. Klarer Favorit dabei von Lisa Häberlein: Der Kommentar von Bürgermeisterin Margit Menrad, als nach der Diskussion über die geplante, rund 47 000 Euro teure Neuanschaffung eines Holzbauwagens für den Waldkindergarten noch die Frage im Rat aufkam, ob mit dem edlen Mobilhaus auch gleich die Toilettenfrage geklärt wäre: "Im Wald gibt es keine Toilettenfrage", hatte Menrad darauf trocken entgegnet. Als bei den einen langsam der Groschen fiel, was dieser Konter bedeutet, hatten sich andere bereits hektisch neue Spazierwege markiert.

Doch der Satz hatte durchaus Konkurrenz als Bonmot des Tages, auch wenn die Konkurrenz eher ein Freud'scher Versprecher war: Georg Linsinger hatte zum Thema letzte innerörtliche Freifläche dafür plädiert, dass sich eine Bürgerwerkstatt Gedanken machen solle über die Möglichkeiten, die auf der Wiese umsetzbar wären. Zum Beispiel gäbe es ja auch "die Idee einer Oper für Icking".

Stille. Eine Oper? Für Icking? Aber da war der Phantasie bereits freier Lauf gelassen. Dass für ein solch exzentrisches, aber hehres Ziel, scheinbar Unmögliches möglich gemacht wird, dafür gibt es schließlich durchaus schon Beispiele. Man stelle es sich vor: Linsinger als Fitzcarraldo, mit dem Floss auf der Isar durch die dschungelartigen Auen rudernd, beseelt vom Gedanken, fernab auf dem Egartsteig ein Opernhaus zu errichten. Doch um dorthin zu gelangen, muss er sich von Ureinwohnern Ickings per Muskelkraft über den Talberg schleppen lassen.

Bevor dieser Fiebertraum jedoch zu Ende geträumt war, hatte ihn Menrad auch schon korrigiert: "Konzertsaal, nicht Oper." Nun ja. Es bleibt ja noch die nächste Sitzung zum Träumen. Oder um Bonmots zu sammeln. Wie Häberlein am Ende des Treppenabsatzes so schön sagte: "Mehr demnächst in diesem Theater."

© SZ vom 21.05.2015
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