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Klöster:Zwischen Tradition und Neubeginn

Franziskannerinnenkloster Reutberg, 2018

Im Kloster Reutberg leben nur noch zwei Franziskanerinnen. Die Erzdiözese will es deshalb schließen.

(Foto: Manfred Neubauer)

Viele Klöster im Landkreis werden noch von Ordensleuten bewohnt. Doch die Frage der Nachfolgenutzung ist allgegenwärtig

Von Benjamin EMonts, Bad Tölz-Wolfratshausen

Das Klostersterben macht auch vor dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen nicht Halt. Gerade erst wieder in den Schlagzeilen: das Kloster Reutberg. Die Erzdiözese München-Freising will das Kloster schließen, weil dort nur noch zwei Franziskanerinnen leben. Die Sachsenkamer Gruppe mit Vertretern des Pfarrgemeinderats, des Fördervereins "Freunde des Klosters Reutberg" und Lokalpolitikern will das verhindern und hat mehr als 7000 Unterschriften gesammelt. Das Ordinariat aber hält an seinem Vorhaben fest: Es will das Kloster in ein Seelsorgezentrum verwandeln.

Nicht ganz gewiss ist auch die Zukunft des Klosters Schlehdorf. Die 30 Missions-Dominikanerinnen, die dort leben, haben sich zwei Wohnhäuser neben dem historischen Kloster als neues Domizil errichtet, das sie im Falle der Auflösung des Ordens verkaufen können. Ihr großer Schwesterntrakt soll bereits jetzt an eine Münchner Wohnungsbaugenossenschaft veräußert werden und ein Ort der Begegnung bleiben. Die Pfarrkirche St. Tertulin gehört dem Freistaat Bayern und wird gerade aufwendig restauriert. Die Realschule der Diözese München und Freising im Kloster wird ihren Betrieb fortführen.

Als ältestes Kloster Oberbayerns gilt Benediktbeuern, das zum Bistum Augsburg zählt. Dort leben derzeit noch 37 Salesianer Don Boscos aus sieben Nationen. In dem Kloster sind zahlreiche Tagungsräume und Einrichtungen untergebracht: etwa das Institut für Salesianische Spiritualität, das Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) oder die Katholische Stiftungshochschule München. Die Don Bosco Schwestern leiten eine Kindertagesstätte und eine Jugendherberge.

Auch das Kloster der Heimsuchung Mariae in Dietramszell ist noch bewohnt, von Salesianerinnen. Eine Mädchenrealschule wurde im Jahr 1992 von den Schwestern geschlossen. Stattdessen haben sie eine Montessori-Schule bei sich aufgenommen, die Anfang der Neunzigerjahre Geretsried verlassen musste.

Im Kloster Schäftlarn im Landkreis München leben bis heute Benediktiner. Das Kloster ist nach eigenen Angaben der größte Arbeitgeber der Gemeinde mit knapp 100 Angestellten. Die Schnapsbrennerei, die Forste des Klosters und die Imkerei werden von der Abtei selbst betrieben. Außerdem gehören ein Gymnasium und ein Internat zu dem Kloster.

Auf eine fast 900 Jahre lange Geschichte blickt das Kloster Beuerberg zurück. Die letzten Salesianerinnen sind allerdings im Jahr 2014 aus dem ehemaligen Augustiner-Chorherren-Kloster ausgezogen. Sie betrieben eine Schule, ein Müttergenesungs- sowie ein Seniorenheim. Die Erzdiözese München und Freising hat das Kloster übernommen und die lebenslange Versorgung der Schwestern sichergestellt. Das Diözesanmuseum Freising zeigt hier regelmäßig sehr gut besuchte Sonderausstellungen. Derzeit werden Teile des Klosters renoviert. Die Nachfolgenutzung steht aber noch nicht fest.

Das Franziskanerkloster in Bad Tölz wurde 2008 aufgegeben und bietet heute Platz für die Caritas. Das Klösterl am Walchensee, in dem bis ins Jahr 1725 Hieronymiten lebten, ist heute eine Jugendbegegnungsstätte der Diözese Augsburg, die das Haus 1979 erworben hat. Ordensniederlassungen ohne Kloster sind etwa die Dienerinnen vom Kinde Jesu aus dem Mutterhaus Zagreb im Caritas-Altenheim St. Hedwig in Geretsried oder die Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau im Schwestern-Alten- und Erholungsheim Bad Tölz. Zudem gibt es in Benediktbeuern noch einen kleinen Konvent mit Missionsfranziskanerinnen vom heiligen Aloysius von Gonzaga und das Säkularinstitut Ancillae.

© SZ vom 01.09.2018
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