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Kläranlage in Starnberg:Klärwerk durch Hochwasser überlastet

Extrem hohe Niederschläge führten dazu, dass ungeklärtes Wasser in den Starnberger See gelangte. Und dazu, dass die Kosten für die Kläranlage in die Höhe schnellen.

Q. Maderspacher

Das anhaltende Hochwasser treibt die Kosten für die kommunale Kläranlage in Starnberg in die Höhe. Mit Mehrkosten von bis zu 3000 Euro pro Tag rechnet der Geschäftsleiter des Zweckverbandes, Norbert Impelmann. Außerdem haben die extremen Niederschlagsmengen im Monat August die Anlage an die Grenzen des Möglichen getrieben. Teilweise wurde ungeklärtes Wasser sogar in den See geleitet.

"Bei so viel Wasser kann man nichts mehr machen": Norbert Impelmann vor der Starnberger Kläranlage.

(Foto: STA)

"Bei so viel Wasser kann man nichts mehr machen", so der Kommentar des Geschäftsleiters zur aktuellen Situation. Die Kläranlage habe bis zu 900 Liter pro Sekunde verarbeiten müssen, an normalen Tagen reinigt man 250 Liter. "Mehr geht nicht", so Impelmann. Und so gelangte auch an einigen Tagen im August ungeklärtes Wasser in den See. Die Starnberger Kläranlage pumpt nämlich nur so viel Wasser in ihre Becken, wie sie auch verarbeiten kann. Da dieses Limit aber erreicht wurde, trat Wasser in verschiedenen Seegemeinden wieder aus dem Ringkanal, der um den See herum verläuft. "Man muss diesen Überlauf akzeptieren", sagt Impelmann. Nur der Ausbau der Kläranlage könnte hier Abhilfe schaffen.

Die neue UV-Bestrahlungsanlage, die die Qualität des in die Würm fließenden Wasser beträchtlich erhöht, war nur zeitweise außer Betrieb. Auch haben man bei dem aus der Anlage fließenden Wasser die Grenzwerte nicht überschritten, so Impelmann. Daher sei es wahrscheinlich auch zu keiner Beeinträchtigung der Badewasserqualität gekommen, sagt der Leiter des Gesundheitsamtes Starnberg, Harald Staskiewecz. Genaue Zahlen werden nächste Woche auf der Homepage des Gesundheitsamtes veröffentlicht. Auch im Starnberger See könne man noch ohne Sorgen baden, beruhigt Staskiewecz.

Allerdings war es nicht nur die Extremsituation Anfang August, die die Kläranlage überforderte. Vielerorts hat der See auch noch die Ufer überschwemmt, und so fließen große Mengen an Seewasser in die Kanalisation. "Man spricht von sogenanntem Fremdwasser. Normalerweise sollte die Kläranlage nur Schmutzwasser verarbeiten, zur Zeit reinigen wir aber wegen des hohen Seepegels auch Regen- und Grundwasser", erläutert Impelmann. Dadurch muss die Kläranlage auch jetzt noch 150 Liter pro Sekunde an Mehrzulauf verkraften. Auf so große Mengen ist das Werk aber nicht ausgelegt, was langfristig zu Schäden führen könnte. Auch koste die derzeitige Situation dem Zweckverband und letztendlich den Gemeinden viel Geld: Impelmann rechnet mit monatlichen Mehrkosten von 75 000 Euro.

Am Ammersee ist die Lage entspannter. "Eine solche Katastrophensituation wie am Starnberger See hatten wir hier nicht", erklärt Hermann Doblinger, Vorstand der AWA Ammersee. Es musste zwar auch mehr Wasser gereinigt werden, aber es sei kein Schmutzwasser aus den Kanälen ausgetreten. Derweil stellt sich bei Norbert Impelmann noch keine Entspannung ein: "Die derzeitige Situation wird sich wohl noch einige Wochen hinziehen". Er hofft darauf, dass es in den nächsten Wochen nicht mehr stark regnet.

© SZ vom 06.09.2010/sonn

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