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In Bad Tölz-Wolfratshausen:Landkreis will Verkehrswende

Landrat Josef Niedermaier (FW) erläuterte bei der Dietramszeller Bürgerversammlung aktuelle Kreisthemen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Einheitliches Tarifsystem, Ringbuslinien und "Alpenbus" sollen Umstieg erleichtern

Der Landkreis ist gewillt, die Verkehrswende zu schaffen. Das hat Landrat Josef Niedermaier (FW) am Montag bei der Bürgerversammlung in Dietramszell noch einmal betont. Mobilität sei Zeichen für eine "florierende Wirtschaft und Wohlstand", sagte Niedermaier. In einem Flächenlandkreis müsse es aber darum gehen, Bürgern den Umstieg vom "Eh-da-Auto", das verfügbar und bezahlt sei, auf den Öffentlichen Nahverkehr zu erleichtern.

Niedermaier nannte dafür drei Maßnahmen, die umgesetzt werden sollen: Ein einheitliches Tarifsystem für den Landkreis, der "komplett MVV-Gebiet" werden solle. Im Vergleich etwa zu Miesbach gebe es im hiesigen Landkreis für die Hauptader Wolfratshausen-Geretsried-Bad Tölz keine Bahnlinie. Für diese Strecke solle es künftig Busverbindungen im Stundentakt geben. Rund 3,5 Millionen Euro muss der Landkreis dafür aufwenden. Der Freistaat habe eine Mitfinanzierung bisher abgelehnt, sagte Niedermaier. Das soll sich nun ändern: Ministerpräsident Markus Söder (CSU) habe bei "landesbedeutsamen Buslinien" finanzielle Unterstützung zugesagt. Als zweite Maßnahme nannte Niedermaier die geplanten Ringbuslinien rund um München. Expressbusse durch die Landkreise München, Dachau, Fürstenfeldbruck, Starnberg und Bad Tölz-Wolfratshausen sollen umsteigefreie Brücken zwischen den S-Bahnhaltestellen und der Region schlagen. So soll es künftig eine Linie Starnberg, Wolfratshausen, Egling, Deisenhofen geben, die teils im 20-Minuten-Takt fährt.

Dritte Maßnahme ist der "Alpenbus", der Querverbindungen auch im Süden, zwischen Rosenheim, Weilheim und Murnau, schafft. Zubringerbusse von den einzelnen Gemeinden zum "Alpenbus" müsse der Landkreis organisieren. Ursprünglich seien diese erst im Zuge der S-Bahn-Verlängerung nach Geretsried geplant gewesen, sagte Niedermaier. Weil die aber "noch länger dauert", habe der Kreistag beschlossen, bereits jetzt in die Planungen einzusteigen. Nach einer drei bis vierjährigen Versuchsphase - "so lange dauert es, bis ein Angebot angenommen wird" - werde entschieden, ob die Zubringerbusse bleiben.

Alarm schlug der Landrat in Bezug auf die soziale Sicherung. "Der demografische Wandel schlägt schneller zu als der Klimawandel", warnte er. Mit der Folge, dass künftig Ärzte und Pflegepersonal fehlen - was letztendlich auch der Grund für die Schließung der Geburtshilfeabteilung an der Tölzer Asklepios-Klinik war. Um die medizinische Versorgung in Krankenhäusern langfristig sicherzustellen, müsse man über eine Spezialisierung nachdenken, sagte Niedermaier: "Nicht alles wird in jedem Krankenhaus abgebildet werden können." Eine kürzlich veröffentliche Studie des Berliner Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung komme zu einem ähnlichen Ergebnis: Demnach sei eine Konzentration auf wenige, aber dafür besser ausgestattete Kliniken nicht nur eine Möglichkeit, auf den Fachkräftemangel zu reagieren, sondern verbessere auch die Qualität der medizinischen Versorgung für die Patienten. Gegner warnen dagegen vor einer "Zerstörung von sozialer Infrastruktur". Niedermaier forderte eine offene Diskussion, denn das Personal "langt hinten und vorne nicht", weder in Praxen, noch in Kliniken. "Die Politik drängt uns in einen gnadenlosen Verdrängungswettbewerb". Auch in den Kitas herrsche Notstand, sagte Niedermaier. Jüngstes Beispiel ist Icking, wo der Gemeinderat mangels Erzieherinnen nun Eltern oder Senioren als Laienhelfer in der Mittagsbetreuung einsetzen will. Niedermaier erteilte solchen Überlegungen eine klare Absage: "Derzeit ist das ein No-Go, dass Mütter als Hilfskräfte eingesetzt werden". Der Freistaat fördere den Bau von Kitas zwar "ordentlich", sagte der Landrat. "Aber der beste Kindergarten nützt nichts, wenn Erzieherinnen fehlen." Verstärkt werde das Problem, wenn die Anforderungen immer weiter nach oben gefahren würden. "Dann dauert die Ausbildung noch länger."