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Im Landkreis:Verzicht auf Pestizide

BN erreicht Zusage von 75 Prozent der Kommunen

Vor knapp einem Jahr hat die Kreisgruppe des Bundes Naturschutz (BN) die Initiative "Pestizidfreier Landkreis" gestartet. Dazu schrieb sie alle 21 Städte und Gemeinden im Landkreis an und forderte von ihnen, auf den Einsatz von Pestiziden zu verzichten. Mit dem Ergebnis zeigt sich Friedl Krönauer zufrieden. Immerhin 75 Prozent der Kommunen hätten sich dazu entschlossen, "durch den Verzicht auf den Gifteinsatz einen wirksamen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Insekten und Vögeln zu leisten", bilanziert der BN-Kreisvorsitzende.

Das Motiv, die Initiative ins Leben zu rufen, war für die Naturschützer der besorgniserregende Rückgang der Arten, insbesondere bei den Insekten, Vögeln und Kleinsäugern. Nach dem Vorbild einiger Nachbarlandkreise und mittlerweile 460 Kommunen in Deutschland fragte die Kreisgruppe schriftlich in den Kommunen des Landkreises an, wie sie es mit dem Einsatz von Totalherbiziden auf jenen Flächen und Grundstücken halten, die der Gemeinde gehören. Von den 21 Städten und Gemeinden gab es Krönauer zufolge 16 positive Rückmeldungen. "Etliche Gemeinden, wie zum Beispiel Wolfratshausen oder Icking, hatten bereits vorher den entsprechenden Entschluss gefasst", erklärt der BN-Kreisvorsitzender. Lediglich aus Greiling, Jachenau, Reichersbeuern, Sachsenkam und Wackersberg habe man trotz mehrmaliger Nachfrage keinerlei Stellungnahme zu dem Schreiben erhalten.

Den Naturschützern ist bewusst, dass der Pestizidverzicht einer Gemeinde lediglich einen begrenzten Einfluss auf die Artenvielfalt hat, weil ihre Areale meist nicht sonderlich groß sind. Trotzdem habe "ein klares Bekenntnis gegen die Giftspritze doch eine beispielgebende Signalwirkung gerade auf die Bürger und ist durchaus dazu geeignet, vorbildhaft und mit positivem Einfluss auf die Bewirtschaftung der eigenen Gärten zu wirken", betont Krönauer.

Die Entscheidung gegen den Einsatz von Pestiziden falle manchen Verantwortlichen in den Rathäusern, Bauhöfen und Gemeindewerken aber offensichtlich noch etwas schwer. Zum einen deshalb, weil Produkte der Agrochemie vordergründig und zeitsparend Wege, Plätze und Grünanlagen "unkrautfrei" hielten, wie der BN-Kreisvorsitzende argumentiert. Zum anderen auch wegen eines Anspruchsdenkens in der Bevölkerung, die von ihrer Kommune stets ein gepflegtes und ordentliches Erscheinungsbild ihres Ortes verlangten. Aber eben auch ein langweiliges, wie der BN hinzufügt.

Die Bürger in den "pestizidfreien Gemeinden" könnten sich freuen, sollten es aber dabei nicht bewenden lassen, so Krönauer. Vor allem Gartenbesitzern komme eine tragende Rolle beim Wunsch nach mehr Artenvielfalt zu: "Zierkies und durch Mähroboter gestutzter englischer Rasen mögen dem Idealbild so mancher Hochglanz-Lifestyle-Magazine entsprechen, für Hummel, Tagpfauenauge und Co sind es lebensfeindliche Wüsten."

© SZ vom 09.03.2019 / SZ

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