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Geretsried:Die "Inflation von Menschenrechten"

Beim Aschermittwochs-Fischessen der CSU zieht Dominikanerpater Wolfgang Spindler vom Leder: über Homosexuelle, die Umprogrammierung der Geschlechter und die "Auflösung der menschlichen Natur".

Es ist nicht ganz leicht, sich daran zu erinnern, was noch so los war auf dem politischen Aschermittwoch der CSU - also abgesehen von der Rede des Dominikanerpaters Wolfgang Spindler. Die Christsozialen waren zum Gottesdienst und zur Aschekreuzauflegung in der Kirche St. Benedikt in Gelting gewesen, danach hatte es im großen Saal der Ratsstuben traditionell Fisch gegeben. Und dann herrschte gut eine Stunde lang Stille unter den rund 100 Besuchern. Nur der Pater redete.

Er redete über die "angebliche Diskriminierung" von Homosexuellen, die real nicht existiere, sondern das Ergebnis einer europaweiten "Umerziehung und Umprogrammierung des Geschlechter- und Familienbilds" sei: "Werden demnächst auch Polygamie, Polyandrie oder Sodomie anerkannt?" Diese war eine von vielen Thesen, die er in den Raum warf, eingebettet in eines von drei ineinander übergreifenden Themengebieten, die seiner Ansicht nach den "aktuellen Herausforderungen für Politik und Gesellschaft" entsprachen: Wirtschaft, Familie und Bildung.

Den Frauen, so Spindler, sei eingeredet worden, sie müssten es den Männern "in allem immer gleichtun". Und zwar ganz im Sinne der Wirtschaft: So seien die Befürworter von Tagesstätten für sehr junge Kinder und Ganztagsschulen zuvorderst "die Arbeitgeber" gewesen. Denen gehe es aber nicht ums Kindswohl, sondern um " ökonomisches Wachstum". Die Mütterrente sei daher ein politischer Erfolg, im Gegensatz zum Mindestlohn, der direkt zur Schwarzarbeit zurückführen werde. Bezahlen müsse dies der Mittelstand. Nur fünf Prozent aller Einwohner Deutschlands trügen 70 Prozent des Steueraufkommens. "Deshalb kann man Volksparteien wie der CSU immer raten: Kümmert euch nicht so sehr um Randgruppen, sondern kümmert euch um die geschröpfte Mitte, um die, die den Staat am Leben erhalten."

Das Stichwort Randgruppe brachte den Pater auf die Homosexuellen. Ständig höre er in den Medien von "angeblicher Diskriminierung", und "am lautesten verschaffen sich da Homosexuelle Gehör". Diskriminierung sei ein Schlagwort, das den Menschen ein schlechtes Gewissen "einimpft". Er führe das auf ein von der EU gewolltes Gender-Mainstreaming zurück, das die "Auflösung der menschlichen Natur" zum Ziel habe. Privilegien sollten nicht an "sexuelle Verhaltensweisen" festgemacht werden, auch "Geschwister und katholisch lebende Freunde" sollten sich demnach verpartnern dürfen. "Wer solche Privilegien verallgemeinert, der schafft sie ab." Die Familie werde gefährdet durch ein "notorisches Pochen auf individuelle Rechte", die aufgeblasen würden zu Menschenrechten. "Es gibt inzwischen eine Inflation von Menschenrechten."

Bedauern bekundete der Pater darüber, dass die CSU in Bildungsangelegenheiten das Heft aus der Hand gegeben habe. Allenfalls noch in Nuancen unterscheide sie sich in ihrer Wortwahl von Grünen und Sozialdemokraten. Transparenz, Gleichheit und Vielfalt: "Alles aus dem Jargon der 1968er geschöpft." In dieser Sache, so appellierte Spindler, müsse man "den Mut aufbringen, Unterschiede auszusprechen", denn das sei keine Diskriminierung. Differenziert müsse man vorgehen, nicht aber, indem man "die Tölpel mit den Hochbegabten in einen Hörsaal sperrt". Am Ende lobte der Pater die "gut aufgestellte" Geretsrieder CSU. Auf die konzentrierte Stille folgte schließlich Applaus für diese Rede.