Gemüseanbau in der Stadt:Koalition auf dem Acker

Der Wolfratshauser Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) stellt 3000 Quadratmeter eigenen Grund für Freizeitgärtner zur Verfügung. Initiator Hans Schmidt (Grüne) ist begeistert von der Resonanz

Von Wolfgang Schäl

Erst war es nur eine spontane Idee, die einige Bürger geäußert hatten, nun ist "eine tolle Erfolgsgeschichte" daraus geworden, "ganz ohne Anlaufphase", wie der Wolfratshauser Grünen-Stadtrat Hans Schmidt hocherfreut feststellt: Mittlerweile haben sich schon 20 Interessenten gemeldet, die auf dem Grundstück der Familie von Bürgermeister Klaus Heilinglechner in Weidach Parzellen mit eigenem Gemüse bebauen wollen, ähnlich jenem Projekt, das in Gelting und in Dorfen unter der Bezeichnung "Sonnenäcker" bereits seit einigen Jahren existiert. Schmidt versteht sich als Initiator und Ansprechpartner für das Vorhaben Gemeinschaftsgarten, das Heilinglechner als kommunaler Amtsträger nicht selbst in die Hand nehmen kann. Fünf Bürger hatten sich auf die Ankündigung, dass man hier sein eigenes Gemüse ziehen könne, spontan vormerken lassen, 15 Freizeitgartler sind in der Zwischenzeit noch dazugekommen, und viele weitere können auf dem geräumigen Grundstück noch folgen.

Das Areal an der Franz-Geiger-Straße umfasst rund 3000 Quadratmeter und ist noch längst nicht verplant. "Wenn man pro Person an die 20 Quadratmeter ansetzt, was zur Bewirtschaftung für eine Person schon ziemlich viel ist, dann könnte man insgesamt rund 100 Parzellen dort unterbringen", hat Schmidt ausgerechnet. Unter ihnen wird auch er selbst sein. Vor seinem Haus an der Gebhardtstraße hat er zwar schon einen kleinen Garten, will aber sein eigenes Sortiment erweitern und in Weidach Knoblauch, Stangenbohnen, Kartoffeln und Zwiebeln anbauen.

Sonnenacker

So weit, dass geerntet werden könnte, ist es auf den Wolfratshauser Gemüseäckern natürlich noch nicht - aber die Aussichten sind gut.

(Foto: Günther Reger)

Vorstellen könnte sich Schmidt, eine Fläche für Asylbewerber zu reservieren. "Die hätten dort eine sinnvolle Beschäftigung, das Projekt könnte dann auch was Interkulturelles sein." Mögliche Synergien sieht der grüne Stadtrat schließlich insofern gegeben, als der Waldkindergarten nur etwa 200 Meter von der Gemüse-Anbaufläche entfernt sei. Besonders wichtig ist für Schmidt, dass ein Gemeinschaftsgarten biologisch, also unter Verzicht auf Unkrautvernichtungsmittel, betrieben wird.

Vor der Umsetzung der Idee wird noch einiges zu klären sein: Wie die Wasserversorgung gewährleistet werden kann, ob es möglich sein wird, gegebenenfalls einen Brunnen zu bohren, wo sich Kompost lagern lässt und ob vielleicht sogar Platz wäre für einen kleinen Kinderspielplatz. Darauf sei er jedenfalls von einer Mutter schon angesprochen worden, sagt Schmidt. Die Frage ist auch, in welcher juristischen Form sich die Freizeitgärtner zusammentun. Er habe schon jemanden an der Hand, der sich mit derlei Fragen auskenne und Rat geben könnte. Oberste Devise für Schmidt ist es, mit wenig Bürokratie auszukommen, er hoffe deshalb, auf eine Vereinsgründung verzichten zu können.

Unterm Dach der SZ  /  Kommunalwahl  2014

So weit, dass geerntet werden könnte, ist es auf den Wolfratshauser Gemüseäckern natürlich noch nicht - aber die Aussichten sind gut.

(Foto: Günther Reger)

Heilinglechner hat keine Ambitionen, der Tatkraft der gartenbewegten Wolfratshauser organisatorisch Fesseln anzulegen. Ob dies über Einzelverträge oder eine Gesamtverwaltung bewerkstelligt wird, ist dem Bürgermeister und Grundstückseigentümer im Prinzip egal, möglicherweise, sagt er, könnten die Initiatoren ja auch den Vertrag der Waldorfschule übernehmen, die das Areal gepachtet hat, im Frühjahr aber zu ihrem neuen Geretsrieder Standort abwandert. Was den Brunnen betrifft, hat Heilinglechner damit erklärtermaßen "kein Problem", allerdings müsse geklärt werden, ob hierfür eine Genehmigung notwendig ist. Problematisch könnten allenfalls feste Bauten wie eine Kompostlagerhalle werden, denn die Fläche sei eigentlich Bauland - seit 2006 werde ein Bebauungsplan entwickelt. Dass seine Familie von einem künftigen Baurecht einmal Gebraucht machen könnte, will Heilinglechner nicht ausschließen. In diesem Fall müsste das Grundstück im jetzigen Zustand zurückgegeben werden. Allerdings, stellt Heilinglechner fest, "besteht da von meiner Seite keine Dringlichkeit".

Die nächsten Schritte werden Schmidt zufolge sein, dass die Wolfratshauser Stadtbroschüre "Wolfratshausen aktuell", die am 7./8. März erscheint, noch einmal ausdrücklich auf das Projekt hinweist, in der Zeit vom 16. bis 20. soll dann ein Auftakttreffen anberaumt werden, zu dem sich die Interessenten versammeln.

Wer sich schon jetzt vormerken lassen will, kann sich an Hans Schmidt direkt wenden, und zwar unter Telefon 08171/297 51 oder per E-Mail an hans.schmidt@gruene-toelz-wor.de

© SZ vom 04.03.2015
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