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Ein Jahr nach Schließung des Isar-Kaufhauses:Das Leiden am Leerstand dauert an

In der Wolfratshauser Marktstraße fehlen die Kunden. Doch im kommenden Jahr könnte sich im ehemaligen Isarkaufhaus etwas tun. Die Eigentümerin aber hüllt sich noch immer in Schweigen.

Das Entsetzen war groß, als das Wolfratshauser Isarkaufhaus nach fast fünf Jahrzehnten dichtmachte,. Es sei das "Kaufhaus des Herzens" gewesen sagte eine Kundin damals. Das ist jetzt genau ein Jahr her, Grund waren die allgemeinen Marktbedingungen - ein Abwandern von Kunden ins Internet und zu Supermärkten, vor allem aber die hohen Mietforderungen. Der Schriftzug "Isarkaufhaus" prangt zwar noch immer an der Fassade, aber die Auslagen sind leer, die Türen verschlossen. Und die Eigentümerin des Gebäudes, Angela Scheller, hüllt sich wie immer in Schweigen. Ihr Anwalt Michael Thorn sieht sich jedenfalls nicht veranlasst, über die Pläne, sofern es denn welche gibt, Auskunft zu geben. "Ich bin zur Verschwiegenheit verpflichtet."

Ein Freitagnachmittag im Advent: Im Markt sind kaum Menschen unterwegs. Seit das Isarkaufhaus geschlossen ist, fehlt der Altstadt ein wichtiger Magnet. Und den Menschen ein wichtiges Geschäft, in dem man Geschenke ebenso finden konnte wie Artikel des täglichen Bedarfs.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

In der Marktstraße ist es in den vergangenen zwölf Monaten merklich ruhiger geworden. "Natürlich ist das nicht spurlos an uns vorübergegangen", sagt Hans Werner Kuhlmann, der Vorsitzende der Vereinigung Lebendige Altstadt Wolfratshausen. Darüber herrsche in der Stadt Konsens. Allerdings glaubt er, dass sich in dem Gebäude im Jahr 2014 "etwas tun" könnte, wie er "vertraulichen Gesprächen im Hintergrund" entnommen haben will. Demnach werde man sich von der Vorstellung verabschieden müssen, dass ein einziger Nutzer noch einmal das gesamte Gebäude mietet. Vielmehr werde es wohl so sein, dass in den Obergeschossen Wohnraum entsteht und im Erdgeschoss eine Ladenfläche. Als Hindernis sieht Kuhlmann den schlechten Zustand des Gebäudes, in das viel Geld investiert werden müsse.

Bei alledem müsse man auch die positiven Veränderungen am Markt beachten. Kuhlmann spricht damit den aufwendigen Umbau des Gebäudes an, in dem zuletzt die Bäckerei Ratschiller untergebracht war. Die Auslagenfenster wurden deutlich vergrößert, zum Glück habe es da keine Probleme mit dem Denkmalschutz gegeben. Dort soll Kuhlmann zufolge eine Filiale der Tölzer Parfümerie Wiedemann unterkommen.

Dass die sich mit dem gegenüberliegenden Drogeriemarkt Müller allzu heftige Konkurrenz macht, glaubt Kuhlmann nicht - "die werden sich vom Angebot her eher ergänzen", so die Prognose des LAW-Vorsitzenden. Und grundsätzlich gelte natürlich der Grundsatz, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Andererseits ist es freilich so, dass mit der Ankunft der neuen Parfümerie eine bestehende, nämlich die am Reisereck, schließt. Das Haus ist im Besitz der Stadt, die hier gern ein Ladengeschäft hätte. Was aus ihr werden könnte, weiß Kuhlmann aber nicht.

Einen deutlich spürbaren Kundenrückgang haben seit der Kaufhaus-Schließung auch Maurizio Faganello, BVW-Stadtrat und Inhaber des Eiscafés Cristallo, sowie SPD-Stadtrat Fritz Schnaller registriert, der die Raritätenstube am Obermarkt betreibt. Mit dem jetzt installierten elektronischen Parkplatz-Leitsystem könne man nunmehr genau die Auslastung der Stellflächen und damit die Zahl derer verfolgen, die in der Innenstadt einkaufen, sagt Schnaller.

Nach den ersten Erfahrungen müsse man einräumen, dass es den "gefühlten Parkplatzmangel nicht gibt", der immer wieder für den Rückgang des Fußgängerverkehrs in der Marktstraße verantwortlich gemacht werde. Um Klarheit zu gewinnen, ist es für Schnaller dringend nötig, "einen Stadtmanager anzustellen, der sich rund um die Uhr kümmert".

Faganello führt den Kundenrückgang nicht auf die Schließung des Isarkaufhauses allein zurück. Die Stadt werde leider schlechtgeredet. "Das ärgert mich." Und überhaupt: "Wenn die 18 000 Wolfratshauser Wert legen auf eine lebendige Altstadt, dann müssen sie eben auch hierher zum Einkaufen kommen, auch wenn natürlich einiges verbessert werden muss".