Breitbandausbau Plan B für Glasfaseranschlüsse

Per Glasfaserkabel können Daten wesentlich schneller übertragen werden. Viele Unternehmen brauchen solche Geschwindigkeiten, um konkurrenzfähig zu bleiben. Doch noch sind nicht alle Kommunen komplett erschlossen, und selbst dort, wo bereits Glasfaser liegt, sind Störfälle nicht ausgeschlossen.

(Foto: Dpa/Patrick Seeger)

Immer mehr Unternehmen sind nicht nur auf eine schnelle, sondern auch auf eine sichere Kommunikation im Internet angewiesen. Um diese zu gewährleisten, rüstet mancher nun nach der Causa Ascholding nach

Von Monika Großkopf, Bad Tölz-Wolfratshausen

Von Donnerstagmittag an ist nichts mehr gegangen. Das Telefon tot, keine E-Mails gingen rein oder raus. Mit dem kompletten Ausfall von Telefonie und Internet musste kürzlich ein ganzes Dorf - rund 1000 Ascholdinger Bürger - acht Tage lang leben. Betroffen davon waren nicht nur Privatkunden, sondern auch das Dietramszeller Gewerbegebiet, das ebenfalls im Ortsteil Ascholding liegt. Dabei ist gerade eine Ausfallsicherheit beim Internet eine Eigenschaft, die von Unternehmen als wichtigstes Merkmal eingestuft wird, wie eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) München und Oberbayern belegt. 40 Prozent der Unternehmen bezeichnen zudem die aktuelle Festnetz- und Mobilfunkinfrastruktur als "nicht ausreichend". Doch auch wer bereits einen Glasfaseranschluss hat, ist nicht vor Ausfällen gefeit, wie das Beispiel Ascholding zeigt. Nun müssen Gewerbetreibende ihre Kunden überzeugen - und mancher arbeitet an einem "Plan B".

Mit seinem Betrieb für Elektroanlagen war Josef Köglsperger 2017 in das neugegründete Gewerbegebiet Grabenwiese gezogen, das eine schnelle Internetverbindung mit Glasfaser hat. Doch dann kam das Hochwasser. Am 30. Mai hat die reißende Isar nahe Ascholding eine unterirdische Druckleitung mit Glasfaserkabeln der Telekom hochgespült und entzwei gerissen. "Es musste geprüft werden, ob und wie sich ein Provisorium einrichten ließe," erklärte Telekom-Sprecherin Lena Raschke problematische Lage. Daher habe es so lange gedauert, bis eine oberirdische Leitung über die Isar gespannt war.

Elektromeister Köglsperger befürchtet, dass er mit diesem Vorfall bei seinen Kunden unglaubwürdig geworden ist. "Ich musste Kunden mit dem Handy anrufen und Bescheid geben, dass bei mir kein Internet geht und dass ich nicht erreichbar bin. Mancher dachte vielleicht, dass ich mich rausreden will."

In der Umfrage der IHK steht die "hohe Ausfallsicherheit" bei zwei Drittel der befragten Unternehmen im Landkreis an allererster Stelle der Wünsche. Das Ergebnis zur Versorgung mit schnellem Internet ist hingegen ernüchternd: Neben den etwa 40 Prozent, die es aktuell für "nicht ausreichend" erklären, besitzt überhaupt nur ein Drittel der Unternehmen einen Glasfaseranschluss bis ins Gebäude. Ein weiteres Drittel muss sich mit langsameren DSL-Anschlüssen bescheiden. Fast neun Prozent weichen daher komplett auf Mobilfunk aus. Auf die Frage: "Was würde passieren, wenn die Internetversorgung die nächsten Jahre unverändert bleibt?" antwortete fast die Hälfte der Befragten, sie könnten nicht wie geplant expandieren. Zwölf Prozent müssten eventuell Aufträge ablehnen und noch acht Prozent ziehen gar einen Standortwechsel in Betracht.

Insgesamt gesehen hat sich die Breitbandversorgung im Landkreis laut Bayerischem Finanzministerium in den vergangenen Jahren jedoch enorm verbessert. Bislang wurden 21 Gemeinden im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen 7,5 Millionen Euro an Fördermitteln zugesagt, rund vier Millionen Euro wurden bereits ausgezahlt. Ulrich Beigel, Leiter des Amts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung in Wolfratshausen ist mit der Situation im Landkreis erst einmal zufrieden, kennt aber auch die problematischen Gebiete. "Gemeinden wie Dietramszell, die sehr zersiedelt sind, haben natürlich größere Probleme mit einer flächendeckenden Anbindung als beispielsweise Icking, das kompakt beieinander liegt."

Dünn besiedelte Gebiete bedeuten lange Leitungswege, mehr Kosten und weniger Einwohner - da stünden die Telekommunikationsanbieter nicht Schlange, wenn es darum geht, zu investieren. Zu aufwendig seien die Arbeiten und dadurch nicht kostendeckend. Damit die Einwohner aber auch dort in den Genuss von höheren Bandbreiten kommen, hat der Freistaat das Förderprogramm Breitband aufgelegt. Übernimmt die Kommune die Investitionen in diesen Bereichen, bekommt sie bis zu 80 Prozent der Kosten erstattet.

Für manche, die bereits über Glasfaser verfügen, ist es dennoch ratsam, sich nach dem alten Motto "doppelt genäht hält besser" abzusichern. Elektromeister Köglsperger zum Beispiel wird nach der langen, ungewollten Zeit offline seine mobile Anbindung zusätzlich verstärken und hofft, dass sein "Plan B" ihn vor dem nächsten Kummer mit einem defekten Glasfaserkabel bewahrt. Denn ein Standortwechsel wäre für ihn undenkbar.