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Barrierefrei unterwegs:Gutachten und Gegengutachten

BRB und Behinderten­verbände streiten um die neuen Lint-Züge

Seit knapp einem Jahr sind bei der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) die neuen Lint-Züge in Betrieb - doch noch immer gibt es um die Fahrzeugflotte Streit. Die Bayerische Regiobahn (BRB), die auch das Netz im Oberland betreibt, hat jüngst die Ergebnisse einer Fahrgastumfrage veröffentlicht. Demnach bekommen die Lint-Züge vor allem bei den Themen Sauberkeit, Pünktlichkeit und Fahrgastinformation gute Noten. Behindertenverbände dagegen kritisieren weiterhin die mangelnde Barrierefreiheit der Lint-Züge.

BRB-Geschäftsführer Fabian Amini kann den Unmut von Rollstuhlfahrern verstehen. Bei den Lint-Zügen ist der Abstand zum Bahnsteig zu groß, um ohne Hilfe in die Waggons reinrollen zu können - dafür muss nun eine Rampe ausgelegt werden. Die Züge entsprächen aber zu hundert Prozent den Vorgaben der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, so Amini. Beim Vorgängermodell, dem Integral, sei der Einstieg für viele genauso wenig ohne Unterstützung möglich gewesen, sagt er. Und die Lint-Züge hätten obendrein dazu noch viele andere Vorzüge.

Mehr als 90 Prozent der Fahrgäste bewerten in der Umfrage die Lint-Züge besser oder zumindest gleich wie den Integral. Sitzkomfort, Fahrgeräusche, Temperatur, Service und Sanitäreinrichtungen hätten gute Werte bekommen, heißt es bei der BRB. Als größter Kritikpunkt verblieb die Stabilität des Wlan. Insgesamt sei aber ein "starker Aufwärtstrend" zu verzeichnen, so Amini. In den alten Integral-Zügen sei zum Beispiel auch eine Biotoilette verbaut gewesen, die zu Geruchsbildung geführt habe. In den modernen Lint-Fahrzeugen sei dies nicht der Fall, die seien geruchsfrei. Somit komme es auch zu keiner Geruchsbelästigung mehr an den umliegenden Plätzen, wie etwa denen für die Rollstuhlfahrer.

Bei der Arbeitsgruppe "BRB barrierefrei" und der Bürgerinitiative "Endstation Lint" findet man das wenig tröstlich. Vor allem bei der Arbeitsgruppe, die sich vergangenes Jahr nach einer ersten großen Protestaktion in Holzkirchen gegründet hatte, hegt man großen Zweifel, dass die Lint-Züge allen geforderten Normen entsprechen.

Speziell die Situation am Einstieg habe sich schon mehrfach als unfallträchtig erwiesen, heißt es in einer Mitteilung. Auch das Versprechen der BRB, dass der Schaffner bei Bedarf zuverlässig die Rampe ausgelegt, sei nicht immer erfüllt worden. "BRB barrierefrei" und die Bürgerinitiative "Endstation Lint" haben deshalb eine eigene Umfrage entwickelt, in der neben Qualität, Preis-Leistung, Fahrkomfort und Sauberkeit auch nach der Barrierefreiheit und der Lärmemission gefragt wird.

Die Umfrage ist im Internet zu finden unter https://bit.ly/3tXIbEh

© SZ vom 07.05.2021 / zif
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