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Bad Tölz-Wolfratshausen:Energiewende verzögert sich

Nach Geothermie-Fehlversuch sind andere Ressourcen gefragt

Sollte es beim Aus für das Geothermieprojekt in Icking bleiben, bedeutet das einen herben Rückschlag für die Energiewende in der gesamten Region. "Auch wenn wir noch keine Details aus Icking erfahren haben und somit nicht wissen, ob es noch Hoffnung gibt, so sind die Nachrichten natürlich enttäuschend", sagt dazu Stefan Drexlmeier, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Energiewende Oberland. Denn wäre die Bohrung erfolgreich verlaufen und hätte das dann zu bauende Kraftwerk den erwarteten Strom für bis zu 60 000 Haushalte ab 2020 geliefert, wären die Ziele der Energiewende für den Landkreis mit einem Schlag erreicht gewesen. Und das 15 Jahre vor dem eigentlichen Zeitziel 2035, so dass andere von einem Vorreiterlandkreis Bad Tölz-Wolfratshausen hätten profitieren können. "Aber es ist ja nicht das erste Projekt, das scheitert", relativiert Drexlmeier seine Enttäuschung. Die Ziele der Energiewende sieht er durch das Aus in Icking zwar erschüttert, aber nicht in ihrem Grundsatz gefährdet. "Denn wir haben ja von Beginn an gesagt, dass wir in unserer Region auf einen Mix setzen müssen, also auch auf Photovoltaik sowie Wasser- und Windkraft." Diese Möglichkeiten regenerativer Energiegewinnung müssten nun eben vorangetrieben werden, insbesondere die Windkraft "muss wieder auf den Tisch", sagt Drexlmeier. Er sieht im Landkreis "genug Ressourcen, um auch ohne Geothermie energieautark zu werden". Derzeit würden zum Beispiel nur fünf Prozent der geeigneten Flächen für Photovoltaik genutzt. "Wir müssten aber auf 56 Prozent kommen." Um das Oberland in 16 Jahren ausschließlich durch erneuerbare Energien zu versorgen, brauche es komplexe Konzepte und innovative Lösungen. "Für uns sind drei Eckpunkte wichtig: ökologische Verträglichkeit, ökonomische Sinnhaftigkeit und die Akzeptanz in der Bevölkerung." Solche konzeptionellen Lösungen würden in dem Projekt "Inola" bis September 2019 erarbeitet.