Sicherheit Der G 7-Gipfel hält Tausende auf Trab

Auch im Landkreis bereiten sich ehrenamtliche wie hauptberufliche Rettungs- und Sicherheitsdienste auf einen gewaltigen Einsatz vor. Über die B 11 kommen die Staatsgäste aber nur im Notfall

Von Ingrid Hügenell, Bad Tölz-Wolfratshausen

Das Gipfeltreffen der Regierungschefs der sieben wichtigsten Industrienationen (G 7) findet zwar auf Schloss Elmau statt, das zur Gemeinde Krün im Landkreis Garmisch-Partenkirchen gehört. Es betrifft aber auch den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ganz direkt. Ehrenamtliche von Rettungsdiensten, Technischem Hilfswerk (THW) und Feuerwehren werden ebenso gebraucht wie Menschen, die hauptberuflich für die Sicherheit zuständig sind. Um die Politiker und ihre Entourage zu schützen, aber auch, um Gipfelgegner und Demonstranten zu begleiten und deren Sicherheit zu gewährleisten, sind Tausende im Einsatz. Und auch sie müssen versorgt werden. Eine Mammutaufgabe in Logistik und Organisation, mit der seit Monaten diverse Planungsstäbe beschäftigt sind. Im Januar beginnt die Detailplanung.

Die Logistiker

Tausende Einsatzkräfte in einem abgelegenen Bergtal - die wollen versorgt sein. Der Ortsverband Geretsried des THW wird einen Teil der Logistik übernehmen, wie Pressesprecher Sven Schirmer sagt. Ob es sich um die Beschaffung von Kraftstoff für die Fahrzeuge oder um Reparaturen handelt, die Ehrenamtlichen des THW sind für diese Aufgaben gerüstet. Es gebe in Geretsried etwa KFZ-Meister und LKW-Mechaniker, sagt Schirmer. "Dass an zwei Tagen mit Tausenden Hilfskräften irgendwas kaputt geht, ist zu erwarten", sagt er. "Und dann kann man ja nicht einfach in eine Werkstatt fahren." Vor allem Dieselkraftstoff müsse immer vorhanden sein, um Stromaggregate betreiben zu können. Das Geretsrieder THW ist auch zuständig für Kommunikation und Koordination, legt also Telefonleitungen, zieht Kabel und kümmert sich darum, dass der Behördenfunk funktioniert. Wie viele der etwa 60 Aktiven beim Gipfel gebraucht werden, weiß Schirmer noch nicht. Auch andere THW-Fachgruppen aus dem ganzen Land schicken ihre Leute. Sie leuchten zum Beispiel Zufahrtsstraßen und Kontrollstellen aus. "Die können relativ schnell viel Licht machen", sagt Schirmer. Und ehrenamtliche THW-Leute kümmern sich darum, dass genügend Strom zur Verfügung steht, auch bei eventuellen Notfällen. Schirmer freut sich über den Einsatz: "Das ist ein spannendes Thema, weltweit präsent. Ort und Umgebung sind eine Herausforderung." Andererseits sei es für die Hilfsorganisationen angenehm, dass der Einsatz, anders als bei Katastrophen, geplant werden könne.

Das Geretsrieder THW ist auch zuständig für Kommunikation und Koordination, legt Telefonleitungen und zieht Kabel.

(Foto: THW / Rupert Oberhaeuser)

Die Anfahrt

Die Aussichten, dass die Wagenkolonne mit Barack Obama am 7. oder 8. Juni auf der Bundesstraße 11 durch Icking, Wolfratshausen oder Geretsried brettert, sind eher gering. "Machen Sie sich keine Hoffnung", sagt Hans-Peter Kammerer, Pressesprecher des polizeilichen Planungsstabs für den G 7-Gipfel. "Da müsste schon viel schief gehen, dass das notwendig wird." Dennoch: Zwei der vier Anfahrtsmöglichkeiten nach Krün führen durch den Landkreis. Eigentlich sollen Hubschrauber die Staatsgäste direkt vom Münchner Flughafen nach Krün bringen. Die Autobahn A 95 und die Bundesstraße 2 sind, wenn wegen schlechter Sicht in München oder in der Elmau nicht geflogen werden kann, die ersten Alternativen. Die B 11 gilt als letzte Möglichkeit, die man ungern nutzen möchte. Schon weil es schwierig wäre, die Kolonnen mit den schweren Staatslimousinen und Motorrädern über den Kesselberg zu schleusen, wie Kammerer erklärt. Und auch wegen der zahlreichen Ortsdurchfahrten. In Wolfratshausen etwa schlängelt sich die B 11 durch den Untermarkt und die Bahnhofsstraße zur Königsdorfer Straße und weiter nach Geretsried. Dennoch müssen natürlich Pläne gemacht werden, wie auch diese Strecke gesichert werden kann, und es müssen Leute vor Ort sein für den Fall, dass schnell umgeplant werden muss.

Die Polizei

Aus dem Landkreis sind mehrere Beamte in den Planungsstab abgeordnet, etwa Johann Brandhuber, stellvertretender Leiter der Geretsrieder Polizeidienststelle. Dem macht die ungewohnte Aufgabe Spaß: "Es ist sehr interessant, bei einer solchen Planung dabei zu sein und zu erleben, in welchen Dimensionen man denken muss", sagt Brandhuber. "Das sind prägende Erlebnisse, die man da hat." Für ihn wie für alle anderen bayerischen Beamten gilt von Anfang Mai bis Mitte Juni eine Urlaubssperre, sie werden für den Einsatz dringend gebraucht. Ob die Polizisten während der Gipfeltage auch längere Schichten bei kürzeren Erholungsphasen aushalten müssen, steht laut Kammerer noch nicht fest. Denn noch sei unklar, wie viel Personal zur Verfügung stehen werde.

Hans-Peter Kammerer, Pressesprecher des polizeilichen Planungsstabs für den G 7-Gipfel.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die Rettungsdienste

Eine Urlaubssperre gilt auch für die hauptamtlichen Mitarbeiter des Roten Kreuzes (BRK) im Landkreis und für die anderen Rettungsdienste wie die Johanniter. "Wir gehen davon aus, dass in dem Zeitraum jeder Mann gebraucht wird", sagt BRK-Kreisgeschäftsführer Andreas Schäfer. Problematisch an der Sache: "Das normale Geschäft geht ja weiter. Man kann den eigenen Bereich nicht blank lassen." Auch zu normalen Zeiten sei ohnehin jeder im Einsatz. Für die Urlaubssperre ausgerechnet in den Pfingstferien hätten die Leute Verständnis, sagt Schäfer weiter. Er hofft darauf, bald genauere Zahlen aus den landesweiten Planungsstäben zu erhalten, damit er weiß, wann er wie viele Leute wohin abstellen muss.

Auch wer ehrenamtlich beim Roten Kreuz arbeitet, ist aufgerufen, an den Tagen vor, während und nach dem Gipfel präsent zu sein. Das heißt, die Arbeitgeber müssen bereit sein, sie freizustellen. Markus Möbius, der ehrenamtlich für die Bereitschaften zuständig ist, arbeitet hauptberuflich in München in einem Ingenieurbüro an der Bayernkaserne und weiß selber noch nicht, ob er freibekommen kann. "Es wäre schön, wenn man mehr wissen würde", seufzt er. Die Rot-Kreuzler seien jedenfalls für die "lokale Gefahrenabwehr" vorgesehen. An den neuralgischen Punkten, dort, wo Gipfel-Gegner ihre Camps aufschlagen oder Großdemonstrationen stattfinden, werden auch Rettungshelfer gebraucht. Den ganzen Einsatz sieht Möbius zwiespältig. Einerseits findet er die Sache spannend und freut sich, dabei sein zu können. "Dadurch wird das Ehrenamt mit Sicherheit nicht langweilig", sagt er. "Wann hat man schon die Chance, so etwas mitzuerleben." Andererseits bedeute der Einsatz aber auch eine große Belastung, womöglich würden Leute abspringen.

Sven Schirmer ist Pressesprecher des Technischen Hilfswerks in Geretsried.

(Foto: Manfred Neubauer)

Der Funk

Noch bevor der Gipfel stattfindet, müssen die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen der Blaulicht-Organisationen Zeit aufbringen. Im Frühjahr wird, eher als geplant, der behördliche Digitalfunk eingeführt. Eigentlich hätte dafür Zeit sein sollen bis 2016. Nun wurde der Ablauf verkürzt. Jeder, egal ob Feuerwehrler oder Rettungssanitäter, der ihn nutzt, muss vier Stunden Schulung absolvieren. Für die Feuerwehr kein Problem, erklärt Kreisbrandrat Karl Murböck, die Feuerwehrler aus dem Oberland würden bei den Schulungen vorgezogen. Wie viele Feuerwehrleute wann und wo gebraucht würden, werde im Januar festgelegt. "Ich rechne damit, dass die Feuerwehr aushelfen kann, man will gewappnet sein."

Die Schulen

Während Polizeibeamte, Feuerwehrler und Mitarbeiter der Rettungsdienste mehr arbeiten müssen, haben die Geretsrieder Realschüler länger Pfingstferien und am 8. und 9. Juni frei. Denn in ihrer Schule werden Sicherheits- und Rettungskräfte einquartiert. Woher diese kommen und wie viele es sein werden, stehe ebenfalls noch nicht fest, sagt Oliver Platzer, Pressesprecher des bayerischen Innenministeriums. Klar ist aber: Die Betreuung der Schüler wird garantiert. Vieles ist noch unklar, etwa, ob auch an der Feuerwehrschule Geretsried Räume gebraucht werden. Wie Polizeipressesprecher Kammerer sagt, werden dort vermutlich Zimmer zur Versorgung von Polizeikräften eingerichtet. Polizeiärzte sollen zur Verfügung stehen, um erste Diagnosen zu stellen, etwa bei psychischer, stressbedingter Überlastung oder auch bei einfachen Erkrankungen wie Erkältungen. "Das ist bei mehreren tausend Polizeieinsatzkräften eine Standardmaßnahme", sagt Kammerer.